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Ein Startblock für den heimischen Garten

Freibadgegenstände aus dem Bädle in Erbstetten unter dem Hammer – Wiedereröffnung voraussichtlich Mai 2020

„40 Euro – wer bietet mehr? 40 Euro, zum ersten, zum zweiten und zum dritten – der Startblock gehört Ihnen“ – gekonnt moderierte Alexander Sturm gestern die Inventarversteigerung im Freibädle Erbstetten. Der Förderverein hatte zum Ausbaden eingeladen. Parallel dazu kamen alte Gerätschaften unter den Hammer. Im Angebot unter anderem: Startblöcke, Einstiegsleitern, Pissoirs, jegliche Schilder und Duschbögen.

Birgit und Ralf Kitzberger aus Burgstetten nehmen ein Stück Erinnerung ans Bädle mit: Sie haben einen Startblock für 40 Euro ersteigert und werden dieses Andenken in den Garten stellen.

© Tobias Sellmaier

Birgit und Ralf Kitzberger aus Burgstetten nehmen ein Stück Erinnerung ans Bädle mit: Sie haben einen Startblock für 40 Euro ersteigert und werden dieses Andenken in den Garten stellen.

Von Yvonne Weirauch

BURGSTETTEN. Freibadwetter herrscht an diesem Nachmittag wahrlich nicht: Es regnet, es ist frisch und herbstlich trüb. Doch kein Grund für die Bürger von Burgstetten-Erbstetten, ihr Bädle am letzten Tag im Stich zu lassen: Badegäste kommen zuhauf. Es gibt Kaffee und Kuchen, sämtliche Freibadgegenstände können ergattert werden und am Ende heißt es noch: „Ausbaden zum Saisonende“ – bei einer Wassertemperatur von 19,6 Grad. Doch bevor es so weit ist, verkündet Silke Schmidt vom Vorstandsteam des Fördervereins Freibad Erbstetten die Gewinner der Tombolapreise. „Wir haben den ganzen Mittag über Lose verkauft, um auch mit diesem Geld noch was für die Sanierung einzubringen“, sagt die 52-Jährige. Ein bisschen Wehmut schwingt mit. So wie ihr geht es vielen an diesem Tag: Das Freibädle sei wie eine zweite Heimat, viele seien damit groß geworden, haben dort Schwimmen gelernt. Groß sei aber die Freude darauf, wie das Freibad nach der Sanierung erstrahlen werde, fügt Vorstandsmitglied Anja Geldner hinzu.

Wer ein Stück Erinnerung ans alte Bädle ergattern will, hat sich rechtzeitig mit den Gegenständen beschäftigt. Sämtliche Schilder können ersteigert werden, etwa jenes, das am Beckenrand seit Jahrzehnten warnt: „Seitliches Einspringen verboten“. Im Angebot sind sogar die Pissoirs der Herrentoiletten und ein Waschbecken, eine Blechbadewanne, Spiegel, ein Warmwasserspeicher, mehrere Lautsprecher sowie die Lautsprecheranlage, ein fest montierbarer Klappstuhl und mehrere Spinde, Stühle, eine Liege und vieles mehr.

Der „Auktionator“ des Tages ist Moderator Alexander Sturm. „Es kommt hier vieles unter den Hammer, was mit Sicherheit an die Kindheit erinnert. Also – nicht viel denken und die Hand heben“, animiert er die Anwesenden. Doch das Bieten für eine Ablage, die Waschbecken oder die Pissoirs ist verhalten. Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz ist die erste, die für zehn Euro einen Spiegel ersteigert, gefolgt von Anja Geldner, die für Kleiderhaken fünf Euro hinlegt. Alexander Sturm hält sich nicht lange auf, als er merkt, dass manche Keramik nicht so schnell an den Mann gebracht werden kann, und versucht, den Edelstahlduschbogen anzupreisen. Auf diesen hatte Familie Geldner schon längst spekuliert. „Den möchte ich für den Garten“, so Anja Geldner im Vorfeld. Der Wunsch zeigt sich erfolgreich: Zum Gebot von 310 Euro geht diese Dusche an die Familie.

