Ein Zimmer, unmöbliert – und unbezahlbar

Studierende, die in einem Wohnheim in Stuttgart unterkommen, können sich glücklich schätzen.

© Studierendenwerk Stuttgart /Christoph Düpper

Studierende, die in einem Wohnheim in Stuttgart unterkommen, können sich glücklich schätzen.

Von Andrea Jenewein

Stuttgart/ Berlin - In Zeiten knapper Wohnungsmärkte ist es für junge Menschen besonders attraktiv, mit Hilfe von Wohngemeinschaften (WG) ihre Wohnkosten zu reduzieren. Aber was sind die üblichen Preise für das gemeinschaftliche Wohnen? Auf Basis von mehreren Tausend Mietinseraten für WG-Zimmer erstellt Empirica, ein unabhängiges wirtschafts- und sozialwissenschaftliches Forschungs- und Beratungsinstitut, eine Übersicht, die jeweils zum Semesterbeginn Auskunft über die Mietpreise in diesem Segment gibt. Sie liefert für alle größeren Hochschulstandorte Deutschlands (über 120 Städte) Standardpreise (mittlerer 50-Prozent-Wert) sowie die Preisspanne der Warmmiete eines unmöblierten WG-Zimmers, das zwischen zehn und 30 Quadratmeter groß ist.

Laut Empirica ist zu Beginn des Sommersemesters 2024 der Standardpreis für ein unmöbliertes WG-Zimmer mit 700 Euro in München am höchsten, gefolgt von Hamburg und Berlin (je 598 Euro) sowie Frankfurt am Main. (je 580 Euro). Die günstigsten Angebote gibt es derzeit in Wolfsburg (219 Euro) sowie in Halle/Saale (313 Euro) und Siegen (330 Euro). In Stuttgart liegt der Standardpreis für ein unmöbliertes WG-Zimmer bei 549 Euro.

In den Hochschulstandorten insgesamt liegt der Standardpreis zum aktuellen Semester bei 485 Euro und somit 25,7 Prozent über dem Niveau aus dem Sommersemester 2019 beziehungsweise 37,87 EUR höher als im Sommersemester 2023 (+8,5 Prozent).

Sieht man sich die Entwicklung der vergangenen Jahre an, so sind seit dem Sommersemester 2019 die Angebotsmieten bundesweit um 21 Prozent und in den kreisfreien Großstädten um 20 Prozent gestiegen. Die Niveaus der WG-Mieten in Universitätsstädten wuchsen mit 26 Prozent sogar etwas schneller.

Obschon die mittlere Warmmiete für unmöblierte WG-Zimmer in München aktuell bei 700 Euro im Monat liegt, ist der Anstieg in München jedoch mit 15 Prozent weit unterdurchschnittlich. Ganz anders in Leipzig: Hier liegt die WG-Miete mit 425 Euro zwar immer noch leicht unter dem Mittel, der Anstieg mit 52 Prozent seit 2019 liegt jedoch weit über dem bundesweiten Schnitt. In der Landeshauptstadt Stuttgart gab es einen Anstieg um 17 Prozent vom Sommersemester 2019 auf das Sommersemester 2023: Von 470 Euro auf 549 Euro.

Die geringste Teuerung bieten Braunschweig (+8 Prozent / 373 Euro) und Siegen (+10 Prozent / 330 Euro) auf jeweils unterdurchschnittlichem Preisniveau, gefolgt von Nürnberg (+14 Prozent / 445 Euro) auf fast Durchschnittsniveau.

Zudem fällt laut Empirica auf, dass im Osten mit Berlin, Dresden, Leipzig und Halle nur noch vier Unistädte mit auswertbar vielen Inseraten zu finden sind (im Wintersemester waren es noch neun Städte). Bundesweit liefern nur noch 35 Uni-Städte relevant viele WG-Inserate (im Winter noch 50 Standorte). Wie am normalen Wohnungsmarkt ist offenbar auch der Markt für WGs eingefroren – zumindest werden sie immer seltener öffentlich inseriert.

Es gibt freilich Alternativen zu Wohngemeinschaften. Doch zum aktuellen Sommersemester 2024 sind die studentischen Wohnanlagen in Stuttgart-Mitte und Stuttgart-Vaihingen ausgelastet. 390 Studierende stehen da aktuell noch auf der Warteliste. Wer hingegen bereit ist, eine Unterkunft in der Umgebung zu beziehen, hat in den Wohnanlagen in Ludwigsburg, Esslingen und Göppingen kurzfristig noch Chancen auf ein Zimmer.

In Ludwigsburg gibt es noch freie Zimmer in der neuen Wohnanlage an der Königsallee (sie wurde im Frühjahr 2023 eröffnet) und vereinzelt im Studentendorf Ludwigsburg. In Esslingen sind vereinzelt Zimmer in der Geschwister-Scholl-Straße und im Rossneckar II verfügbar.

Anita Bauer, Sprecherin des Studierendenwerks Stuttgart, sagt, dass nach der Pandemie die Nachfrage nach Wohnplätzen gesunken sei: „Das hängt vermutlich damit zusammen, dass einige Hochschulen das Angebot der Online-Lehre an einzelnen Tagen beibehalten haben – es gibt daher mehr Studierende, die bei ihren Familien wohnen und zum Hochschulstandort pendeln“.

Zum Wintersemester hingegen steige die Nachfrage generell, da mehr Studiengänge beginnen. „Wir empfehlen daher, sich bereits jetzt über unsere Website für einen Wohnplatz zu bewerben“, sagt Bauer. (www.studierendenwerk-stuttgart.de/wohnen/online-bewerbung) Studierende zahlen in einer Wohnanlage in Stuttgart im Durchschnitt 350 Euro warm pro Monat – alle Nebenkosten, bis auf das Internet, sind bereits enthalten. Zudem gibt es eine Kooperation von dem des Eigentümervereins Haus & Grund Stuttgart mit dem Studierendenwerk, die Anbahnung von Mietverhältnissen läuft über die vom Studierendenwerk gepflegte Plattform www.platz-fuer-studierende.de. Darüber seien von Oktober 2023 bis März 2024 226 Wohnungen und Zimmer für Studierende inseriert. Seit Beginn der Kooperation im Jahr 2013 konnten über die Plattform laut Studierendenwerk „über 7000 Unterkünfte an Studierende vermietet werden“.

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Erstellt:
9. April 2024, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
10. April 2024, 21:57 Uhr

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