Ein teurer Trollinger und andere Raritäten

Die einen sind auf der Suche nach dem günstigsten Viertele, andere schätzen dagegen die exklusivsten Weine. Auch die gibt es auf dem Weindorf – in besonders großen Mengen.

Adrian Beurer mit Methusalem-Flaschen von seinem Riesling und Johannes Bauerles Sauvignon Blanc.

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Adrian Beurer mit Methusalem-Flaschen von seinem Riesling und Johannes Bauerles Sauvignon Blanc.

Von Matthias Ring

Stuttgart - Das Stuttgarter Weindorf ist nicht nur ein Fest der Gastronomen, sondern auch der Weinmacher. Eine Zeit lang war das etwas aus den Augen geraten, inzwischen aber sind mehr Winzer dabei. Die Familien Currle, Zaiß und Schmieg sind seit eh und je feste Größen auf dem Weindorf. Nach und nach hinzugekommen sind das Weingut der Stadt, Weinfactum, Thomas Diehl sowie Johannes Bauerle und Adrian Beurer. Jüngster Neuzugang ist Christian Escher vom Weingut Escher in Schwaikheim, der mit seinem Bruder und Ginstr-Macher Markus Escher und dessen Kompagnon Alexander Franke die Laube „Wein & Wacholder“ bespielt.

Trend auf dem Weindorf geht zu höherwertigen Produkten

Somit ist das Traditionsfest um einige wortwörtlich ausgezeichnete Weine aus erster Hand reicher geworden, denn Christian Escher hat nicht nur zweimal hintereinander die Württemberger Weinmeisterschaft Edition Rosé unserer Zeitung gewonnen. Bei unserem frühen Rundgang durch das Weindorf, in dem die Brüder abwechselnd Präsenz zeigen, berichtet Markus Escher, dass glasweise bislang besonders der Sauvignon Blanc und die Cuvée „Meisterwerk” gefragt seien. Die beiden hochwertigsten Weiß- und Rotweine werden nur flaschenweise verkauft: der Chardonnay Réserve für 60 Euro und die rote Wunderwerk Cuvée für 80 Euro.

Das ist bei den besten Weinen generell so, die auf dem Weindorf mitunter in sehr großen Flaschen zu haben sind. Johannes Bauerle und Adrian Beurer, deren Winzerlaube am Weinbrunnen zur „Laube des Jahres“ 2024 gewählt wurde, sind zum dritten Mal dabei und haben Flaschengrößen mitgebracht, von denen manche nicht einmal die Namen kennen. Eine Doppelmagnum zum Beispiel mit ihren drei Litern nennt man auch Jeroboam, sechs Liter fasst die Methusalem. Den supergroßen Riesling Schilfsandstein Alte Reben vom Weingut Beurer, Mitglied des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP), bekommt man auf dem Weindorf für 333 Euro. Die Sechs-Liter-Flasche Sauvignon Blanc Perle vom Weingut Johannes B. in Fellbach kostet 359 Euro.

Und? Ja, vereinzelt würden sie schon nachgefragt, sagt Adrian Beurer, der Junior des Weinguts in Kernen im Remstal. „Aber man muss das auch erklären.“ Zum Beispiel, dass allein so eine Flasche ohne Inhalt um die 100 Euro kosten würde. Grundsätzlich stellt er fest, dass „der Trend auf dem Weindorf zu höherwertigen Produkten“ gehe.

Und so verkaufen die beiden Winzer in ihrer Laube auch Spitzenweine von „Gastweingütern“ wie Franz Keller (Spätburgunder GG Schlossberg, 0,75 l für 189 Euro) und Bernhard Huber (Spätburgunder GG Alte Burg, 0,75 l für 179 Euro), badische Weine also. „Das ist Weltklasseniveau“, sagt Beurer.

Hochpreisige Weine als „wichtiges Signal in schweren Zeiten“

Weine von Bernhard Huber findet man ebenso in der Jägerlaube by Easy Street, in der es nicht nur exklusive Wagyu- und Wildgerichte gibt. Zum Beispiel einen Spätburgunder Wildenstein GG 2009 (395 Euro für 0,75 l), eine Rarität, um die sich Sternerestaurants reißen würden, so der Jägerlauben-Servicechef Michael Zumer. Aber auch Topweine von hier sind dort präsent. Der Chardonnay 2022 Bâtonnage von Jens Zimmerle in der Easy Street Sommelier Edition ist für 390 Euro in der Doppelmagnum zu haben.

„Teuerster Trollinger der Welt“ ist immer ausverkauft

Michael Wilhelmer hat gute Beziehungen zum Weingut Aldinger und deswegen in seinem Stuttgarter Stäffele eine absolute Rarität: den „wohl teuersten Trollinger der Welt“. Matthias Aldinger habe ihm gesagt, er solle das ruhig so auf die Karte schreiben zum 2022er Untertürkheimer Gips, Trollinger Rosé, VDP Erste Lage (198 Euro für 0,75 l), der im Gut immer ausverkauft ist. Unter den weiteren Besonderheiten in der Laube ist die „Hommage an das Schaffen und Wirken von Gert Joachim Aldinger“: die von den Söhnen im Bordeaux-Stil ausgebaute Cuvée 2019 GJA (125 Euro für 0,75 l).

Michael Wilhelmer sieht die hochpreisigen Weine als „wichtiges Signal in schweren Zeiten“, denkt aber als erfahrener und sehr breit aufgestellter Gastronom auch an die kleineren Geldbeutel mit den wohl günstigsten Viertele des Weindorfs: einem 2023er Kerner und einem 2024er Schwarzriesling vom Schloss Affaltrach für je 5,90 Euro. Wer Weine am anderen Ende der Skala sucht, wird zum Beispiel noch in Rauschenbergers Weinlaube (Aldinger, Dautel, Schnaitmann, Wöhrwag) und in der Stadtlaube (Aldinger, Wöhrwag) fündig.

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Erstellt:
26. August 2025, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
27. August 2025, 21:57 Uhr

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