Ein Startblock hat es dem Ehepaar Birgit und Ralf Kitzberger aus Burgstetten angetan. Schnell ist das Gebot von 40 Euro fix. „Wir verbinden viele Erinnerungen mit dem Bädle, die reichen bis in die Jugend zurück“, sagt Birgit Kitzberger. Einen weiteren Startblock hat Livia Geldner für Papa Jürgen ersteigert. „Den hat er sich gewünscht“, heißt es.

Für 65 Euro geht eine Ausstiegsleiter an Thorsten Hassolt: „Das wird ein Weihnachtsgeschenk.“ Für wen, verrät er nicht. Für besonders viel Spaß sorgt die Versteigerung der Schilder: „Nichtschwimmer“, „Damen“, „Herren“, „Spielplatznutzung auf eigene Gefahr“ – viele dieser Andenken gehen für 70 oder 80 Euro über den Tisch. Am Ende glückliche Gesichter bei den Mitgliedern des Fördervereins. Der Erlös der Versteigerung fließt natürlich in den Bädle-Umbau ein – zusammengekommen sind rund 1800 Euro.

Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz hat einen Spiegel ergattert.

© Tobias Sellmaier

Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz hat einen Spiegel ergattert.

Zum letzten Mal im „Wellenbad“ (von links): Hartmut Scheel, Heiko Kaaf und Martin Pfizenmayer beim Ausbaden zum Saisonende. Fotos: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Zum letzten Mal im „Wellenbad“ (von links): Hartmut Scheel, Heiko Kaaf und Martin Pfizenmayer beim Ausbaden zum Saisonende. Fotos: T. Sellmaier

Die Ausstiegsleiter hat es Thorsten Hassolt angetan – ersteigert für 65 Euro.

© Tobias Sellmaier

Die Ausstiegsleiter hat es Thorsten Hassolt angetan – ersteigert für 65 Euro.

Info
Heute beginnen die Bauarbeiten

„Gleich heute Morgen wird die Baustellenstraße eingerichtet“, lässt Burgstettens Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz wissen. Es gehe sofort los. Der erste Bagger wird seine Arbeit aufnehmen. Für die Sanierungsmaßnahmen des Bädles in Erbstetten sind rund 2,4 Millionen Euro vorgesehen. Das Land hat einen Zuschuss in Höhe von einer halben Million Euro zugesagt. Der Förderverein hat mit vielen Aktionen bis dato rund 216000 Euro eingesammelt.

Die Bürgermeisterin gibt einen kleinen Einblick in die baulichen Veränderungen: Zuerst werde der Beckenkopf abgerissen, das Becken als solches bleibt laut Wiedersatz erhalten. Dann werden die Bohrpfähle eingesetzt und die neuen Platten betoniert. „So hat alles ein gutes Fundament“, sagt die Bürgermeisterin. Im Gemeinderat habe man sich für ein Edelstahlbecken ausgesprochen: „Es soll eine lange Lebensdauer haben, man geht von 50 Jahren aus.“

An jener Stelle neben dem Schwimmbecken, an der man gestern noch ein kleines Blumenbeet vorgefunden hat, wird ein Schwallwasserbehälter installiert. Außerdem werde am Beckenrand ein Aufsichtsturm gebaut. Die marode Solaranlage, die in dieser Saison gar nicht mehr eingesetzt werden konnte, wird erneuert. Vorgesehen ist auch ein neues Sanitär- und Duschgebäude. Das Kinderbecken werde komplett umgestaltet, mit neuer Rutsche und mit Wasserspielen.

„In einem neuen Anbau wird der Chlorfilter untergebracht, im bestehenden Bau die anderen Filter“, erläutert Irmtraud Wiedersatz die Sanierung weiter.

Der Zeitplan für den Neubau ist ehrgeizig. Wenn der Winter nicht zu streng werde, sagt die Rathauschefin, dann könnte das neue Freibad Ende Mai 2020 öffnen. Ein ausgiebiges Eröffnungsfest ist dann für das erste Juliwochenende angedacht.

Was der Bürgermeisterin wichtig ist: „Ich bin überwältigt, wie viele zur Inventarversteigerung gekommen sind. Es zeigt, dass der Ort einen ganz besonderen Zusammenhalt pflegt.“

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Erstellt:
9. September 2019, 06:00 Uhr

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