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Ersatzbrücke entschwebt am Haken

Die Deutsche Bahn hat mit den Arbeiten an der Brücke über das Buchenbachtal begonnen und das Behelfsbauwerk ausgehoben. Die Sperrung der Bahnlinie dauert noch bis 13. September. Derzeit ist ein 1000-Tonnen-Raupenkran im Einsatz.

Mit einem neuen Liebherr Raupenkran mit 1000 Tonnen Hubkraft wurden die Eisenbahn-Hilfsbrücken (je 25 Tonnen) über den Buchenbach entfernt. Die Einzelteile der Behelfsbrücke werden im Bahn-Hilfsbrückenzentrum Konz gewartet und bei weiteren Baustellen wieder eingesetzt.Foto: B. Beytekin

© Benjamin Beytekin

Mit einem neuen Liebherr Raupenkran mit 1000 Tonnen Hubkraft wurden die Eisenbahn-Hilfsbrücken (je 25 Tonnen) über den Buchenbach entfernt. Die Einzelteile der Behelfsbrücke werden im Bahn-Hilfsbrückenzentrum Konz gewartet und bei weiteren Baustellen wieder eingesetzt.Foto: B. Beytekin

Von Matthias Nothstein

BURGSTETTEN. Ziemlich genau vor zwei Jahren wurde die alte Eisenbahnbrücke über das Buchenbachtal zwischen Burgstall und Affalterbach abgebaut. Die 65 Tonnen schwere Brücke hatte über 100 Jahre lang ihren Dienst getan und war mehrfach ausgebessert worden. Eine provisorische Ersatzbrücke war seither im Einsatz. Doch inzwischen ist auch das Provisorium Geschichte, am Montag wurde es abgebaut. Und ohne Unterbrechung ging es gleich weiter mit dem Neubau der wichtigen Bahnverbindung.

In der Vergangenheit wurde bereits ein riesiges Baufeld angelegt. Dort steht seit einigen Tagen ein Raupenkran, der die Arbeitsgeräte für die weiteren Arbeiten vor Ort platziert. Zum Beispiel ein riesiges Bohrgerät, das alleine 75 Tonnen wiegt. Für den eingesetzten Raupenkran kein Problem, er kann bis zu 1000 Tonnen heben. Das ist auch notwendig, weil die Bahnstrecke durch ein Flora-Fauna-Habitat (FFH) verläuft und der Bereich der Brücke schwer zugänglich ist. Der Raupenkran musste deshalb außerhalb des FFH-Gebiets in einiger Entfernung der eigentlichen Baustelle aufgestellt werden. Dank seiner Größe kann er die neue, rund 34 Meter lange und ungefähr 180 Tonnen schwere Brücke auch über mehrere Baumreihen hinweg auf die künftigen Widerlager einheben.

Eine ursprüngliche Planung hatte auch eine Baustraße vorgesehen. Doch Marco Henrichs, der Pressesprecher der Deutschen Bahn AG erklärt, man habe aus Umweltschutzgründen darauf verzichtet. Schließlich hätte für die Straße ein Streifen Wald von 200 Meter Länge und fünf Meter Breite abgeholzt werden müssen. Als Ersatz bleibt nun der Riesenkran für die gesamte Bauzeit stehen.

Die bisherigen Widerlager werden inzwischen bereits abgebrochen, das Material wird abgefahren. Das Widerlager West (Richtung Marbach) ist über 100 Jahre alt, von dem Bauwerk existieren keine statischen Unterlagen, die Tragfähigkeit ist trotz vorgenommener Kernbohrungen ungewiss. Zudem muss das Lager in Zukunft mehr Gewicht aufnehmen, statt bislang 65 künftig 180 Tonnen. Aus diesem Grund werden am Westende der Brücke nach den Abbrucharbeiten 19 Bohrpfähle zwischen acht und neun Meter tief in den Untergrund gerammt, bis sie auf tragfähigen Fels stoßen. Für das Widerlager Ost hingegen wurde auf dem Baufeld, das neben der eigentlichen Baustelle hergestellt worden ist, eine Fundamentplatte gegossen. Sie ist sieben Mal zehn Meter groß und wiegt alleine 185 Tonnen. Sobald der Abbruch erledigt und der Baugrund untersucht ist, wird der Kran die Platte an ihren endgültigen Platz hieven. Danach werden alle Wände der Brückenpfeiler aus Beton gegossen und die Widerlager wieder hergestellt.

Das Baufeld, auf dem der Raupenkran steht, wurde extra für den Brückenbau hergestellt. Dafür hat die Bahn ungefähr 15000 Tonnen Schotter (etwa 7000 Kubikmeter) abgekippt, planiert und verdichtet. Wenn die Arbeiten beendet sind, muss dieses Baufeld wieder komplett zurückgebaut und renaturiert werden. Dazu wird Erde verwendet, die laut Henrichs gleichwertig ist mit dem früheren Boden. Die für die Bauarbeiten notwendige Verdolung des Buchenbachs bleibt hingegen bis Frühling 2021 bestehen, die Bahn muss die Laich- und Ruhezeiten der Lebewesen im Bach berücksichtigen. Zudem wird der bis zu 13 Meter hohe Bahndamm mit speziellen Stahlnetzen (Böschungsvernagelungen) gegen Erosion gesichert.

Die künftige Stahlbrücke hat ein oben liegendes Fachwerk, ist acht Meter breit und 34 Meter lang. Sie wird auf der Baustelle in Burgstetten aus drei einzelnen Segmenten vormontiert und zusammengeschweißt.

Die Kosten des aktuellen Neubaus belaufen sich auf ungefähr 8,7 Millionen Euro. Darin nicht enthalten sind die Kosten des ersten Bauabschnitts, in dem die einstige Brücke abgerissen, die Behelfsbrücke aufgebaut und die Baufläche hergestellt wurde. Dafür hat die Bahn bereits ungefähr 1,7 Millionen Euro investiert.

Sperrung bis 13. September

Die Deutsche Bahn setzt die Arbeiten zur Erneuerung der Eisenbahnüberführung im Buchenbachtal bei Burgstetten fort. Für die bevorstehende Bauphase muss die Bahnstrecke Marbach–Backnang während der Sommerferien im Abschnitt zwischen Burgstall und Backnang gesperrt werden.

Die Arbeiten sollen bis zum Betriebsschluss am Sonntag, 13. September, beendet werden. Bis dahin fährt die S 4 nur im Abschnitt Kirchberg –Stuttgart-Schwabstraße.

Im Abschnitt Backnang–Kirchberg an der Murr werden die S-Bahnen durch Busse ersetzt. Die Reisezeit verlängert sich demzufolge um bis zu 18 Minuten. Die Busse halten nicht immer direkt am Bahnhof. Eine Fahrradmitnahme ist in den Ersatzbussen nicht möglich. Von Backnang in Richtung Kirchberg fahren die Busse bis zu 16 Minuten früher als die planmäßigen S-Bahnen.

Die Deutsche Bahn empfiehlt Fahrgästen, sich mittels der Reiseauskunft auf m.bahn.de, in der DB Navigator-App und bei www.bahn.de/Reiseauskunft über die Verbindungen zu informieren. Infos gibt es auch beim Kundendialog DB Regio Baden-Württemberg unter Telefon 0711/ 20 92 70 87 (montags bis freitags 7 bis 20 Uhr).

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Erstellt:
6. August 2020, 06:00 Uhr

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