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„Einbruch ist ein lukratives Geschäft“

Das Interview: Rainer Groß von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle rät Hausbesitzern, in die Sicherheit ihrer Immobilie zu investieren.

Rainer Groß gibt Tipps, wie man sein Haus vor ungebetenen Gästen schützen kann. Aus Erfahrung weiß er: Wenn es einem Einbrecher nicht innerhalb weniger Minuten gelingt, ins Haus zu kommen, gibt er in der Regel auf. Foto: Polizeipräsidium Aalen

Rainer Groß gibt Tipps, wie man sein Haus vor ungebetenen Gästen schützen kann. Aus Erfahrung weiß er: Wenn es einem Einbrecher nicht innerhalb weniger Minuten gelingt, ins Haus zu kommen, gibt er in der Regel auf. Foto: Polizeipräsidium Aalen

Von Kornelius Fritz

Ein Einbruch in die eigenen vier Wände ist für die Opfer ein traumatisches Erlebnis, zum materiellen Schaden kommen oft auch psychische Folgen. Aber man kann sich vor Einbrechern schützen: Anlässlich der „Themenwoche Einbruchschutz“ des Polizeipräsidiums Aalen haben wir darüber mit Sicherheitsberater Rainer Groß gesprochen.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche im Rems-Murr-Kreis ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Können sich die Bürger also entspannt zurücklehnen?
Nein, die Zahlen sind zwar zurückgegangen, aber sie befinden sich nach wie vor auf einem hohen Niveau. Im Moment haben wir noch eine relativ ruhige Phase, auch bedingt durch die Coronapandemie. Wir stellen aber fest, dass die Wohnungseinbrüche schon wieder ansteigen.

Die Polizei hat ihre Aktionswoche bewusst zu Beginn der Urlaubszeit gelegt. Ist die Gefahr, Opfer eines Einbruchs zu werden, in diesen Monaten größer?

Es gibt tatsächlich Einbrüche während der Urlaubszeit, bei denen die Abwesenheit der Bewohner ausgenutzt wird. Hauptsaison für Einbrecher ist aber die dunkle Jahreszeit von September/Oktober bis März/April.

Für viele gehört es heute dazu, Urlaubsfotos in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram zu teilen. Sie raten allerdings davon ab. Warum?

Weil der Zugang häufig völlig unbegrenzt ist. Wenn man den Zugriff nicht auf Freunde oder Bekannte beschränkt, kann das jeder im Internet sehen, und dann gelangen die Informationen vielleicht auch an Leute, bei denen man das nicht unbedingt will.

Kennen Sie Fälle, in denen Einbrecher sich ihre Opfer in den sozialen Netzwerken gesucht haben?

Bei uns im Landkreis kenne ich keinen konkreten Fall, aber es gibt Erkenntnisse, dass solche Medien von Einbrechern als Informationsquelle genutzt werden.

Viele Leute denken: Ich habe keinen Rembrandt an der Wand und keine Goldbarren im Schrank, mein Haus ist für Einbrecher gar nicht interessant. Stimmt diese Annahme?

Fast in jedem Haus gibt es was zu holen, und wenn es nur der Geldbeutel mit ein paar Hundert Euro ist. Wenn ein Einbrecher in 15 Minuten 200 Euro „verdient“, hat es sich für ihn ja schon gelohnt. Einbruch ist ein lukratives Geschäft und ein Massendelikt. Selbst wenn sie mal nichts Stehlenswertes finden, ist das aus Sicht der Täter nicht weiter schlimm. Dann machen sie eben einen Einbruch mehr und finden beim nächsten Mal vielleicht 2000 Euro.

Nach welchen Kriterien wählen Einbrecher ihre Ziele üblicherweise aus?

Der Großteil der Einbrecher wird sich an der günstigen Gelegenheit orientieren. Sie gehen durch das Wohngebiet und schauen sich um. Wenn der Rasenmäher läuft und die Leute gerade ihre Einkäufe aus dem Auto laden, dann ist das Risiko, entdeckt zu werden, groß. Aber wenn alles ruhig ist, die Garage steht offen und es ist kein Auto drin, in der Nachbarschaft ist niemand zu sehen und auf das Klingeln reagiert auch niemand, dann ist die Gelegenheit günstig.

Wie kommen die Einbrecher in der Regel ins Haus?

