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Erneut weniger Straftaten im Kreis

Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Aalen weist für 2018 niedrigsten Wert seit zehn Jahren auf – Hohe Aufklärungsquote

„Es lebt sich relativ sicher im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen“, sagt dessen Präsident Roland Eisele bei der Vorstellung der Kriminalstatistik des vergangenen Jahres. Gleich zwei positive Entwicklungen kann er verkünden: Die Gesamtzahl der Straftaten ist weiter gesunken, gleichzeitig ist die Aufklärungsrate gestiegen.

Die Bekämpfung der Wohnungseinbruchsdiebstahlsdelikte war im vergangenen Jahr ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit. Die Folge ist ein Rückgang der Fälle um 23,8 Prozent.Foto: Imago

© imago stock&people

Die Bekämpfung der Wohnungseinbruchsdiebstahlsdelikte war im vergangenen Jahr ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit. Die Folge ist ein Rückgang der Fälle um 23,8 Prozent.Foto: Imago

Von Lorena Greppo

BACKNANG/AALEN. Insgesamt 36042 Straftaten hat das Polizeipräsidium Aalen, das für den Rems-Murr-Kreis wie auch für den Ostalbkreis und den Kreis Schwäbisch Hall zuständig ist, im Jahr 2018 verzeichnet. Das sind 1554 Delikte weniger als im Vorjahr und gleichzeitig der niedrigste Stand im Zehnjahresvergleich. Die Zahl der ermittelten Straftaten im Rems-Murr-Kreis ist von 18492 im Vorjahr auf 18018 gesunken, das entspricht einem Rückgang von 2,6 Prozent. Für Polizeipräsident Eisele eine insgesamt erfreuliche Entwicklung: „Man sieht, wie die Treppe im Schaubild schön nach unten geht.“ Rechnet man die Straftaten auf die Zahl der Einwohner um – laut Polizei der aussagekräftigste Gradmesser für die Kriminalitätsbelastung –, so kann das Präsidium Aalen nach dem PP Tuttlingen die zweitniedrigste Zahl im landesweiten Vergleich aufweisen. Auch die Aufklärungsquote bezeichnet Eisele als zufriedenstellend: 62,7 Prozent der Delikte im Zuständigkeitsbereich wurden demnach von der Polizei aufgeklärt – auch das entspricht dem höchsten Wert im Zehnjahresvergleich. Erstmals seit drei Jahren ist bei den ermittelten tatverdächtigen Flüchtlingen und Zuwanderern ein Rückgang zu verzeichnen.

Dröselt man die Gesamtstraftaten in die verschiedenen Arten von Delikten auf, ergibt sich ein unterschiedliches Bild: Während die Diebstahlsdelikte etwa zum vierten Jahr in Folge zurückgegangen sind und 2018 mit 9971 Fällen zu Buche schlagen (2017: 11787), ist etwa die Zahl der Sexualdelikte erneut gestiegen – von 522 Fällen im Jahr 2017 auf 580 Fälle 2018. Für beide Entwicklungen lieferten die zuständigen Polizeibeamten Erklärungsansätze: Diebstahls- und vor allem die dazugehörigen Einbruchsdelikte würden von der Polizei schwerpunktmäßig bekämpft, denn sie machen etwa ein Drittel aller Straftaten aus. Somit ist die positive Entwicklung in diesem Bereich auch maßgeblich für den Rückgang der Gesamtstraftaten verantwortlich. Auch im Rems-Murr-Kreis ging die Zahl der Diebstahlsdelikte um 15,3 Prozent auf 4862 Fälle zurück. Die 11,1-Prozent-Steigerung bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung hingegen führt Reiner Möller, Leiter der Kriminalpolizei, unter anderem auf eine „Veränderung in der Anzeigebereitschaft der Opfer“ zurück. 273 der 580 Fälle fanden im Rems-Murr-Kreis statt.

Auch bei den Mord- und Tötungsdelikten ist nach einem besonderen Tiefstand von 2017 (17 Fälle) nun wieder ein Anstieg zu verzeichnen: 29 Straftaten gegen das Leben zählt das PP Aalen, davon 3 Morde, 3 versuchte Morde, 17 Totschlagsdelikte und 6 fahrlässige Tötungen. Von all diesen Fällen wurden 18 im Rems-Murr-Kreis verübt. 10 jener 18 Taten seien versuchte Tötungsdelikte, führt die Statistik auf. Dazu zählt beispielsweise die Messerattacke eines 20-Jährigen auf einen Familienvater in Plüderhausen (wir berichteten). Bei den sogenannten Rohheitsdelikten, zu denen Raub, Körperverletzung und Straftaten gegen die persönliche Freiheit zählen, verzeichnet das PP Aalen zwar Rückgang um 4,6 Prozent von 6348 auf 6059 Fälle, der sich in allen drei Landkreisen zeigt. Dennoch sagt Möller: „Unbeschadet dessen sind die Zahlen natürlich viel zu hoch und bilden einen Teil unserer Schwerpunkte für das Jahr 2019.“ Immer öfter richte sich Gewalt inzwischen auch gegen Polizeibeamte und Rettungshelfer, beobachtet die Polizei Aalen mit Besorgnis, auch wenn die Aggression im öffentlichen Raum von 1802 auf 1788 Straftaten gesunken ist. Im Rems-Murr-Kreis beträgt der Rückgang 0,5 Prozent. Zudem komme es im öffentlichen Nahverkehr immer öfter zu Gewalttaten.

Betrug am Telefon ist noch immer ein Problem

Problematisch war und ist für die Polizei noch immer die Vielzahl der Betrugsfälle. Die Masche des „falschen Polizeibeamten“ bezeichnet Möller als sein „Hauptärgernisthema“. Zwar sanken die Fallzahlen von 53 auf 48 und weniger häufig hatten die Täter Erfolg, dennoch könne keinesfalls von einer Trendwende die Rede sein. Allein am vergangenen Dienstag habe die Polizei 13 Anrufversuche mit jenem Trick registriert. Und auch der sogenannte Enkeltrick sei noch immer eine beliebte Masche der Betrüger.

„Große Sorge bereitet mir das Thema Kinderpornografie“, führt der Kripo-Chef zudem an. In diesem Bereich stiegen sowohl die Fallzahlen wie auch die Datenmengen. Die Verfügbarkeit von Material im Darknet sei sehr groß, so Möller. Die Durchsicht des Beweismaterials – teilweise mehrere Hundert Bilder und Videos – nehme in den meisten Fällen viel Zeit in Anspruch.

Das zeige, dass auch in Zukunft für die Polizei noch viel zu tun bleibt. Denn die Statistik bilde nur einen Teil der Arbeitsbelastung ab. „Wenn man das alles so sieht, könnte man meinen, es gäbe Luft“, merkt Polizeipräsident Eisele im Hinblick auf die erfreuliche Gesamtentwicklung an. „Schön wär’s, sage ich da.“ Und auch Reiner Möller will seinen Mitarbeitern keine Verschnaufpause gönnen. Die guten Ergebnisse seien „kein Grund, sich darauf auszuruhen“.

Die Entwicklung der Gesamtstraftaten zeigt erneut einen Rückgang im Rems-Murr-Kreis.

Die Entwicklung der Gesamtstraftaten zeigt erneut einen Rückgang im Rems-Murr-Kreis.

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Erstellt:
30. März 2019, 06:00 Uhr

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