Zeckensaison in BW beginnt

Erster FSME-Fall im Land – wie man sich vor Zeckenstichen schützen kann

In Baden-Württemberg gibt es den ersten FSME-Fall der Saison. Ein Stuttgarter Experte erklärt, ob man bei jedem Zeckenstich zum Arzt muss – und wie man sich am besten schützt.

Zecken können Krankheiten übertragen, etwa FSME. Stuttgart und die Region gelten als FSME-Risikogebiete.

© dpa

Zecken können Krankheiten übertragen, etwa FSME. Stuttgart und die Region gelten als FSME-Risikogebiete.

Von Bettina Hartmann

Durch die milden Winter sind Zecken inzwischen fast ganzjährig aktiv – und das Risiko einer Ansteckung mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) bleibt hoch. Wie das Landesgesundheitsamt in Stuttgart nun mitteilt, wurde in Baden-Württemberg in diesem Jahr bereits der erste FSME-Fall gemeldet, und zwar im Ostalbkreis. Alle Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs gelten laut Robert Koch-Institut (RKI) als FSME-Risikogebiete, mit Ausnahme des Stadtkreises Heilbronn.

2025 wurden für Baden-Württemberg 260 FSME-Fälle gemeldet, davon 40 im Großraum Stuttgart. Das war landesweit der vierthöchste Wert seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001. Doch was kann man tun, um sich zu schützen – Fragen und Antworten zum Thema Zecken.

Wie schlimm ist FSME – bei Erwachsenen und Kindern?

„Bei fast der Hälfte der erkrankten Erwachsenen bleiben neurologische Folgeschäden für Monate oder gar Jahre zurück“, erklärt Friedrich Reichert, der Ärztliche Leiter der pädiatrischen interdisziplinären Notaufnahme und pädiatrischen Infektiologie am Klinikum Stuttgart. Bei Kindern seien diese Folgeschäden zwar deutlich seltener: „Dennoch gibt es auch hier schwere Verläufe mit lebenslangen Folgen für die Gesundheit.“ Selbst wenn keine Folgen zurückbleiben, könne die akute Erkrankung schwerwiegend verlaufen: „Mit epileptischen Anfällen, Koma und langem Krankenhausaufenthalt – es ist nun mal eine Gehirn- und Hirnhautentzündung.“

Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) sagte am Donnerstag in Stuttgart: „FSME ist eine Viruserkrankung, gegen die es keine Therapie gibt, aber einen sehr wirksamen Schutz: die Impfung.“ Am besten lasse man sich jetzt impfen, bevor die Zeckensaison richtig beginnt. Das sieht auch Reichert so: „Man kann bei FSME nur Symptome lindern und den Patienten unterstützen, die Infektion jedoch nicht wirklich bekämpfen.“ Daher sei der Impfschutz so wichtig.

Wie funktioniert die Impfung?

Dennoch ist die Impfquote weiterhin niedrig: Nur rund 17 Prozent der Bevölkerung in Baden-Württemberg waren 2024 nach Angaben des Landesgesundheitsministeriums vollständig geimpft (Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor). Dabei empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die FSME-Impfung allen Personen, die sich in Risikogebieten im Freien aufhalten. Für einen vollständigen Schutz sind drei Impfungen erforderlich. Die ersten beiden erfolgen im Abstand von einem bis drei Monaten, die dritte fünf bis zwölf Monate danach. Eine Auffrischung ist nach drei Jahren, später alle drei bis fünf Jahre nötig.

Wer kurzfristig Schutz benötigt, kann sich mit einem Schnellimpfschema immunisieren lassen: Zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen, ein guter Schutz ist dann drei Wochen später gegeben. Auch hier ist eine Auffrischung alle drei bis fünf Jahre notwendig. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Minister Lucha appelliert deshalb an die Bevölkerung: „Wir müssen die Impfquote deutlich steigern. Gerade wer viel draußen ist – ob beim Wandern, im Garten oder beim Spielen mit Kindern – sollte sich schützen lassen.“

Was ist mit Borreliose?

Neben FSME können Zecken auch Borreliose übertragen. „Das ist eine bakterielle Infektion – und sie kommt deutlich häufiger vor als FSME“, sagt Friedrich Reichert. Im Frühstadium könne Borreliose durch die körperliche Untersuchung gut erkannt werden: „Man sieht die sogenannte Wanderröte, also einen rötlichen Ausschlag, der sich um den Zeckenstich herum bildet und nach außen wandert.“ Die Infektion könne sich aber auch anders zeigen – „und manchmal ‚etwas hinterlistig’ sein und im Verlauf Gelenke, das Herz und das Nervensystem befallen“. Klar ist: Sobald Borreliose diagnostiziert ist, wird mit Antibiotika behandelt.

Mittlerweile gibt es gute Möglichkeiten, die Diagnose im Labor zu stellen. „Es ist aber leider viel Falschinformation im Umlauf, insbesondere auch in den sozialen Medien“, warnt Reichert. „Heilpraktiker und auch Ärzte preisen oft Tests mit hohen Kosten an – aber ohne medizinischen Nutzen.“ Beispiele seien der sogenannte Leukozytentransformationstes (LTT), Bioresonanz, Dunkelfeldmikroskopie oder auch die PCR-Untersuchung der Zecke. „Diese Untersuchungen bringen dem Labor oder dem Untersucher Geld, aber helfen dem Patienten überhaupt nicht.“

Muss man nach einem Zeckenstich zum Arzt?

„Nein, man muss nicht zum Arzt gehen“, beruhigt Reichert. „Man sollte aber die Einstichstelle über einige Tage gut beobachten.“ Die prophylaktische Einnahme von Antibiotika zur Verhinderung einer Borreliose, auch als Lyme-Borreliose und Lyme-Krankheit bekannt, sei ausdrücklich nicht empfohlen. „Eine FSME-Impfung nach dem Zeckenstich ist ebenfalls nicht mehr hilfreich.“ Stattdessen sei „gerade der beginnende Frühling eine gute Gelegenheit, den Impfschutz zu überprüfen und gegebenenfalls aufzufrischen“.

Eine weitere Möglichkeiten, sich zu schützen sind Anti-Zeckenspays und -cremes, die man auf der Haut und teils auch auf der Kleidung aufträgt und regelmäßig erneuert. Noch wichtiger laut Reichert: „Das Tragen von langer Kleidung in der Natur, und das gründliche Absuchen am Abend nach dem Ausflug – um Zecken frühzeitig zu entdecken.“ Zecken sind entgegen dem weit verbreiteten Mythos übrigens nicht auf Bäumen zu finden. Ihr Lebensraum befindet sich in Bodennähe.

Wie sollte man Zecken am besten entfernen?

„Sobald man eine Zecke findet, sollte man sie entfernen“, rät Reichert. „Dazu benutzt man eine spitze Pinzette, eine Zeckenkarte oder auch Zeckenpinzetten, die es in der Apotheke oder in der Drogerie gibt.“ Man solle die Zecke möglichst nah an der Haut greifen: „Dann zieht man sie vorsichtig mit gleichmäßigem Zug heraus. Drehen oder Schraubbewegungen helfen nicht, sondern führen eher zum Abreißen der Beißwerkzeuge.“

Für den Fall, dass ein kleiner Rest der Beißwerkzeuge in der Haut verbleibt, gibt Reichert Entwarnung: „Das ist kein Problem. Die Haut stößt den Fremdkörper mit der Zeit ab, wenn sie verheilt.“ Chemische Entfernungsmethoden wie Kleber oder Öle kann er allerdings nicht empfehlen, da sie die Ansteckungsgefahr mit FSME oder Borrelien eher erhöhen. Klar ist auch: „Nach der Entfernung desinfiziert man die Stelle.“

Zecken übertragen Krankheiten

FSMEDie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine virale Infektionskrankheit. Meist heilt sie innerhalb einer Woche nach der Infektion ohne weitere Folgen aus, mitunter führt sie aber zu Gehirn- oder Hirnhautentzündungen. Übertragen werden die Viren hauptsächlich durch Zecken, selten auch durch den Konsum von Rohmilchkäse. Da es sich um Viren handelt, wirken Antibiotika nicht. Es gibt bisher auch kein anderes Mittel, das ursächlich bei FSME wirkt. Man kann aber die Symptome und Krankheitsfolgen behandeln. Effektiv schützen kann man sich durch Impfungen.

BorrelioseAuch Borreliose wird von Zecken übertragen. Als frühes Symptom rötet sich häufig die Haut rund um den Zeckenstich ringförmig. Breitet sich dieser aus, spricht man von Wanderröte: ein Zeichen dafür, dass man tatsächlich infiziert ist. Entfernt man die Zecke frühzeitig, sprich: innerhalb von zwölf Stunden, kann das vor einer Infektion schützen. Hat man sich angesteckt, können Symptome wie Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen auftreten. Borreliose wird in der Regel mit Antibiotika behandelt. Eine unbehandelte Infektion kann zu chronischen Gelenkentzündungen, Nervenschädigungen und Herzmuskelentzündungen führen.

Zum Artikel

Erstellt:
5. März 2026, 18:44 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen