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Erneute Rattenplage in Backnang-Süd

Starke Zunahme der Nagetiere im Backnanger Gewerbegebiet – Fahrlässige Entsorgung von Essensresten trägt zur Vermehrung bei

Die deutschlandweite Rattenplage sorgt in vielen Kommunen für Ärger. Auch ein Teil der Stadt Backnang ist betroffen. Dabei schien es zunächst, als habe man das Problem durch Giftköder in den Griff bekommen. Auch Gastronomiebesucher tragen durch ihre fahrlässige Entsorgung ihres Essens zur Plage bei.

Kein seltener Anblick: Eine tote Ratte am südlichen Stadtrand. Foto: privat

Kein seltener Anblick: Eine tote Ratte am südlichen Stadtrand. Foto: privat

Von Philip Kearney

BACKNANG. Das Backnanger Gewerbegebiet Backnang-Süd scheint ein echtes Rattenparadies zu sein. Kein Wunder, denn neben einem Fast-Food-Restaurant und weiteren Gastronomiebetrieben hat auch das Entsorgungsunternehmen Veolia Environment zwei Standorte im Gewerbegebiet. Im September des vergangenen Jahres entschied sich die Stadtverwaltung deshalb dazu, mit 50 Boxen, die jeweils einen Giftköder enthalten, gegen die Rattenplage im Gewerbegebiet vorzugehen. Für einige Monate schien es, als habe man das Problem durch diese Maßnahme in den Griff bekommen.

Doch in letzter Zeit beobachten nicht mehr nur Anlieger aus Backnang-Süd das vermehrte Auftreten von Ratten. Helmut Böttcher aus Burgstetten beispielsweise kommt regelmäßig nach Backnang-Süd. Zu seiner Verwunderung sind ihm zuletzt dabei im Gewerbegebiet innerhalb weniger Monate mehrere Ratten über den Weg gelaufen.

„Das Problem ist bekannt“, sagt Herbert Sturm, technischer Leiter der Backnanger Kreiszeitung, dessen Arbeitsplatz sich im Ratten geplagten Gewerbegebiet befindet, über die dortige Rattenplage. Bei einem im letzten Jahr von der Stadt initiierten Treffen seien das Fast-Food-Restaurant in der Nachbarschaft und das Entsorgungsunternehmen von der Stadtverwaltung als Hauptschuldige ausgemacht worden. Auch tagsüber bleibt Sturm der Anblick von Ratten im Gewerbegebiet in letzter Zeit häufig nicht erspart. Die Tendenz dieser Fälle zeige dabei wieder nach oben. Auch auf tote Ratten trifft der technische Leiter regelmäßig. Diese werden jedoch, wie von der Stadtverwaltung angekündigt, vom Bauhof zeitnah eingesammelt und entsorgt.

Der Backnanger Pressesprecher Hannes Östreich nimmt derweil die Gastronomiebesucher in die Pflicht. „In den Köpfen der Leute muss sich was ändern“, kritisiert Östreich. Statt die Essensreste im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Fenster zu schmeißen, solle man diese in Mülleimern entsorgen.

Über das Verhältnis der Stadtverwaltung zum Entsorgungsunternehmen sagt der Pressesprecher: „Es besteht ein durchgehender Kontakt mit Veolia.“ Mit dem Unternehmen, das vom erhöhten Befall seiner Backnanger Standorte Kenntnis genommen hat, arbeite die Stadtverwaltung und das Landratsamt intensiv an der Besserung des Problems. Mit immer wieder angepassten Auflagen versucht die Stadtverwaltung die Rattenplage, zumindest um das Entsorgungsunternehmen herum, einzudämmen. So habe man sich beispielsweise mit dem Entsorgungsunternehmen auf die Verlegung des Müllumschlags von außerhalb der Halle auf innerhalb dieser geeinigt. Von benachbarten Anliegern habe Östreich bezüglich der Verlegung des Müllumschlags positive Rückmeldungen erhalten, vor allem was die wahrnehmbare Zahl an Ratten betreffe.

„Wir arbeiten generell mit Schädlingsbekämpfern zusammen“, sagt die stellvertretende Leiterin der Unternehmenskommunikation vom Veolia Umweltservice, Jana Scheerschmidt, über die Maßnahmen zur Bekämpfung der Ratten in Veolia-Betrieben. Dies sei aufgrund der angebotenen Umweltdienstleistungen nötig, da diese nun mal Ratten anziehe.

Die Ködergift enthaltenden grünen Boxen für die Ratten werden laut dem städtischem Pressesprecher Östreich regelmäßig geprüft. Das von Marco Baumann von der Stadtentwässerung Backnang ausgerufene Ziel im vergangenen September, die Boxen innerhalb eines Monats wieder weitestgehend abzubauen, wurde nicht erreicht. Im Gegenteil: Die Boxen sind immer noch im Gewerbegebiet vorhanden. Aus der ursprünglichen Übergangslösung ist eine Dauerlösung geworden. Grund dafür ist unter anderem, dass die Hochsicherheitsboxen ihr Sicherheitsversprechen gehalten haben und es bisher keine bekannten Vorfälle mit vergifteten Haustieren gibt.

Dabei ist Backnang-Süd kein Einzelfall. In vielen Kommunen Deutschlands, wie etwa Tübingen oder Karlsruhe, führt die zunehmende Vermüllung der Städte durch das Wegwerfen von Essensresten der Einwohner dazu, dass immer mehr Ratten aus ihren Verstecken hervorkommen und sich in den Kommunen auf Nahrungssuche begeben.

Deshalb wurde die Initiative des Städtetags in Baden-Württemberg zum Thema „Kommunen sorgen sich um Vermüllung“ ins Leben gerufen. Der Städtetag wirbt dafür, dass Kommunen stärker gegen das achtlose Wegwerfen von Essensresten vorgehen. Um die Bevölkerung vor fahrlässiger Vermüllung abzuschrecken, rät der Dezernent für Baurecht und Wohnungswesen des Städtetags, Gerhard Mauch, Folgendes: „Es ist zu überlegen, ob neben Überwachungen eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit – wie in der Schweiz – gestartet wird.“ Auch wegen der Folgen der Rattenplage fordert Mauch zum Handeln auf. „Es geht darum, die Vermüllung zu stoppen, schon auch aus hygienischen Gründen“, sagt Mauch.

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Erstellt:
24. August 2018, 06:00 Uhr

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