Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Einzelne Häuser statt einer Fassadenfront

Neue Bedingungen für das Projekt der Bau-Geno Backnang am Dresdner Ring – Areal kann nach der Änderung optimal genutzt werden

Die Bau-Geno Backnang möchte an der Ecke Dresdner Ring/Rietenauer Weg vier Gebäude mit insgesamt 50 Wohnungen errichten. Weil dies laut dem bisherigen Bebauungsplan nicht möglich ist, wurden die Vorgaben geändert und ein neues Planwerk auf den Weg gebracht. Der Ausschuss für Technik und Umwelt sowie der Gemeinderat stimmten dem Entwurf dieser Tage einstimmig zu.

Das Quartier an der Ecke Dresdner Ring/Rietenauer Weg soll nicht als Fortsetzung der bestehenden Gebäudezeile realisiert werden, sondern aus vier Einzelgebäuden bestehen. Zwischen den Gebäuden gibt es helle Freiräume. Die Fassaden werden verklinkert. Das ist den Planern zufolge gut für die Optik und das Wohnklima. Für Autos werden Tiefgaragen gebaut.Visualisierung: Steimle Architekten

Das Quartier an der Ecke Dresdner Ring/Rietenauer Weg soll nicht als Fortsetzung der bestehenden Gebäudezeile realisiert werden, sondern aus vier Einzelgebäuden bestehen. Zwischen den Gebäuden gibt es helle Freiräume. Die Fassaden werden verklinkert. Das ist den Planern zufolge gut für die Optik und das Wohnklima. Für Autos werden Tiefgaragen gebaut.Visualisierung: Steimle Architekten

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Der derzeit noch gültige Bebauungsplan sieht vor, die bestehende viergeschossige Gebäudezeile entlang des Dresdner Rings fortzuführen. Damit wäre das Grundstück aber nicht optimal ausgenutzt. Und das wiederum – da waren sich zuletzt alle Beteiligten einig – wäre bei der aktuellen Wohnungsnot nicht angemessen.

Das Regelwerk musste also geändert werden. Der Leiter des Stadtplanungsamts Tobias Großmann hatte damit kein Problem. Er erinnerte daran, dass dem Bauherr die Abkehr von der Zeilenentwicklung und die höhere Ausnutzung des Grundstücks in Aussicht gestellt wurde. Allerdings unter einer Bedingung: Es musste eine sogenannte Mehrfachbeauftragung vorgenommen werden. Damit sollte die Qualität der Planung sichergestellt werden. Diesen Wettbewerb der Architekten gewann vor Jahresfrist bereits das Büro Steimle aus Stuttgart.

Im Ausschuss Technik und Umwelt stellte Thomas Steimle nun die aktuellen Pläne vor. Er erklärte: „Wir sind in einer sehr vertieften Planung und Abstimmung mit der Stadt.“ Ziel sei eine gelungene Nachverdichtung am Dresdner Ring.

Die Stuttgarter Architekten wollen auf der fast 33 Ar großen Fläche vier Gebäude errichten: drei vierstöckige Riegel parallel zum Dresdener Ring und ein sechsstöckiges Punkthaus an der Ecke beim Kreisverkehr. Die Ausschussmitglieder zeigten sich von dem harmonischen Konzept sehr angetan, es füge sich gut in die Umgebung ein und habe Quartierscharakter. Auf Freiräumen zwischen den Gebäuden können sich die Bewohner begegnen und die Kinder ungestört spielen, denn die Autos verschwinden unter der Erde in einer Tiefgarage. Alle vier Baukörper können ohne Grenzüberschreitungen gebaut werden.

