England geht in den Teil-Lockdown

dpa London. Etliche Länder in Europa befinden sich bereits wieder im Teil-Lockdown - ab heute ist es auch für England so weit. Die Lage in den Krankenhäusern spitzt sich bereits wieder deutlich zu.

Ein Mitarbeiter schließt die Tür einer Bar in Bristol. Foto: Ben Birchall/PA/dpa

Ein Mitarbeiter schließt die Tür einer Bar in Bristol. Foto: Ben Birchall/PA/dpa

In England gilt zur Bekämpfung der Corona-Pandemie seit heute ein Teil-Lockdown mit weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Gastronomie, Kulturstätten, Sportzentren und Freizeiteinrichtungen müssen schließen, Schulen und Universitäten bleiben aber geöffnet.

Anders als in Deutschland wird auch der Handel für einen Monat lang zu bleiben - abgesehen von Supermärkten und anderen als notwendig eingestuften Geschäften.

Die Engländer sollen ihre Wohnungen bis zum 2. Dezember nur noch aus triftigem Grund verlassen - etwa zur Arbeit, zum Sport, zur Erholung oder zur Pflege Angehöriger. Schottland, Wales und Nordirland machen ihre eigenen Regeln zur Virus-Bekämpfung. Dort fuhr man bereits früher zeitlich begrenzt das öffentliche Leben weitgehend herunter.

In England kam es am Mittwochabend zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. In Merseyside im Nordwesten des Landesteils wurden Polizisten, die ein Treffen von Hunderten Menschen auflösen wollten, mit Feuerwerkskörpern attackiert. Die Feiernden hätten nicht nur Einsatzkräfte bedroht, sondern mit ihrem Verhalten auch das Infektionsrisiko erhöht, so die Polizei.

In vielen englischen Städten, vor allem in der Hauptstadt London, wurde noch einmal ausgiebig gefeiert. Menschenmengen drängten sich durch Straßen, viele Partygänger waren betrunken. „Das ist wie Silvester hier“, sagte ein Mann. Nach einer Massenschlägerei in Südengland nahmen die Polizei von Sussex zwei Personen fest.

Die Zahl der Todesfälle von Corona-Infizierten stieg in Großbritannien am Mittwoch mit fast 500 Toten innerhalb eines Tages auf den höchsten Stand seit Mai. In den vergangenen zwei Wochen zählte das Land mit seinen rund 68 Millionen Einwohnern laut EU-Seuchenbehörde ECDC rund 470 Fälle pro 100.000 Menschen.

Für den staatlichen Gesundheitsdienst NHS gilt zudem nun die höchste Warnstufe. Man steuere auf eine „ernste Situation“ zu, sagte NHS-England-Chef Simon Stevens. Im Nordwesten des Landes habe im Oktober bereits ein Viertel der geplanten Operationen wegen Covid-19-Patienten verschoben werden müssen. Dies werde auch in anderen Regionen zunehmen. Mit aktuell knapp 11.000 Covid-Patienten in den englischen Krankenhäusern sehe man in vielen Regionen bereits mehr Menschen in den Krankenhäusern als in der ersten Welle im April, sagte Stevens in einem BBC-Interview. Die betroffen Covid-Patienten könnten gebündelt aktuell bereits 22 Krankenhäuser komplett füllen.

20.000 Patienten in den Krankenhäusern gelten nach Angaben von NHS England als obere Belastungsgrenze. Diese könne innerhalb weniger Wochen erreicht sein, wenn die Infektionszahlen nicht drastisch sänken, warnen Gesundheitsexperten.

Premierminister Boris Johnson gestand am Mittwoch im Londoner Parlament, das über den Teil-Lockdown abstimmte, Mängel am britischen Testsystem und bei der Nachverfolgung ein. Seine Regierung setzt nun große Hoffnungen auf Schnelltests: So soll am Freitag in der besonders schwer betroffenen Stadt Liverpool ein Pilotprojekt starten, bei dem allen Bürgern Schnelltests angeboten werden sollen.

© dpa-infocom, dpa:201105-99-216194/5

Am letzten Abend vor dem Teil-Lockdown: In den nächsten Wochen bleiben Bars und Restaurants in London geschlossen. Foto: Kirsty O'connor/PA Wire/dpa

Am letzten Abend vor dem Teil-Lockdown: In den nächsten Wochen bleiben Bars und Restaurants in London geschlossen. Foto: Kirsty O'connor/PA Wire/dpa

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Erstellt:
5. November 2020, 04:34 Uhr

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