Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Ein Verlustgeschäft, aber ideell ein Erfolg

Der Betrieb des Autokinos in den Etzwiesen ist aufwendig, lohnt sich aber dennoch. Ein Blick hinter die Kulissen macht das Ausmaß des Planungs- und Durchführungsaufwands für die Veranstaltungen deutlich. Gestemmt wird das Projekt durch Ehrenamtliche.

Der Fleiß der Ehrenamtlichen vom Stadtjugendring ist ein Garant, dass das Autokino stattfinden kann. Vorsitzender Markus Schildknecht und Kinochefin Annegret Eppler sind froh über deren Engagement.

© Alexander Becher

Der Fleiß der Ehrenamtlichen vom Stadtjugendring ist ein Garant, dass das Autokino stattfinden kann. Vorsitzender Markus Schildknecht und Kinochefin Annegret Eppler sind froh über deren Engagement.

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Seit sechs Wochen gibt es das Backnanger Autokino jetzt, und es wird angenommen. Besonders zu Beginn waren wegen der Strenge der Corona-Auflagen viele Veranstaltungen ausverkauft, die Dankbarkeit der Bürger für diese Alternative zum Daheimhocken groß. Aber auch jetzt noch freuen sich die Veranstalter und Partner des Projekts über regen Zuspruch. Was allerdings nicht bedeutet, dass die Kasse klingelt, denn materiell ist Autokino grundsätzlich ein Verlustgeschäft, umso erfreulicher der ideelle Gewinn. Markus Schildknecht, Vorsitzender des Stadtjugendrings, und Annegret Eppler, die Inhaberin des Kinos Universum, sind sich da voll und ganz einig.

Als Veranstalter hat der Stadtjugendring die Verantwortung rund um das Vorhaben übernommen. Per Satzung ist der Verein verpflichtet, Freizeitangebote auf die Beine zu stellen. Unerwartete Zuwendungen vonseiten des Amtsgerichts erleichterten den Schritt zum Autokino.

Ein Sicherheitskonzept mit über 30 Seiten musste erarbeiten werden.

Von den Haftungsfragen bis zur Organisation, vom Sicherheitskonzept bis hin zur Versorgung der Gäste mit Getränken – „das hängt alles an uns.“ Markus Schildknecht, von Beruf Rechtsanwalt, hält die Fäden in der Hand. Vorab musste er ein über 30-seitiges Sicherheitskonzept erarbeiten und sich um die Versicherungen kümmern: Haftpflicht-, Ausfall-, Vandalismus-Versicherung sind die wichtigsten. Da war sein juristisches Wissen von größtem Vorteil, auch für den Kooperationspartner, das Backnanger Universum-Kino.

Annegret Eppler weiß ebenfalls von mancherlei Hürden im Vorfeld zu berichten. Die Universum-Chefin sprüht vor Energie und ließ sich von der Bürokratie nicht Bange machen. Zunächst musste sie beim Verband der Filmverleiher den Open-Air-Status beantragen und dann „diesen quasi neuen Raum im Kassensystem anlegen“. Der Vorschriften gibt es viele, eine davon, dass Kassensystem und Tickets zertifiziert sind und die Vertriebswege der Tickets angegeben werden. Weiter musste das Kino mit Verleihern über die Rechte an den (meist älteren) Filmen verhandeln, „nicht immer einfach, die Inhaber der Rechte zu finden“, ein Bud-Spencer-Film beispielsweise musste gegen einen anderen ausgetauscht werden, weil sie nicht ausfindig zu machen waren. Im Autokino aktuellere Filme zu zeigen, ist aber aus finanzieller Sicht kaum möglich.

