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Erneute Bewerbung für die Gartenschau

Mit einem umfangreichen Konzept unter dem Motto „Leben am Kocher“ bewirbt sich Gaildorf zum zweiten Mal um die Ausrichtung einer Gartenschau. Eine Fachkommission macht sich vor Ort ein Bild.

Bürgermeister Frank Zimmermann (Dritter von rechts) mit der Fachkommission und Vertretern der Verwaltung im Schlosspark. Foto: D. Kuhn

Bürgermeister Frank Zimmermann (Dritter von rechts) mit der Fachkommission und Vertretern der Verwaltung im Schlosspark. Foto: D. Kuhn

Von Jochen Höneß

GAILDORF. Der Tag zeigt sich von seiner grauen Seite. Fast ununterbrochen regnet es aus dem wolkenverhangenen Himmel. Umso auffälliger sind die Farbtupfer auf der Kocherbrücke: Die Stadt Gaildorf hat geflaggt, das knallige Rot sticht ins Auge. Soll es auch: Gewissermaßen empfangen die Flaggen eine hochrangige Delegation, die sich an diesem Tag im Zentrum des Limpurger Landes einfindet.

Angeführt von Regierungsdirektor Marc Calmbach vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, hat sich eine siebenköpfige Bewertungskommission einen persönlichen Eindruck von Gaildorf gemacht. Denn die Stadt hat zum zweiten Mal nach 2018 ihren Hut für die Ausrichtung einer Gartenschau in den Ring geworfen.

„Wir wollen die Qualität durch die Gartenschau langfristig erhalten.“

Zwar handelt es sich dabei auch diesmal nicht um die weithin bekannte Landesgartenschau, jedoch um deren „kleinen Bruder“, das sogenannte Grünprojekt. Die Wirkung, die es in einer Stadt wie Gaildorf entfalten kann, ist jedoch alles andere als klein: 3,8 Millionen Euro stellt das Land Baden-Württemberg für jeden Ausrichter zur Verfügung. Damit soll nicht einfach ein blühender Park zum Lustwandeln angelegt werden. Es geht darum, städtebauliche Entwicklungen anzuschieben und die Lebensqualität vor Ort zu erhöhen. Städte und Gemeinden, die sich darum bewerben, müssen der Kommission ein überzeugendes Konzept vorlegen.

Im Gaildorfer Rathaus weiß man darum. Bei der ersten Bewerbung fürs Grünprojekt 2027/2029 zog man gegen Bad Urach und Vaihingen/Enz den Kürzeren. Der Knackpunkt damals: Die sinnhafte Umsetzung des Gartenschau-Konzepts ist untrennbar mit dem lang ersehnten Bau der Umgehungsstraße verknüpft. Die sollte Stand 2018 pünktlich im Jahr 2027 fertig werden. Doch ein absolut verlässlicher Zeitplan existierte zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Dieses Problem will man nun aus der Welt geräumt haben. Vom Regierungspräsidium gebe es inzwischen die Zusage, so Bürgermeister Frank Zimmermann, dass die Umgehungsstraße definitiv vor 2033 fertiggestellt sein werde – mit welcher Streckenführung auch immer. Somit wagt man nun einen neuen Anlauf fürs Grünprojekt und bewirbt sich für eben dieses Jahr. Theoretisch könnte Gaildorf auch den Zuschlag für die Jahre 2031 oder 2035 bekommen, doch ist die Bewerbung auf die „goldene Mitte“ ausgerichtet.

„Leben am Kocher“ ist das Motto der Gaildorfer Gartenschau. Es prangt auf großen Bannern in der Stadt und auf einer professionell gestalteten Mappe, die die Mitglieder der Fachkommission ausgehändigt bekommen. Auf 22 Seiten wird dargestellt, wie sich die Stadt die Umsetzung vorstellt.

Ein Rundgang führt die Gruppe gemeinsam mit der Verwaltungsspitze um Bürgermeister Zimmermann zu verschiedenen Stationen. Vom Schlosspark geht es zum Alten Schloss, wo geschichtliche Hintergründe und geplante Veränderungen aufgezeigt werden. Ein Bus sammelt die Gruppe für eine Fahrt nach Münster ein, wo das Gewerbegebiet, der Naturstromspeicher und als Zeichen bürgerschaftlichen Engagements der Dorfbrunnen vorgestellt werden. Über den Kocherweg geht es zurück zum Alten Schloss, wo die Vertreter der Stadtverwaltung, also die am Projekt Beteiligten, der Kommission noch Rede und Antwort stehen. Drei wesentliche Punkte prägen das Konzept: Mit der Anlage des Grünprojekts an seinem Nordufer wird der Kocher als Lebensader der Stadt herausgehoben. Letztlich sollen die Stadtteile auf beiden Flussseiten noch enger verzahnt werden. Zum Zweiten wird die Stadt in Kombination mit der Umgehungsstraße vom Verkehr entlastet. Zum Dritten stützt ein großes bürgerschaftliches Engagement das Grünprojekt – bereits heute haben freiwillige Helfer für Grünpflege und vieles mehr ihr Interesse bekundet.

Frank Zimmermann ist optimistisch, dass es an diesem Tag gelungen ist, die Bedeutung des Grünprojekts für die Entwicklung von Gaildorf hervorzuheben. „Wenn wir den Zuschlag bekommen, sind wir gewillt, die Qualität durch die Gartenschau langfristig zu erhalten“, erklärt er. Ob das klappt, soll sich aber erst im Oktober zeigen: Dann will der Ministerrat eine Entscheidung treffen. Neben Gaildorf gehen Altensteig, Bad Bellingen, Bad Ditzenbach mit Bad Überkingen, Deggingen, Mühlhausen im Täle, Wiesensteig, Benningen mit Marbach/Neckar, Bretten, Leimen und Nußloch, Riedlingen sowie Schwaigern für die drei Termine ins Rennen.

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Erstellt:
22. Juli 2020, 11:30 Uhr

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