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Er lässt für Kinder die Puppen tanzen

Der sehbehinderte Thomas Stetter hat ein Kaspertheaterstück geschrieben und führt es nun auf

Stuttgart Wer einen Blick in die Welt von Thomas Stetter werfen will, sollte durch ein Schlüsselloch schauen. Aber es müsste ein sehr kleines Schlüsselloch sein. Stetter leidet an der Augenkrankheit Retinitis pigmentosa, einer Netzhautdegeneration. Sein Blick verengt sich immer mehr, was nichts daran ändert, dass der Mann aus Neugereut, wie man so schön sagt, am Leben teilnimmt.

Stetter schreibt der Zeitung, wenn er meint, dass in derTübinger Straße, wo sich Fußgänger, Radler und Autofahrer die Wege teilen, die Belange sehbehinderter Menschen zu kurz kommen. Er initiiert einenDunkelgottesdienstfür Sehende und Blinde. Er veranstaltet ein Fahrtraining für Blinde.

Nun, mit 67, hat sich Thomas Stetter gemeinsam mit anderen Mitgliedern von Pro Retina, einer Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegeneration, dem Handpuppenspiel zugewendet. Schuld sind, wie so oft in Stetters Leben, die Enkelkinder.

Denen ist es zu verdanken, dass Thomas Stetter seit einiger Zeit an einem Kinder- und Jugendbuch über Ritter sitzt. „Die sind ganz verrückt nach allem, was mit Schlössern und Burgen zu tun hat“, sagt Stetter. „Vor allem die Kinder meiner Tochter, die in Los Angeles lebt.“ Zehn Kapitel sind bereits geschrieben. Der Held des Buchs ist ein schwarzer Ritter, der, wie Stetter, des Schwäbischen mächtig ist. Dass Thomas Stetter mit dem Buch nicht so schnell vorankommt, wie erhofft, liegt daran, dass er das Theaterprojekt vorziehen musste.

Es sei nicht leicht gewesen, Puppen zu finden, in die seine großen Hände passen, sagt Stetter. Aber eine Cousine, von Beruf Erzieherin, wusste Rat: Sie legte ihm Holzpuppen nahe, die aus der Burgstadt Hohnstein in der Sächsischen Schweiz kommen. Die 23 Puppen, die der Verein Pro Retina inzwischen besitzt und deren Anschaffung von einer Krankenkasse gesponsert wurde, sind von Meisterhand geschnitzt. Beim Stück wollte Stetter allerdings selbst Hand anlegen.

„Der Lebkuchenzauber“ heißt das Stück, mit dem das Ensemble an diesem Samstag, 15. Dezember, 15.30 Uhr im Ökumenischen Gemeindezentrum in Neugereut, Flamingoweg 22, Premiere feiert. Stetter hat sich an einem fertigen Theaterstück orientiert – und das Ganze dann für seine Zwecke „aufgehübscht“, wie er sagt, sprich: umgeschrieben. Auf Schwäbisch. Die Generalprobe vor einer Woche lief tadellos. „Die Kinder waren begeistert“, sagt Stetter. Für alle Fälle spielt auch ein grausliches Neckarkrokodil mit – das in erster Linie die Eltern im Blick hat. Die sollen während der Vorstellung nicht ständig auf ihren Handys herumdaddeln.

„Der Lebkuchenzauber“ soll nur der Anfang sein. „Wir können uns vorstellen, mit den Puppen in Kindergärten, Altenheimen und Schulen zu gehen“, sagt Stetter. Auch einen Auftritt bei der Remstal-Gartenschau im kommenden Jahr habe er im Blick. Die Ideen gehen Thomas Stetter, dem Mann mit dem Tunnelblick, nicht so schnell aus. Und zur Not fragt er seine Enkel um Rat.https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.knitz-kolumne-augen-zu-beim-dunkelgottesdienst.3dd75cc2-4b38-4dcc-acb9-6b3649b568ff.htmlhttps://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.shared-space-an-tuebinger-strasse-verkehrsmodell-der-zukunft-gefahr-fuer-blinde.d54269b4-838c-483d-99a7-dfae8ed3d265.html

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Erstellt:
15. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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