Ein Opfer und vier Täter?

Tötungsanschlag am Dienstag im Waiblinger Eisental: Der Niedergeschossene schwebt weiter in Lebensgefahr

Der 33-Jährige, der am Dienstag bei einer Auseinandersetzung im Eisental durch mehrere Schüsse schwer verletzt wurde, schwebt weiter in Lebensgefahr. Wie die Polizei heute mitteilte, ist der Mann nach wie vor nicht vernehmungsfähig. Man habe in der Zwischenzeit eine Sonderkommission Eisental eingerichtet und suche im Zusammenhang mit der Tat nach vier Männern.

Dienstagnachmittag: Ein Beamter der Spurensicherung mit Schutzanzug und Plastiküberzügen an den Schuhen untersucht den Tatort, eine Autowerkstatt im Waiblinger Industriegebiet Eisental. Foto: G. Habermann

© Gabriel Habermann

Dienstagnachmittag: Ein Beamter der Spurensicherung mit Schutzanzug und Plastiküberzügen an den Schuhen untersucht den Tatort, eine Autowerkstatt im Waiblinger Industriegebiet Eisental. Foto: G. Habermann

Von Peter Schwarz

WAIBLINGEN. Vier Männer betraten am Dienstagvormittag die Autowerkstatt im Waiblinger Industriegebiet Eisental, dieselben vier verließen das Gebäude gegen 11.45 Uhr wieder und fuhren in einem grauen Kombi davon. Dazwischen: Geschrei, Streit, das Knallgeräusch von Schüssen. Als die von Ohrenzeugen alarmierte Polizei herbeieilte, fand sie den 33-jährigen Betreiber der Werkstatt am Boden liegend: blutend, von mehreren Kugeln lebensgefährlich getroffen.

Mit anderen Worten: So, wie es derzeit aussieht, steckt nicht nur ein Mensch, sondern möglicherweise ein Täterquartett hinter dem Tötungsanschlag. Allerdings stammten wohl alle Schüsse, so zumindest die vorläufige Polizeieinschätzung, aus ein und derselben Waffe; was dafür spricht, dass nur einer abdrückte, während die anderen lediglich als Begleitung fungierten.

Das Opfer wurde am Dienstag am Tatort notärztlich versorgt, danach per Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht und noch am Nachmittag operiert. Der 33-Jährige schwebt weiterhin in Lebensgefahr. Für die Ermittler war er bislang nicht zu sprechen: Er ist nicht vernehmungsfähig. Die Polizei schrieb am Mittwoch in ihrer Pressemitteilung zum aktuellen Stand: Da mehrere Zeugen „unmittelbar vor den Schüssen“ ein „sehr lautes Streitgespräch wahrgenommen“ haben, liege es nahe, „dass zwischen Opfer und Tätern möglicherweise eine Vorbeziehung bestand oder sie sich zumindest kannten“.

Wenn sich erhärtet, was bislang naheliegt, mutet das Ganze nicht an wie ein harmlos gemeinter Besuch, der spontan eskaliert ist; das Geschehen wirkt eher wie eine planvolle Aktion. Was steckt dahinter? Aus mehreren Quellen liegen belastbare Hinweise vor, dass es sich bei dem Niedergeschossenen um einen Mann mit Migrationshintergrund handle; möglicherweise habe er die deutsche Staatsbürgerschaft, er sei aber libanesischer Herkunft. Ein Polizeisprecher will diese Informationen zum jetzigen Zeitpunkt weder bestätigen noch dementieren, erklärt aber auf konkrete Nachfrage: Ein ausländerfeindlicher Hintergrund, ein rassistisches Motiv gelte nach aktuellem Stand als „eher unwahrscheinlich“.

Die Polizei drehte am Dienstag umgehend das ganz große Rad, doch die sofort eingeleitete Großfahndung, bei der unter anderem auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz war, brachte keinen Erfolg. Mittlerweile befasst sich die bei der Kripo Waiblingen eingerichtete „Sonderkommission Eisental“ mit dem Fall. Mehrere Ermittlungsstränge laufen parallel: Bereits am Dienstagnachmittag nahmen Spezialisten des Landeskriminalamts die Spurensicherungsarbeit am Tatort auf, am Mittwoch setzten sie ihre langwierige und penible Tätigkeit fort. Es geht darum, alles zu dokumentieren und auszuwerten, was Aufschluss geben könnte über den Ablauf der Tat oder die Identität der Täter. Sprich: Die Profis suchen einerseits nach Fingerabdrücken und DNA-Spuren, rekonstruieren andererseits aber anhand des Spurenbilds im Gebäude – Einschusslöcher in Wänden, Blutflecken und anderes –, was genau geschehen ist.

In welcher Verbindung standen das Opfer und die möglichen Täter? Gab es private Beziehungen? Oder geschäftliche? Da der Schwerverletzte nicht vernehmungsfähig ist, versucht die Polizei, Näheres herauszufinden, indem sie das Umfeld des Mannes befragt, Unterlagen auswertet, Papiere sichtet. Leitfrage: Gibt es Fingerzeige, die auf ein Motiv hinweisen?

Enorm weiterhelfen würden der Polizei weitere Zeugenhinweise: Hat jemand das Quartett beim Betreten oder Verlassen des Gebäudes beobachtet und kann Täterbeschreibungen (Aussehen, Kleidung) liefern? Ist jemandem ein grauer Kombi aufgefallen? In welche Richtung hat sich das Auto bewegt? Hat jemand gar das Kfz-Kennzeichen gesehen? Zeugen werden gebeten, sich bei der Polizei unter 07151/950-0 zu melden.

Gestern hatten wir berichtet, dass nach der Tat zwei Männer und eine Frau versucht hatten, das abgesperrte Gebäude zu betreten. Mittlerweile ist klar: Es handelte sich um Angehörige des Verletzten. Die Polizei konnte sie nicht ins Gebäude lassen, aber Beamte kümmerten sich um die drei, die sich im emotionalen Ausnahmezustand befanden.

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Erstellt:
8. Januar 2020, 18:02 Uhr

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