Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Eine Wal-Skulptur als Friedensprojekt

Der Künstler Sooriya Kumar ist bei Claudia Ackermann in Backnang zu Gast, die ihn zur Hauptfigur ihrer Romane über Sri Lanka gemacht hat

In Sri Lanka haben sie sich vor 35 Jahren kennengelernt: Sooriya Kumar Muthukumaru und Claudia Ackermann. Später war lange Zeit Funkstille. Bis Ackermann ihren ersten Roman über die Ereignisse in ihrer Sri-Lanka-Zeit schrieb und dieser Sooriya in die Hände fiel. Seither ist der Kontakt zwischen den beiden nicht mehr abgebrochen. Vor Kurzem war Sooriya in Backnang. Mittlerweile lebt er auf Hawaii. Derzeit bereitet er ein Friedensprojekt vor: die weltweit größte Wal-Skulptur. Tausend Menschen sollen mitmachen.

Sooriya Kumar mit der Mappe über sein Wal-Projekt und Claudia Ackermann mit ihrem zweiten Roman über den Sri Lanker. Fotos: P. Wolf, privat

Sooriya Kumar mit der Mappe über sein Wal-Projekt und Claudia Ackermann mit ihrem zweiten Roman über den Sri Lanker. Fotos: P. Wolf, privat

Von Ingrid Knack

BACKNANG.Es ist ein Abend im Juni 2018. Sooriya Kumar und ein Freund, ein gebürtiger Sri Lanker, der in Deutschland lebt, sind am Mittag in Backnang angekommen. Sie sind zu Besuch bei Claudia Ackermann, die Sooriya als 23-Jährige in seiner Heimat kennengelernt hat. Eine schicksalhafte Begegnung. Als es für den Tamilen 1983 im Bürgerkrieg zu gefährlich geworden war – die Auseinandersetzungen zwischen den hinduistischen Tamilen und den buddhistischen Singhalesen wurden immer bedrohlicher –, half ihm Claudia Ackermann, damit er ein Ticket in die USA buchen konnte. Als Ackermann wieder zurück in Deutschland und Sooriya in Amerika war, schrieben sie sich noch eine Zeit lang, irgendwann brach der Kontakt ab.

In Indien bekommt er das Buch der Backnangerin in die Hände

Was Claudia Ackermann im Sri Lanka der 1980er-Jahre erlebt hat, verblasste in ihren Erinnerungen aber nie. Sie schrieb ihr erstes Buch „Der Krokodilfelsen“, in dem sie zum Teil mit fiktiven Namen arbeitete. Aus Sooriya wurde Suriya und aus der Arugam Bay einfach nur ein Fischerdorf. Doch viele ihrer Leser, die selbst schon Sri Lanka bereist hatten, wussten sofort, wo der Roman spielt, einige davon kannten sogar Sooriya. Schnell schloss sich ein Kreis: Sooriya, das reale Vorbild für die Hauptfigur, bekam den Band von einem Schweizer Freund in Indien in die Hände gedrückt.

Eines Tages rief Sooriya bei BKZ-Mitarbeiterin Claudia Ackermann an. Die „Krokodilfelsen“-Geschichte wurde fortgeschrieben. Ganz real und auch auf Papier – in einem zweiten Buch von Claudia Ackermann: „Sooriya Kumar. Sohn der Sonne. Eine Lebensreise von Sri Lanka bis Hawaii“. Nun hatte sie die Erlaubnis von Sooriya, die Namen aller Personen, die darin vorkommen, zu nennen. Der zweite Band beinhaltet die Geschichte aus dem „Krokodilfelsen“ und erzählt darüber hinaus, wie es Sooriya fern seiner Heimat ergangen ist.

Der charismatische Tamile Sooriya Kumar ist auf Hawaii, auf dem amerikanischen Festland und in Sri Lanka inzwischen eine Berühmtheit. Auf Hawaii hat er die Mouna-Farm (Mouna Farm Arts and Cultural Village) gegründet, wo auch ein Teil des Sooriya-Romans entstand. Sooriya hatte Ackermann dorthin zu einem Schreibaufenthalt eingeladen. Überdies gab es ja so viel zu erzählen, was in dem Buch seinen Niederschlag finden sollte. Mouna bedeutet innere Ruhe in Sooriyas Muttersprache. Die Gäste der Mouna-Farm auf der Insel O‘ahu sollen diese innere Ruhe entdecken. Um sich selbst und andere lieben zu lernen.

