Einfach zurück in den Erfolgsmodus

Der VfB unterliegt zwar in Bremen – doch der Sonntagsfluch kann nicht mehr zuschlagen, und die Mannschaft blickt bereits auf die nächsten Herausforderungen bei Bayer Leverkusen und gegen den FC Bayern.

Der VfB Stuttgart gerät in Bremen aus dem Tritt – wie hier Jamie Leweling (rechts) gegen den Werder-Profi Senne Lynen.

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Der VfB Stuttgart gerät in Bremen aus dem Tritt – wie hier Jamie Leweling (rechts) gegen den Werder-Profi Senne Lynen.

Von Carlos Ubina

Bremen - Deniz Undav hatte nach dem Spiel noch einiges zu tun. Autogramme schreiben, Fotos machen lassen, Kinder auf den Arm nehmen, Schwätzchen halten und zig Menschen umarmen. Familie und Freunde waren in das Weserstadion gekommen und wollten dem Stürmer des VfB Stuttgart bei dessen kurzem Heimatbesuch nahe sein. „Gefühlt 2000 Leute waren da, aber das war schön“, scherzt Undav, der zugleich eine Enttäuschung zu verarbeiten hatte. 1:2 bei Werder Bremen verloren – dem Club, der ihn als Jugendlicher weggeschickt hatte und bei dem er nun als deutscher Fußball-Nationalspieler vorbeigeschaut hat.

Einen Treffer hat Undav (71.) dabei erzielt, sein 17. Bundesliga-Tor. Doch der 27-Jährige hätte natürlich lieber die drei Punkte aus dem Norden mit nach Stuttgart genommen. „Wir sind jedoch zu spät aufgewacht. Diese Einschätzung würde ich unterschreiben“, sagt Undav und demonstriert einmal mehr seine Mischung aus Selbstkritik und Lockerheit. Er vergab selbst zwei große Möglichkeiten in wichtigen Momenten.

Reine Kopfsache möchte man sagen. „Einmal rettet der Torhüter Michael Zetterer, als ich ihm den Ball an den Kopf schieße, einmal köpfe ich an die Latte“, resümiert der Angreifer. Aber: „Ich kann ja nicht jede Chance verwerten.“ Eine höhere Effizienz als in Bremen erwartet Undav von sich selbst mittlerweile jedoch schon. Und am nächsten Samstagabend (18.30 Uhr) bei Bayer Leverkusen wird sie vonnöten sein, um beim Tabellenführer zu bestehen; um dem designierten deutschen Meister vielleicht sogar die erste Saisonniederlage beizubringen.

Vorerst hilft es dem VfB jedoch erst einmal, dass die Leverkusener einfach nicht in die Knie zu zwingen sind. In Dortmund erzielten sie in der Nachspielzeit den 1:1-Endstand, was rund um den Wasen eine gewisse Erleichterung auslöste. Der BVB liegt als Tabellenfünfter mit sechs Punkten und einer um neun Treffer schlechteren Tordifferenz hinter den drittplatzierten Stuttgartern. Das gibt zumindest ein leicht besseres Gefühl als direkt nach der Niederlage in Bremen. Zumal die beiden Verfolger aus Leipzig und Dortmund jetzt aufeinandertreffen.

„Uns haben die Effizienz und Genauigkeit gefehlt, die Werder an den Tag gelegt hat“, sagt der Trainer Sebastian Hoeneß nach den Werder-Toren durch Marvin Ducksch (28., Foulelfmeter/49.). Was zum einen das Ende einer starken Erfolgsserie von elf Ligaspielen ohne Niederlage (neun Siege, zwei Unentschieden) bedeutet, zum anderen aber im Schlussspurt nicht den Anfang einer Phase von Selbstzweifeln darstellen soll. Trotz der anstehenden Herausforderungen gegen Bayer Leverkusen und den FC Bayern München – die einzigen Mannschaften, die in der laufenden Saison über dem VfB stehen.

Die Stuttgarter wollen „das Ding zu Ende bringen“, wie sie betonen. Eine bislang tolle Spielzeit soll nicht austrudeln, weil der Sprung auf die internationale Bühne bereits gelungen ist. Es geht faktisch noch um die Qualifikation für die Champions League, gefühlt hat dies der VfB mit seiner begeisternden Spielweise mehr verdient als der BVB oder RB Leipzig. Sportlich will die Mannschaft das edle Ziel ohnehin erreichen und sich dabei den Blick auf andere Plätze und die Spezialwertung der Europäischen Fußball-Union ersparen.

Mahnende Worte braucht es dazu nicht, ist Fabian Wohlgemuth überzeugt. „Die Mannschaft weiß, worum es geht, und sie hat in dieser Saison mehrfach bewiesen, dass sie mit Rückschlägen umgehen kann“, sagt der Sportdirektor. Zuletzt verlor der VfB zu Jahresbeginn zweimal hintereinander – in Mönchengladbach und in Bochum. Danach startete er durch, und für den abergläubischen Teil der Fans wird es eine gute Nachricht sein, dass kein Sonntagsspiel mehr ansteht. Denn es macht schon der Begriff des „Sonntagsfluchs“ die Runde, weil die Stuttgarter in vier von sechs Sonntagsspielen unterlegen waren. Einen Sieg gab es nicht.

Jenseits solcher Gedanken haben Hoeneß und sein Team in den vergangenen Monaten stets untermauert, dass sie es verstehen, sich neu auszurichten. Wenngleich der Trainer in Bremen zunächst eine Aufstellungsvariante ohne Chris Führich auf dem linken Flügel wählte – und nach der Pause korrigierte. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass der VfB an der Weser anfangs kein taktisches Problem hatte. „Es hat vielleicht der absolute Wille gefehlt, diesmal sein letztes Hemd für den Sieg zu geben“, sagt Wohlgemuth.

Dennoch deutet wenig auf einen Leistungsabfall hin. Zu viel will die Mannschaft noch erreichen. „Wir haben gegen die Leverkusener bisher in Liga und Pokal zwei starke Spiele abgeliefert“, sagt Undav und lässt unausgesprochen, dass er es ein drittes Mal für möglich hält – mit dem passenden Ergebnis. Vier Partien sind es ja nur noch bis Saisonende. In den vergangenen Jahren stand da für den VfB immer viel auf dem Spiel. Es ging gegen den Abstieg und die Angst, etwas zu verlieren. Diesmal geht es um die Königsklasse und die Chance, viel zu gewinnen.

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Erstellt:
22. April 2024, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
23. April 2024, 22:01 Uhr

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