Im Sommer steigen sie oft über gekippte oder offene Fenster und Terrassentüren ein. Am häufigsten werden allerdings Fenster, Terrassen- oder Balkontüren und auch Haustüren aufgehebelt, meist mit einem einfachen Schraubenzieher. Eine Scheibe einzuschlagen, ist bei Einbrechern hingegen unbeliebt: Das macht Lärm und damit steigt das Risiko, entdeckt und festgenommen zu werden. Auch die Gefahr, sich am zerbrochenen Glas zu verletzen, ist nicht unerheblich.

Sie beraten Eigentümer, die ihr Haus vor Einbrechern schützen wollen. Wie viel kostet es, wenn ich mein Haus einbruchsicher machen will?

Das kann man pauschal nicht sagen. Das hängt davon ab, wie viele Fenster, Türen oder Lichtschächte in einer für Einbrecher günstigen Höhe liegen. Das muss man sich im Einzelfall anschauen. In der Regel liegen die Investitionen aber im unteren vierstelligen Bereich.

Ist es wirklich nötig, mein Wohnhaus zum Fort Knox aufzurüsten, oder gibt es auch die Möglichkeit, für kleines Geld die Sicherheit zumindest deutlich zu verbessern?

In aller Regel kann man Fenster und Türen auch nachrüsten: Bei neueren Häusern ist es zum Beispiel möglich, dass man nur die Verriegelung gegen einbruchhemmende Produkte austauscht. Bei 50 Jahre alten Holzfenstern wird sich allerdings die Frage stellen, ob ein Austausch nicht sinnvoller ist.

Wie effektiv ist ein solcher Einbruchschutz?

Je länger eine Tür oder ein Fenster Widerstand bietet, umso eher lassen die Täter wieder davon ab. Wir gehen von drei bis maximal fünf Minuten aus. Wenn es so lange standhält, werden die meisten Täter abbrechen. Das zeigen auch die Zahlen: Etwa die Hälfte aller Wohnungseinbrüche scheitert.

Gibt es für Hauseigentümer die Möglichkeit, eine Förderung für solche Investitionen zu bekommen?

Ja, die KfW-Bank fördert bestimmte Einbruchschutzmaßnahmen zum Nachrüsten. Der Zuschuss beträgt für die ersten 1000 Euro 20 Prozent, was darüber liegt, wird mit zehn Prozent gefördert.

Und was kann ich tun, wenn ich zur Miete wohne und mir das Haus gar nicht gehört?

Dann würde ich mit dem Vermieter sprechen. Klar, es gibt auch die eine oder andere technische Sicherung, die man später beim Auszug wieder mitnehmen kann. Aber ein Gespräch mit dem Vermieter wird sich sicher lohnen, denn durch den Einbau von Sicherungstechnik steigt ja auch der Wert einer Immobilie. Das könnte für beide Parteien lohnenswert sein.

Wenn ich mir nicht sicher bin, wie einbruchsicher meine Wohnung ist, kann ich mich an Sie und Ihre Kollegen wenden?

Ja, wir kommen gerne vorbei und machen eine kostenlose, produktneutrale Schwachstellenanalyse. Wegen Corona beraten wir inzwischen auch in vielen Fällen kontaktlos, manchmal reicht es schon, wenn die Leute uns Fotos schicken. Um die Umsetzung der Maßnahmen kümmert sich dann ein Handwerker vor Ort.

Weniger Wohnungseinbrüche im Rems-Murr-Kreis

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist im Rems-Murr-Kreis zuletzt deutlich zurückgegangen. So registrierte das zuständige Polizeipräsidium in Aalen im vergangenen Jahr nur insgesamt 214 Einbrüche im Landkreis – ein Rückgang um fast 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit 277 Fällen.

Einen Höchststand gab es im Rems-Murr-Kreis im Jahr 2014 mit insgesamt 662 Einbrüchen, seitdem sind die Zahlen fünfmal in Folge gesunken.

Die Polizei führt den Rückgang auch auf ihre Maßnahmen zur Einbruchsbekämpfung zurück. Unter anderem wurde 2014 eine spezielle Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Die Aufklärungsquote ist bei Wohnungseinbrüchen trotzdem vergleichsweise niedrig. Sie lag im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen im vergangenen Jahr bei 13 Prozent.

Die meisten Wohnungseinbrüche ereigneten sich im Präsidiumsbereich 2019 in den Monaten Dezember und November, doch schon an dritter Stelle folgte der Urlaubsmonat August.

Wer eine kostenlose Beratung durch einen Experten der Kriminalpolizei in Anspruch nehmen will, wendet sich an das „Haus der Prävention“ in Fellbach unter Telefon 0711/5772200 oder E-Mail: fellbach.praevention.kbst@polizei.bwl.de

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Erstellt:
10. Juli 2020, 06:00 Uhr

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