Sooriya ist ein Mensch mit vielen Facetten. Da ist Sooriya, der Bildhauer. Seine Kupferskulpturen sind in Kirchen und an vielen hawaiianischen Plätzen im öffentlichen Raum zu sehen. Selbst den Airport von Honolulu, das etwa 30 Kilometer von der Mouna-Farm entfernt liegt, schmückt eine Plastik von ihm. Und da ist Sooriya, der in seiner Religion verwurzelte, aber weltoffene Zeitgenosse mit Freunden aus allen gesellschaftlichen Schichten und unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit. Er realisiert soziale Projekte, die auch von Prominenten und einflussreichen Persönlichkeiten auf Hawaii unterstützt werden.

Am Internationalen Friedenstag 2017 wurde Sooriya von den United Nations (UN) als „Living treasure of Hawaii and international peacebuilder (Lebendes Juwel von Hawaii und internationaler Friedensstifter) ausgezeichnet. Zu den Preisen des heute 69-Jährigen gehört außerdem der Hawaiian Love-Peace-Harmony-Award für besondere Verdienste in der hawaiianischen Gesellschaft. Kein Wunder, denn was er anpackt, schlägt Wellen und hinterlässt Spuren.

Derzeit bereitet Sooriya ein groß angelegtes Projekt vor: „Der Wal für den Weltfrieden – Einheit, Frieden und Heilung durch Kunst“. Die bisher weltgrößte Wal-Skulptur (Mutter und Kind) aus Kupfer soll mithilfe der Hände von rund tausend Menschen entstehen. Zudem will sich Sooriya damit gegen die Tötung von Walen und die Verschmutzung der Ozeane und für „Mutter Erde“ einsetzen.

Alles fing mit einem Traum an, den er vor zwei Jahren hatte. Darin kam ein Wal vor. „Der Wal ist die Mutter unserer Ozeane“, sagt Sooriya. Die Hawaiianer verehren den Buckelwal (Kohola) und den Pottwal (Sperm Whale) als die physische Form des Gottes des Meeres und des Südens (Kanaloa). Genauso wie die riesigen Säugetiere in die Nähe der hawaiianischen Küste kommen und Nährstoffe aus dem Ozean und ihre Neugeborenen von Hawaii mit hinaus in die Welt nehmen, sollen diese Skulpturen den Menschen die Botschaft von Freundschaft (Aloha), Liebe, Einheit und der Notwendigkeit bringen, sich um unseren Planeten Erde zu kümmern. Die Wal-Mutter soll 14 Meter und das Wal-Baby acht Meter lang werden. Die Skulptur symbolisiert für Sooriya auch das, was die Welt dringend braucht: Liebe, Fürsorge und Vertrauen. „Er fühlt, dass jetzt die Zeit gekommen ist, die Trennung zwischen den Menschen in der Welt aufzuheben, und zu helfen, Mutter Erde zu heilen und auf sie achtzugeben“, heißt es in dem Projektbericht.

Hawaii als Herz von Aloha. „Es ist unsere Pflicht, einander und unsere Große Mutter zu lieben. Ohne einander und ohne Mutter Erde können wir und unsere Kinder nicht überleben“, sagt Sooriya. Deshalb möchte er Kinder und Erwachsene unterschiedlichster Nationalität sowie religiöse Oberhäupter zum Mitmachen einladen. „Wenn die Deutschen kommen, beten oder tanzen sie Deutsch. Die Menschen auf Hawaii tanzen Hula. Alle bringen ihre Traditionen mit“, ist die Vision Sooriyas. Alle sollen wie eine Familie zusammenkommen, um an dem Projekt zu arbeiten. Er selbst möchte sich vor der Schöpfung in Demut verneigen und vertraut wie immer darauf, dass alles, was er braucht, auf ihn zukommt. Ein Film wird gedreht werden, der den Menschen in der Welt von diesem Projekt erzählen soll. Im Vorfeld organisiert Sooriya und spricht auf seiner Reise in verschiedene Länder in Radio-, Fernseh- und Zeitungsinterviews von seinem Vorhaben. Wie hier in Backnang, wo er bereits das dritte Mal zu Besuch ist.

