Ein Profi aus der Großstadt

Fast ein Jahr lang war die Stelle des hauptamtlichen Kommandanten bei der Backnanger Feuerwehr vakant, jetzt hat Thomas Rohnacher die Leitung übernommen. Der 49-Jährige bringt langjährige Erfahrung bei den Berufsfeuerwehren in Düsseldorf, Mannheim und Darmstadt mit.

Thomas Rohnacher hat jetzt bei der Backnanger Feuerwehr das Kommando: Sein Wissen und seine Erfahrung aus mehr als 20 Jahren bei der Berufsfeuerwehr will er hier an die ehrenamtlichen Einsatzkräfte weitergeben. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Thomas Rohnacher hat jetzt bei der Backnanger Feuerwehr das Kommando: Sein Wissen und seine Erfahrung aus mehr als 20 Jahren bei der Berufsfeuerwehr will er hier an die ehrenamtlichen Einsatzkräfte weitergeben. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

Backnang. Seinen ersten Einsatz in Backnang hatte Thomas Rohnacher schon vor seinem Amtsantritt. Ende September war der neue Kommandant zu Gast beim Kameradschaftsabend der Feuerwehr, um sich seinen künftigen Kollegen vorzustellen. Während der Feier schrillte plötzlich die Alarmglocke: In Maubach rauchte die Fassade der Sporthalle. Die Feuerwehr rückte aus, Thomas Rohnacher kam mit, konnte sich diesmal allerdings noch im Hintergrund halten, denn die ehrenamtlichen Retter hatten den Brand schnell gelöscht.

Bei künftigen Einsätzen wird Rohnacher eine tragendere Rolle spielen: Seit 1. November ist er der neue hauptamtliche Kommandant der rund 200 freiwilligen Feuerwehrleute in Backnang. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, die jeweils aus den eigenen Reihen kamen, setzt die Stadt diesmal auf einen erfahrenen Profi von außen.

Thomas Rohnacher arbeitet seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich bei der Feuerwehr, zunächst in Düsseldorf, dann zwölf Jahre in Mannheim, zuletzt für ein Jahr in Darmstadt. Alleine durch die Zahl seiner Einsätze verfügt der 49-Jährige über einen großen Erfahrungsschatz. In den Großstädten sei er auf 2000 bis 3000 Einsätze pro Jahr gekommen, erzählt Rohnacher. Zum Vergleich: In Backnang rückt die Feuerwehr nur etwa 300-mal im Jahr aus. Neben seiner praktischen Tätigkeit hat Rohnacher auch zahlreiche Zusatzausbildungen absolviert, unter anderem zum Rettungssanitäter und als Feuerwehrtaucher.

Hilfsfrist wurde zu oft überschritten

Die Liebe zu roten Autos und blauem Licht hat Thomas Rohnacher wie viele Jungs schon früh gepackt. In seiner Heimatstadt Rauenberg bei Heidelberg trat er als 13-Jähriger der Jugendfeuerwehr bei, als er volljährig war, wechselte er zu den Aktiven. Dass Retten, Löschen, Bergen und Schützen einmal zu seinem Hauptberuf werden sollte, war damals aber noch nicht absehbar. Eigentlich wollte der junge Mann einmal den Handwerksbetrieb seines Onkels übernehmen und machte deshalb zunächst eine kaufmännische Ausbildung und dann noch eine als Maler und Lackierer. Nach dem plötzlichen Tod des Onkels zerschlugen sich diese Pläne allerdings und Rohnacher musste sich beruflich neu orientieren. Da kam ihm die Idee, sein bisheriges Hobby zum Beruf zu machen.

