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Ein Paradies für Biker und Boarder

Freizeitanlage beim Skilift in Großerlach wird erweitert – Bis zu neun Strecken für Mountainbiker geplant

Der Ausbau der Freizeitanlage in Großerlach ist in vollem Gang. Auf bis zu neun Strecken können Mountainbiker hier ab dem kommenden Jahr talwärts fahren, im freien Gelände oder durch den Wald, in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Bis es so weit ist, gibt es für Betreiber Marco Wieland, Manager Joe Kegel und ihre zahlreichen ehrenamtlichen Helfer noch viel zu tun.

Bikepark-Manager Joe Kegel beim Sprung im Bikepark am Skilift im Freizeitzentrum in Großerlach. Fotos: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Bikepark-Manager Joe Kegel beim Sprung im Bikepark am Skilift im Freizeitzentrum in Großerlach. Fotos: T. Sellmaier

Von Annette Hohnerlein

GROSSERLACH. In der Nacht hat es geregnet, die Erde ist schwer und klebt dick an den Rädern der Mountainbikes. Das Wetter ist nicht optimal an diesem wolkenverhangenen Vormittag, dennoch ist eine Handvoll Biker zur Freizeitanlage in Großerlach gekommen. Sie lassen sich vom Lift bergauf ziehen, dann stürzen sie sich den Hang hinunter und fliegen über Hindernisse, sodass einem unbedarften Beobachter ein Schuss Adrenalin durch die Adern jagt. Die jungen Leute gehören zu einer Gruppe von rund 15 ehrenamtlichen Helfern, die am Ausbau des Bikeparks Großerlach mitarbeiten.

Joe Kegel, hauptamtlicher Manager der Anlage und selbst engagierter Mountainbiker, ist auf ihre Mithilfe angewiesen. „Da ist viel Handarbeit dabei“, berichtet er. „Erst bearbeiten die Bagger das Gelände, dann müssen die Strecken von Hand geformt und verdichtet werden.“ Diese Biker, die aus dem ganzen Rems-Murr-Kreis kommen, sind gleichzeitig die ersten Testfahrer. Sie fahren die Strecken ein und geben Kegel Rückmeldung, was noch verbessert werden kann. „Die haben ja nachher auch was davon“, stellt er fest. „Die Szene ist gut vernetzt, da hilft man sich untereinander.“ Einer der Helfer ist Sven Herrmann aus Schwäbisch Hall. Der 24-Jährige ist ambitionierter Biker und hat schon einige Erfolge bei Meisterschaften vorzuweisen. „Die Anlage ist die beste in der Region“, findet er. Regelmäßig ist er vor Ort und packt mit an. Er zeigt auf einen Erdhügel, der nicht besonders groß aussieht. „Da stecken sicher sechs bis sieben Lkw-Ladungen Erde drin.“ Der Ausbau des Geländes ist ein ständiger Prozess des Bauens, Ausprobierens und Verbesserns. Ein Engagement, das sich lohnt, da ist sich Herrmann sicher: „Der Park hat Potenzial.“

Besitzer Marco Wieland hat die Anlage aus den 1970er-Jahren 2018 übernommen und will sie jetzt auf Vordermann bringen. Auf die Frage, wann sie fertig ist und der Öffentlichkeit übergeben werden kann, antwortet er: „Fertig ist so was nie.“ Dann verrät er aber doch: „Wir fassen die Eröffnung für 2020 ins Auge.“

Wieland ist von Beruf selbstständiger Forstwirt und betreibt die Freizeitanlage am Großerlacher Skilift nebenher. Diese umfasst neben dem Lift und den Pisten für Skifahrer, Biker und Mountainboarder eine asphaltierte Strecke für Longboarder, eine bewirtschaftete Lifthütte, eine Grillstelle, einen Sportplatz, einen See sowie Übernachtungsmöglichkeiten im Matratzenlager für rund 60 Personen und Platz für zahlreiche Camper. Den Ausbau stemmt Wieland komplett aus eigenen Mitteln. Sein Mitarbeiter Joe Kegel kümmert sich um den Fortgang der Bauarbeiten. Drei Mountainbike-Strecken, zwei auf freier Fläche und eine durch den Wald, sind bereits fertiggestellt, eine vierte ist derzeit im Bau. Am Ende sollen den Bikern acht oder neun teilweise auch beleuchtbare Strecken in verschiedenen Schwierigkeitsgraden zur Verfügung stehen, so der Plan.

„Wir wollen alles abdecken“, erläutert Joe Kegel. „Der Anfänger, der Vater mit dem Sohn und auch der Profi sollen hier ihren Spaß haben.“ Dabei legt Kegel Wert darauf, die Anlage naturnah zu gestalten. So sollen für die Strecken im Wald keine Bäume gefällt werden, außerdem werden ein Naturtümpel und eine Blumenwiese angelegt.

Die längste der bisher gebauten Strecken umfasst gut 1000 Meter. Der Lift, der im Winter die Skifahrer befördert, zieht im Sommer die Mountainbiker rund 70 Höhenmeter den Hang hinauf. Daneben verläuft eine asphaltierte Piste, die in früheren Jahren zum Kartfahren genutzt wurde. Heute kann sie mitsamt dem Lift und der bewirtschafteten Hütte für Longboard-Events gemietet werden.

So auch an diesem Wochenende. Rund 40 Longboardfahrer sind aus ganz Deutschland und dem Ausland angereist. Die jungen Sportler übernachten in Zelten und Campingbussen, die über das weitläufige Gelände verstreut sind. Unter ihnen ist Julia Range aus Mainz. „Die Strecke ist anspruchsvoll, weil sie sehr schmal ist“, erklärt die junge Frau, „und jetzt bei Regen ist sie noch schwieriger zu fahren, weil sie weniger Grip hat.“ Sie und ihre Freunde schätzen in Großerlach besonders den Liftservice. Denn bei Longboard-Events auf öffentlichen Straßen müssen diese gesperrt und ein Shuttle-Service muss für den Transport zum Ausgangspunkt eingerichtet werden, das kostet Zeit. „Das Besondere in Großerlach ist: Man kommt viel zum Fahren“, erklärt Range.

Zwei der Boarder stehen an der Strecke und feuern einen Kumpel an, der gerade auf eine enge Kurve zurast: „Fußbremse, Fußbremse!“ Dieser stellt sein Board quer, um Tempo rauszunehmen, den Rest erledigt er mit den Schuhen und den behandschuhten Händen auf dem Asphalt. Und landet lachend neben der Piste im Gras.

In den Sommermonaten wird der Skilift von den Longboardern und Mountainbikern gerne genutzt.

© Tobias Sellmaier

In den Sommermonaten wird der Skilift von den Longboardern und Mountainbikern gerne genutzt.

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Erstellt:
20. August 2019, 06:00 Uhr

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