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Erster Segnungsgottesdienst für schwules Paar in Stuttgart

dpa/lsw Stuttgart. Für die Protestanten in Württemberg ist es ein Meilenstein, für andere evangelische Landeskirchen schon lange Routine: Beim ersten Segnungsgottesdienst der Landeskirche für Homosexuelle stand in Stuttgart ein schwules Paar vor dem Pfarrer.

Das Paar feiert in der Leonardskirche ihren Segnungsgottesdienst. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Das Paar feiert in der Leonardskirche ihren Segnungsgottesdienst. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Die einen atmen auf, andere sehen sich dagegen in ihrem Glauben verletzt: Nach langem Tauziehen um einen Kompromiss hat am Sonntag in Stuttgart zum ersten Mal ein gleichgeschlechtliches Paar in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg den kirchlichen Segen erhalten. Die beiden Männer sind bereits zivil verheiratet.

Um die Gleichstellung homosexueller Paare hatte die württembergische Landeskirche lange und hart gerungen und letztlich einem Kompromiss des Landesbischofs zugestimmt. Das Kirchenparlament, die sogenannte Synode, beschloss vor mehr als einem Jahr, dass ein Viertel der Kirchengemeinden ihre örtliche Gottesdienstordnung ändern und Segnungsgottesdienste nach der zivilen Eheschließung anbieten darf - keine flächendeckende Regelung also. Denn 2017 war ein erster Vorstoß, öffentliche Segnungen landeskirchenweit als Amtshandlung einzuführen, knapp gescheitert.

Das Thema wird auch weiter kontrovers debattiert, weil theologisch konservative Kreise aufgrund ihres Bibelverständnisses praktizierte Homosexualität ablehnen. Der Stuttgarter Pfarrer Christoph Doll, der das Paar am Sonntag segnete, hat dafür kein Verständnis: Es sei nicht nachvollziehbar, warum die kirchliche Heirat homosexueller Paare nicht ins Trauregister, sondern in ein Extraverzeichnis eingetragen werde. Auch gebe es keinen Trauspruch und keine Traufrage, der Segen unterscheide sich zudem im Ablauf.

„Das ist einer Kirche nicht würdig, wenn sie Menschen in unterschiedliche Klassen einteilt“, sagte Doll der Deutschen Presse-Agentur. Ginge es nach ihm, dürfte man Homo-Paare ganz normal trauen. Die Paare seien immerhin standesamtlich verheiratet.

Die beiden verheirateten Männer haben einen eher ungewöhnlichen Weg bis zur Kirche hinter sich: Einer der beiden, ein staatenloser Palästinenser, ist nach jahrelanger Flucht in Deutschland getauft worden. Der andere konvertierte vom Katholizismus zum Protestantismus, „... um meinen Weg gehen zu können“, wie ihn der Evangelische Kirchenkreis Stuttgart, ein Zusammenschluss der Kirchengemeinden in der Landeshauptstadt, zitiert.

In den meisten der 20 Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist eine öffentliche Trau- oder Segnungsfeier schon länger möglich, unter anderem in der benachbarten Evangelischen Landeskirche in Baden. Württemberg ist sozusagen ein Spätstarter: Nach Angaben der Landeskirche können bislang 23 der rund 1300 württembergischen Gemeinden Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare anbieten. Rund 170 landeskirchliche Gemeinden sind im Gespräch mit dem Evangelischen Oberkirchenrat, um die lokale Gottesdienstordnung zu ändern.

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Erstellt:
24. Mai 2020, 12:54 Uhr

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