An der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal belegte er den zweijährigen Lehrgang für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst. Weil die Stellen für Berufsfeuerwehrleute in Baden-Württemberg knapp waren, zog es ihn anschließend ins Rheinland. Die sieben Jahre in Düsseldorf seien für ihn eine tolle Lehrzeit gewesen, erzählt er. Von der Katze auf dem Baum bis zum dreitägigen Großbrand in einer Glashütte hat er dort alles miterlebt. Sein Rekord seien 24 Einsätze in einer 24-Stunden-Schicht gewesen, erinnert sich Rohnacher. „Da habe ich mein Handwerkszeug gelernt.“

Den Schritt von der Berufsfeuerwehr einer Großstadt zur fast komplett ehrenamtlich organisierten Feuerwehr in Backnang ist der Badener bewusst gegangen: „Mich reizt die Vielschichtigkeit dieser Aufgabe. Hier kann ich mein Wissen einbringen und andere führen.“ Den Umgang mit ehrenamtlichen Kräften ist Thomas Rohnacher gewohnt. Auch in Mannheim wurden die hauptamtlichen Feuerwehrleute von Freiwilligen unterstützt. Der 49-Jährige war zudem in deren Ausbildung engagiert: „Daher weiß ich gut, wie Haupt- und Ehrenamt zusammenwirken.“

Welche Herausforderungen ihn in Backnang erwarten, kann Thomas Rohnacher unter anderem im Brandschutzbedarfsplan nachlesen, den ein Gutachter im vergangenen Jahr erstellt hat (wir berichteten). Darin wird unter anderem bemängelt, dass die gesetzliche Hilfsfrist von zehn Minuten in Backnang nur bei 45 Prozent der Einsätze eingehalten wurde. Eigentlich müsste dies bei mindestens 80 Prozent der Fall sein.

Mit Ankündigungen, wie er das verbessern will, hält sich Rohnacher, der mit seiner Frau und der vierjährigen Tochter zurzeit noch in Sinsheim wohnt, aber noch zurück. Erst einmal will er verlässliche Daten haben. Denn die Zeitangaben zum Ausrücken und Eintreffen am Einsatzort waren in der Vergangenheit ziemlich ungenau – zum einen wegen einer veralteten Funktechnik, zum anderen, weil bei den Einsätzen oft schlicht vergessen wurde, die entsprechenden Knöpfe zu drücken. Mit der Einführung des Digitalfunks im kommenden Jahr sollen diese Probleme passé sein. „Dann werden wir sehen, wo wir tatsächlich stehen.“

Das Ehrenamt stößt an Grenzen

Gleichwohl räumt Thomas Rohnacher ein, dass es auf Dauer schwierig werden könnte, eine wachsende Stadt wie Backnang fast ausschließlich mit Ehrenamtlichen zu schützen. Außer dem Kommandanten gibt es aktuell nur zwei hauptamtliche Kräfte: „Sechs Mann wären ideal. Dann könnte das erste Fahrzeug sofort ausrücken, wenn Menschenleben in Gefahr sind.“ Denkbar wäre auch, ausgebildete Feuerwehrleute in städtischen Betrieben, etwa im Bauhof, zu beschäftigen, die dann tagsüber kurzfristig zur Verfügung stehen. Denn von den aktiven Feuerwehrleuten arbeiten zwei Drittel gar nicht in Backnang.

Eine weitere Aufgabe des neuen Kommandanten wird es sein, die Feuerwehr technisch auf den aktuellen Stand zu bringen. Einige Fahrzeuge, darunter die Drehleiter, müssen in den nächsten Jahren ersetzt werden. Auch bei den Gerätehäusern besteht Handlungsbedarf: Die Schlauchwaschanlage muss erneuert werden, im Feuerwehrhaus Stadtmitte stehen auch bauliche Veränderungen an. Stellt sich die Frage, ob dort mittelfristig sogar ein Neubau nötig ist. Dann sollte man auch mal über den Standort diskutieren, findet der neue Kommandant. Angesichts der vielen Staus in der Innenstadt ist die Annonaystraße aus Rohnachers Sicht nicht ideal.

Froh ist der neue Kommandant darüber, dass der neue Oberbürgermeister Maximilian Friedrich die Feuerwehr zu einer seiner Stabsstellen gemacht hat. „Das ist eine enorme Verbesserung“, freut sich Thomas Rohnacher. Denn kurze Entscheidungswege seien die Voraussetzung, um schnell etwas verbessern zu können.

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Erstellt:
12. November 2021, 06:00 Uhr

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