Probleme bei der EnBW

EnBW prüft Trennung von Batteriespeicher-Tochter Senec

Nach massiven Problemen steht die EnBW-Tochter Senec vor einer Weggabelung. Der Mutterkonzern prüft nun auch einen Verkauf.

Ist als Krisenmanager gefragt: EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos

© Lichtgut/Leif Piechowski

Ist als Krisenmanager gefragt: EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos

Von Jonas Schöll

Die EnBW erwägt einen Verkauf ihrer Batteriespeicher-Tochter Senec. Nach Angaben des Unternehmens prüft der Karlsruher Energiekonzern derzeit diese Option – neben einer Fortführung oder einer deutlichen Verkleinerung des Geschäfts. Eine Insolvenz stehe nicht zur Debatte. „Ja, die EnBW prüft aktuell auch einen Verkauf,“ bestätigte ein EnBW-Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion. Ziel sei es, „das Unternehmen so mit einem geeigneten Investor in die Zukunft zu führen“.

Die Prüfung markiert einen neuen Einschnitt in der bewegten Geschichte der Leipziger Tochter. Senec war in den vergangenen Jahren durch Brände und Explosionen von Heimspeichern massiv unter Druck geraten. In der Folge startete das Unternehmen einen groß angelegten Austausch. Dieser sei nahezu abgeschlossen – „bis auf einige wenige Sonderfälle“, wie der Sprecher mitteilte. Insgesamt seien „rund 100 000 Speicher bei Kundinnen und Kunden ausgetauscht“ worden. „Für Senec müssen wir eine Entscheidung treffen“, machte auch Konzernchef Georg Stamatelopoulos im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Egal für welchen Weg man sich entscheide, zusätzlicher Abschreibungsbedarf in nennenswerter Höhe befürchtet der Konzernlenker nicht.

Explosive Speicher – die Probleme mit der Tochterfirma

Der Ärger mit Senec belastete die Bilanz erheblich. Der Batterieaustausch habe Kosten in „dreistelliger Millionenhöhe“ verursacht, erklärte der Sprecher. Jetzt richten die Karlsruher den Blick nach vorn: „Für die Zukunft haben wir alle Risiken abgebildet und erwarten keine weiteren signifikanten Belastungen.“

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Die EnBW will Vertrauen der Kundschaft zurückgewinnen

Nach Angaben der EnBW trägt der eingeschlagene Weg Früchte. „Der Feldaustausch war eine zentrale Maßnahme, um Verantwortung zu übernehmen und damit Vertrauen zurückzugewinnen“, heißt es. Dies spiegele sich in „zunehmend positiven Kundenbewertungen“ wider.

Parallel habe Senec das Produktportfolio überarbeitet und sich organisatorisch neu aufgestellt. Das Unternehmen rechne nun „mit einer deutlichen Steigerung der Speicherabsätze“. Für weiteres Wachstum seien allerdings zusätzliche Investitionen nötig – ein möglicher Grund für die Prüfung eines Verkaufs.

Stamatelopoulos verteidigt Milliarden-Abschreibung

Die Überlegungen fallen in eine Phase, in der sich die EnBW auch an anderer Stelle mit milliardenschweren Fehlinvestitionen auseinandersetzen muss. Der Konzern steigt aus zwei Offshore-Windprojekten in Großbritannien aus und schreibt dafür 1,2 Milliarden Euro ab. „Die Projekte sind unter heutigen Rahmenbedingungen schlicht nicht mehr wirtschaftlich“, sagte Stamatelopoulos. Beim Einstieg der EnBW 2021 sei „die Welt eine andere“ gewesen – mit niedrigeren Zinsen, stabileren Lieferketten und anderen politischen Prioritäten. Man habe auch Warnungen nicht früher erkennen können, betonte der Vorstandschef. Personelle Konsequenzen hält Stamatelopoulos nicht für angezeigt: „Ich sehe kein Organ- oder persönliches Versagen.“ Der Ausstieg sei Ausdruck konsequenter Risikobewertung. „Wir sind nicht bereit, Offshore-Windparks um jeden Preis zu bauen. Deshalb haben wir die Reißleine gezogen.“

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Erstellt:
7. Februar 2026, 10:08 Uhr

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