Stadträte fordern künftig Modelle der geplanten Wohnbauprojekte

Auch wenn die Planungen gut ankamen, so äußerte Heinz Franke (SPD) Kritik am Vorgehen. Er erinnerte daran, dass es bei vielen vergleichbaren Projekten im Stadtgebiet wie etwa am Dichterberg oder im Bereich Feucht-Areal sehr kritische Stimmen gebe. Immer wieder werde die zu starke Nachverdichtung angeprangert und teilweise sehr kontrovers diskutiert. Weil die Stadträte aber eine solch eventuelle Enge einzig auf Grundlage von Plänen nur sehr schwer beurteilen können, hätten sie laut Franke schon mehrfach gefordert, künftig anschauliche Modelle der Projekte vorgestellt zu bekommen. Franke: „Wir wollen Modelle sehen. Dies ist wieder nicht geschehen.“

Ferner wollte der Sozialdemokrat wissen, ob sichergestellt sei, dass die Quote bezahlbarer Wohnraum erfüllt werde. Ein netter Versuch zwar, aber Ute Ulfert (CDU) stellte umgehend klar, dass es eine solche Quote noch nicht als Beschluss gebe. Sie erwarte auch nicht, dass die Verantwortlichen das bereits weit fortgeschrittene Projekt nochmals komplett umplanen. Geht es nach Baudezernent Stefan Setzer, so ist dies auch nicht nötig, es werde ein „wie auch immer geförderter Anteil von 21 Prozent an bezahlbaren Wohnungen geben“. Setzer kündigte an: „Wir werden einen städtebaulichen Vertrag mit dem Vorhabenträger aushandeln.“

Kritisch gesehen wurden auch die prognostizierten Lärmwerte. Armin Dobler (SPD) hatte schon im Ausschuss angesichts des Schallschutzgutachtens nachgehakt: „Sind wir gut beraten, am Eck ein sechsstöckiges Wohnhaus zu genehmigen?“ Er kündigte im Gemeinderat ebenso wie bereits zwei Tage zuvor im Ausschuss an, sich zu enthalten. Meike Ribbeck (CIB) hakte nach, ob im Dresdner Ring nicht auch Tempo 40 möglich wäre, um die Anwohner zu schützen. Doch Gisela Blumer, Leiterin des Rechts- und Ordnungsamts, wiegelte ab, laut Lärmaktionsplan und einem Gutachten sei kein zusätzlicher Lärmschutz notwendig, „die Werte für gesundes Wohnen werden eingehalten“. Auch Stefan Setzer betonte, „das sechste Geschoss ist so organisiert, dass gesundes Wohnen möglich ist, die Werte sind völlig unkritisch“.

Ute Ulfert und Fraktionskollege Gerhard Ketterer forderten zusätzlich zu den Tiefgaragenplätzen oberirdische Besucherparkplätze etwa für Ärzte oder Pflegedienste. Zum Schluss erinnerte Ketterer nochmals an das ursprüngliche Problem des Bebauungsplans. Er erklärte: „Wichtig ist, dass der langgestellte Riegel vom Tisch ist. Das jetzt ist ein deutlich attraktiveres Modell. Und Lutz-Dietrich Schweizer (CIB) fasste es so zusammen: „Bezahlbarer Wohnraum ist wichtig. Noch wichtiger aber ist, dass es schnell geht angesichts der Wohnungsnot. So wurde einstimmig beschlossen, den Entwurf des Bebauungsplans im beschleunigten Verfahren aufzustellen.

Info
50 Wohnungen

Bauherr des Projekts ist die Bau-Geno Backnang. Für sie ist es das bisher größte Mietwohnungsbauprojekt in ihrer 100-jährigen Firmengeschichte.

Damit das anvisierte Projekt auch städtebaulich überzeugt, wurden fünf Architekturbüros zu einem Wettbewerb eingeladen. Das Stuttgarter Büro Steimle Architekten ging daraus als Sieger hervor.

Das Grundstück an der Ecke Rietenauer Weg/Dresdner Ring hat eine Größe von 32,6 Ar, die derzeit angedachte Nutzfläche beträgt 3770 Quadratmeter.

Der Wohnungsschlüssel sieht folgende Aufteilung der 50 Wohnungen vor:

- 13 Zwei-Zimmer-Wohnungen (26 Prozent)

- 7 Zwei- bis Drei-Zimmerwohungen (14)

- 18 Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen (36)

- 12 Vier- bis Fünf-Zimmerwohnungen (24)

Geplant sind 59 Stellplätze.

Zum Artikel

Erstellt:
11. November 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!