Tausende von Menschen

nehmen an der Pilgerreise

durch den Dschungel teil

Claudia Ackermann aber ist als Einzige von Sooriya autorisiert, dessen Biografie zu schreiben. Der persönlichen Verbindung wegen, die bis in die 1980er-Jahre zurückreicht. Einmal war sie mit in Sri Lanka, als Sooriya sieben Tage lang durch den Dschungel pilgerte, wie es Tausende von Hindus jedes Jahr tun. Sooriya wird in seiner Heimat verehrt, weil er sich dort für die Belange der Hindus einsetzt. Beim Pilgermarsch, der an seinem Heimattempel vorbeiführt, organisierte er etwa ein Essen und medizinische Versorgung für die Gläubigen.

Sooriya und sein Freund haben an diesem Backnanger Nachmittag für die Gäste gekocht, die am Abend eingeladen sind. Es sind alles Menschen, die sich in irgendeiner Weise für die Veröffentlichung der beiden Bücher Ackermanns eingesetzt haben. Das Buffet ist voller köstlicher, scharf gewürzter Speisen. Sooriya ist es gewohnt, für viele Menschen auf seiner Mouna-Farm zu kochen. Er bereitet immer ein wenig mehr als nötig zu. Man weiß ja nie, ob noch Gäste eintreffen, die zufällig vorbeikommen.

Das ist typisch Sooriya. Immer offen für andere. Für das Unerwartete. Schließlich empfindet er sein Dasein auf dieser Erde als heilige Reise. Sie trägt ihn dorthin, wo er sein Karma erfüllen kann. „Wir sind Nomaden auf unserer Lebensreise“, zitiert Ackermann ihn in ihrem zweiten Roman. In Sri Lanka und auf seinen Reisen lernte Sooriya viele Traveller kennen, einige besucht er heute noch. Mitunter ist jetzt sogar ein Filmteam dabei. Sein Leben und seine Projekte gehören einem großen Publikum erzählt. Das finden auch die Filmemacher, und so gibt es bereits mehrere Dokumentationen über ihn und seine Projekte auf Hawaii und in Sri Lanka. Für die nächste Doku stehen die Filmemacher schon in den Startlöchern...

Das Buch, die Farm und die heilige Kunst Info „Sooriya Kumar – Sohn der Sonne“heißt das Buch von Claudia Ackermann über die Lebensgeschichte von Sooriya Kumar. Der auf Hawaii lebende Sri Lanker Künstler ist spezialisiert auf Sacred Copper Art. Die Kupferkunst hat Sooriya als junger Mann in Indien gelernt. Seine Kunstwerke schmücken nicht nur hinduistische Tempel, sondern auch christliche Kirchen. Auch profane öffentliche Gebäude auf Hawaii sind mit seiner Kunst geschmückt. Und: Sogar der König der Maori in Neuseeland beauftragte ihn mit einem Objekt. Auf Hawaii betreibt Sooriya die Mouna-Farm. Dort gibt er unter anderem Bildhauerworkshops. Es gibt soziale und künstlerische Events auf der Farm, die ein Non-Profit-Projekt ist. Viele Menschen leben für einige Zeit oder für immer dort. Das auf der Farm angebaute Gemüse wird an Biohändler und Restaurants verkauft. Auch nach Deutschland hatte es ihn bei einer Reise um die halbe Welt in den 1970er-Jahren verschlagen. Hier lebte er mehrere Jahre. Achtmal reiste er ohne Geld von Indien nach Europa. Informationen über Sooriyas neues Wal-Projekt gibt es auf www.koholaola.org. Weitere Infos: http://www.olamovie.com/ und https://www.sacredjourneyfilm.com/
Sooriya wird in einem Dorf in Sri Lanka geehrt, wo er einen Tempel für die Fischer bauen will.

Sooriya wird in einem Dorf in Sri Lanka geehrt, wo er einen Tempel für die Fischer bauen will.

Zum Artikel

Erstellt:
6. Juli 2018, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Stadt & Kreis

Grundlos zugeschlagen

24-Jähriger in U-Haft muss weiter einsitzen: Amtsgericht Backnang verurteilt ihn zu zwei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung