„Erde ist zum Anfassen da“

Landesverband der Gartenfreunde Baden-Württemberg hat Broschüre „Ein Garten zum Lernen“ erstellt

Es ist ein umfangreiches Werk mit 111 Seiten geworden: die Broschüre „Ein Garten zum Lernen“. Es soll ein Leitfaden, aber auch Anreiz für Erwachsene und Kinder sein, aktiv den Umgang mit Natur zu erleben. Immer mehr Kinder erproben ihren grünen Daumen – nicht nur zu Hause, auch in vielen Schulen und Kindergärten. Der Landesverband der Gartenfreunde möchte dies weiter fördern und mit dem Arbeiten im Schulgarten die Lust an der Natur wecken.

Ein Beispiel der Schulgartenarbeit: Schüler der Talschule arbeiten mit der Hilfe von Mitgliedern des OGV Heiningen/Waldrems/Maubach im angelegten Schulgarten. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Ein Beispiel der Schulgartenarbeit: Schüler der Talschule arbeiten mit der Hilfe von Mitgliedern des OGV Heiningen/Waldrems/Maubach im angelegten Schulgarten. Fotos: A. Becher

Von Yvonne Weirauch

BACKNANG. In der Erde buddeln, Samen pflanzen, und sehen, wie etwas wächst und gedeiht – gerade für Kinder gibt es eigentlich nichts Schöneres, wenn sie die Natur kennenlernen wollen.

Die Schulgartenbroschüre könne als Informationsquelle und Arbeitsanleitung genutzt werden und dazu dienen, dass sich Kinder und Jugendliche mehr mit den Themenbereichen Natur und Garten sowie Schulgartenarbeit auseinandersetzen, sagt der aus Backnang stammende Präsident des Landesverbandes der Gartenfreunde Baden-Württemberg, Klaus Otto. „Mit zu unseren vielfältigen Aufgaben gehört ein Näherbringen von Natur und Garten, möglichst schon ab dem Kindergartenalter.“

Die Broschüre solle ein kleiner hilfreicher Wegweiser sein, wie das Arbeiten und Lernen in und mit einem Garten funktionieren könnte. „Er ist sowohl für Kinder wie auch für Erwachsene und Jugendliche gedacht“, so Otto. Gut zwei Jahre hat es gedauert, bis die Broschüre fertig war. Viele Ehrenamtliche und Gartenfreunde waren bei der Zusammenstellung beteiligt. Unterstützung erhielt und erhält der Landesverband auch von Christian Puschner vom Landesschulzentrum für Umweltbildung in Adelsheim als Schulgartenbeauftragter. Um Schulen und andere Bildungseinrichtungen sowie den Vereinen das gartenpraktische wie auch das pädagogische Rüstzeug in die Hand zu geben, hat Puschner für den Verband die Broschüre erstellt. 1000 Hefte wurden für rund 11000 Euro gedruckt. Gezielt werde das Heft vom Landesverband an Schulen oder Vereine verteilt.

Zunächst sei er skeptisch ob des Umfangs gewesen, gibt Klaus Otto zu: „Als ich es das erste Mal in den Händen hielt, dachte ich, das ist zu viel an Anregungen und Informationen. Ich habe es dann Korrektur gelesen und war mir abschließend sicher, dass das Werk alles umfasst, was wichtig ist, und somit für jeden etwas beinhaltet.“

Besonders schön sei es, wenn die Kinder schon früh hautnah mitbekommen, wie etwas wachse und auch verwendet werde. Gemüse, Kräuter und Beeren werden beispielsweise gemeinsam geerntet und gemeinsam beim Vesper verzehrt – die Broschüre enthält auch Rezepte. Ebenfalls werde das Zusammensein gefördert und Diskussionen würden sich durch die Gartenarbeit entwickeln, etwa: Was ist Unkraut und was nicht? Was darf hier wachsen? Zudem gibt es neben den Pflanzen auch viele Tiere zu entdecken, wie Käfer, Ameisen, Schnecken und Regenwürmer. Es gebe so viel zu erfahren in der Natur, sagt Otto. Er selbst sieht es an seinem fünfjährigen Enkel, der liebend gern mit der Gießkanne im Garten unterwegs ist. „Er wühlt auch gerne in der Erde, sieht dann auch dementsprechend aus – aber dafür gibt es ja eine Waschmaschine“, sagt Klaus Otto und lacht.

Sicher sei es nicht immer einfach, Kindern den Umgang mit der Natur näherzubringen. „Zudem ist es nicht leicht, Ehrenamtliche zu finden, die Verantwortung für die Kinder übernehmen wollen.“ Dabei lernen sowohl Erwachsene wie auch die Kinder beziehungsweise Schüler viel, wenn sie in einem kleinen Garten selbst Hand anlegen können. Der Umgang beispielsweise mit dem Hochbeet verschaffe den kleinen Gärtnern einen anderen Blickwinkel auf viele Dinge. Geduld ist nötig, Rückschläge gehören dazu, und man lernt sich auch selbst besser kennen: Was kann ich, was mag ich, was finde ich eklig? „Mein größter Wunsch ist es, dass wir mit der Broschüre sowohl bei den Lehrern als auch bei den Schülern die Lust am Gärtnern wecken und vermitteln und den Umgang mit der Natur erleichtern“, sagt Klaus Otto. Den Aus- oder Anbau weiterer Schulgärten würde der Präsident des Landesverbandes begrüßen. Denn das „Lernen im Garten hat im Lehrplan noch keinen festen Platz erhalten“. Hier in der Gegend fallen Klaus Otto spontan folgende Lerngärten ein: In Kirchberg an der Murr gibt es seit dem Frühjahr 2014 ein großes Hochbeet auf dem Außengelände des Vorschulkindergartens Kiga Plus. In den letzten Jahren hätten immer mehr Schulen eigene Gärten angelegt. So auch die Talschule in Backnang. Seit 2016 wird die Pflege desselben durch den Obst- und Gartenbauverein Heiningen/Waldrems/Maubach unterstützt. Auch die Backnanger Pestalozzi-Schule habe einen Schulgarten. Natur live erleben und seine Freude daran haben – dass möchte der Landesverband der Gartenfreunde unter anderem mit der Broschüre als Leitfaden verständlich machen.

Das Werk macht auch

in der Politik die Runde

Die gebundenen 111 Seiten „Ein Garten zum Lernen“ wurden auch Landesminister Peter Hauk übergeben. Otto: „Er zeigte sich bei der offiziellen Präsentation im Stuttgarter Landtagsgebäude beeindruckt und interessiert.“ Diese Broschüre sei eine wertvolle Grundlage für Bildungseinrichtungen und Pädagogen. „Methodische Tipps, Informationen und Anregungen runden das Werk ab“, hob der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg hervor. Klaus Otto überreichte die Broschüre außerdem an die Ministerin Dr. Susanne Eisenmann (Ministerium für Kultur, Jugend und Sport), an die Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz), an den Staatssekretär vom Innenministerium, Wilfried Klenk (MdL), sowie an die Landtagsabgeordneten Gernot Gruber und Dr. Patrick Rapp. „Das Werk macht auch in der Politik die Runde“, sagt Otto und hofft auf die weitere gute Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Ländlichen Raum, und fügt hinzu: „Mit dem Kultusministerium wollen wir die Zusammenarbeit gerne noch intensivieren, damit man in den Schulen noch mehr solcher Themen rund um Natur und Schulgartenarbeit anbieten kann.“

„Lernen im Gartenhat im Lehrplannoch keinenfesten Platz.“Klaus OttoPräsident des Landesverbandes

© Pressefotografie Alexander Beche

„Lernen im Garten hat im Lehrplan noch keinen festen Platz.“ Klaus Otto Präsident des Landesverbandes

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Erstellt:
8. Juni 2018, 06:00 Uhr

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