Dann ist der technische Aufwand enorm: Die UKW-Frequenz war bei der Bundesnetzagentur, die gegenseitige Störungen ausschließen muss, zu beantragen. Eine auch bei Tageslicht bespielbare LED-Wand und die Bühne mussten her. Hierfür wurden die Veranstaltungstechniker Falk und Aaron Gruber sowie eine ihrer Partnerfirmen ins Boot geholt. Aaron Gruber führt uns buchstäblich hinter die Kulissen und zeigt die Rückseite der 45 Quadratmeter großen LED-Wand. Viele Module sind untereinander mit Strom und Signal verbunden, das Ganze wird über einen Controller gesteuert und der Film über Blu-ray-Disc oder eine andere Datei eingespielt. Ganz großes Thema hier: die Sicherheit. „Bühne und LED-Wand müssen gegen Wind gewappnet sein, und die Stromzufuhr ist natürlich enorm“, so Aaron Gruber. Und auch kleinere Organisationsfragen mussten geklärt werden: Wie kommen die Filme her? Wie können wir Popcorn und Nachos „Corona-gerecht“ verpacken? Wie organisieren wir Ein- und Ausfahrt sowie Notausgänge? Wie können wir Konzerte und andere Veranstaltungen aufzeichnen?

Dankbar sind Annegret Eppler und Markus Schildknecht den Kooperationspartnern von der Plattform www.meinbacknang.de, der Stadt und der Backnanger Kreiszeitung sowie etlichen Sponsoren, die mit finanziellen Mitteln oder Sachleistungen helfen. Aus der Sicht der Universum-Chefin von unschätzbarem Wert war und ist der Fleiß der ehrenamtlichen Mitglieder des Stadtjugendrings. Neben Markus Schildknecht und seiner Stellvertreterin Selina Häußer sind dies vor allem Amelie Schneider, Julian Gilke, Katharina Csik, Andreas Schildknecht und Felix Knietsch. Trotz Abiturs oder anderer Verpflichtungen investieren sie ihre Freizeit zurzeit größtenteils in das Autokino. Für die Werbung zeichnen Armin Holp und Andreas Schildknecht verantwortlich, und Moritz Herzog war federführend beim Anschreiben der Sponsoren.

Dabei ist ihnen allen Vielseitigkeit wichtig, denn sie möchten mehrere Generationen erreichen. Entsprechend breit gefächert war mit Filmen, Konzerten verschiedenster Musikgenres, Gottesdiensten und Vereinsveranstaltungen das bisherige Angebot, und auch das, was noch kommt, kann sich sehen lassen. Ein Zirkus wird dabei sein, das Classic Ope(r)n Air, und ein alternatives kleines Straßenfestwochenende wird es geben.

„Es ist schon eine große Herausforderung“, resümiert Markus Schildknecht und ergänzt sinngemäß: Die Leute haben anfangs noch langfristiger geplant. Mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen gibt es nun wieder Alternativen zum Autokino, und man entscheidet sich kurzfristiger.

Noch bis Anfang Juli wird es Kulturveranstaltungen und Filme in den Etzwiesen geben. Dann werden der Platz und die Bühne frei gemacht für die Abschlussklassen der Backnanger Schulen, die dort beispielsweise ihre Zeugnisübergaben durchführen können.

Aaron Gruber steuert die Technik hinter der „Wand“.Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Aaron Gruber steuert die Technik hinter der „Wand“.Fotos: A. Becher

Zum Artikel

Erstellt:
15. Juni 2020, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Wohnungsbau in Backnang. Archivfoto: A. Becher
Top

Stadt & Kreis

Keine Einigung bei Sozialwohnungsquote

Weil bezahlbare Wohnungen in Backnang knapp sind, will die Stadt eine Sozialquote für größere Wohnbauprojekte einführen. Über die Frage, wie hoch der Anteil sein soll, gehen die Meinungen im Gemeinderat aber auseinander.

Stadt & Kreis

Das Ende der Spiegelberger Rennstrecke

Nach mehreren Jahren Planung kann die Sanierung der Ortsdurchfahrt im August tatsächlich beginnen. Die Pläne und der Ablauf des Bauvorhabens wurden Interessierten im Rahmen eines Informationsnachmittags erläutert.