Erstes Postamt eröffnete im Jahr 1807

Blick in das Archiv von Peter Wolf: Die Post hatte verschiedene Standorte. Nach dem ersten Postamt an der Ecke Sulzbacher Straße/Gartenstraße zog die Post 1811 in die Schildwirtschaft „zum Lamm“ an der Ecke Marktstraße/Wassergasse um.

1921 zog das Postamt in das neu erstellte Gebäude in der Bahnhofstraße 8 ein. Die Aufnahme stammt aus den 1920er-Jahren.

1921 zog das Postamt in das neu erstellte Gebäude in der Bahnhofstraße 8 ein. Die Aufnahme stammt aus den 1920er-Jahren.

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Die Einrichtung einer Poststelle war früher von großer Bedeutung für den Fortschritt einer Stadt. Im Frühjahr 1807 eröffnete in Backnang das erste Postamt an der Ecke Sulzbacher Straße/Gartenstraße. „Zur Eröffnung der Post vermietete der Pächter des Stadthofs, Notar Zäb, ein Häuserspekulant, der die Brauerei zum grünen Baum und den unteren Seehof erbaut hatte, sein eigenes Wohnhaus, das er 1792 erbaut hatte, an die Postverwaltung“, schreibt Helmut Bomm in seinem 1986 erschienenen Büchlein „Was Straßenschilder erzählen“. Das Postamt bekam eine Verbindung durch einen Postkurs von Stuttgart über Waiblingen–Backnang–Sulzbach– Neulautern–Wüstenrot–Hall einmal wöchentlich.

Allerdings blieb die Post hier nur vier Jahre und zog 1811 in die Schildwirtschaft „zum Lamm“ an der Ecke Marktstraße/Wassergasse um. Das Haus an der Sulzbacher Straße behielt jedoch noch lange den Namen „Alte Post“. Als Notar Johann David Zäb das Gebäude 1811 an den Rotgerber Matthäus Breuninger verkaufte, nannte man das Haus im Volksmund „Postgerberei“ und Breuninger den „Postgerber“. In einem Aufsatz im Backnanger Jahrbuch Band 9 von 2001 weist Rudolf Kühn darauf hin, dass es in Backnang zu jener Zeit mehrere Familien mit dem Namen Breuninger gab und man sie zur besseren Unterscheidung mit Beinamen versah. Die kleinen Kinder dieser Familie Breuninger habe man übrigens „Postgerberle“ genannt.

Der Lamm-Wirt war gleichzeitig Posthalter und Fuhrunternehmer.

Ein Foto aus Peter Wolfs Archiv zeigt die Postgerberei im Jahr 1875. Eine kleine Brücke über den Eckertsbach, der damals noch freigelegt war, führte von der Sulzbacher Straße zum Haus. Die Stadt erwarb das Gebäude 1899 und verkaufte es 1905 an den Fabrikanten Louis Schweizer, der sein Anwesen entlang der Bleichwiese ausdehnte und die Lederfabrik mit seinen Söhnen Fritz und Robert Schweizer betrieb. Nach einem Brand im Jahr 1935 entstand an dieser Stelle das heute bestehende Gebäude (Schweizerbau).

Im neuen Sitz des Postamts in der Gaststätte „Lamm“ in der heutigen Marktstraße 23 war der Wirt gleichzeitig Posthalter und Postfuhrunternehmer. Entsprechend dieser zusätzlichen Nutzung änderte sich der Name der Wirtschaft allmählich in „Post“ und nach einer Modernisierung Ende des 19. Jahrhunderts in „Hotel Post“ (später Geschäftshaus Remmele).

Anfangs besorgten Reiter oder Boten mit einspännigen Wagen die Postverbindung, schreibt Horst Klaassen im Backnanger Jahrbuch Band 15 von 2007. Später waren dann zweispännige Postkutschen im Einsatz. Damals waren die Straßen noch nicht befestigt, und bei Regen konnte der Untergrund rutschig sein. Auch die Hinterlassenschaften der Pferde trugen dazu bei, dass es schlüpfrig werden konnte. Außerdem machte der steile Anstieg der Marktstraße den Postwagen zuweilen zu schaffen.

Die kolorierte Ansichtskarte mit dem Postamt in der Alten Vogtei (links) ist um 1900 entstanden. Repros: P. Wolf

Die kolorierte Ansichtskarte mit dem Postamt in der Alten Vogtei (links) ist um 1900 entstanden. Repros: P. Wolf

Bomm zitiert einen Artikel, der am 31. Januar 1871 im Murrtal-Boten, dem Vorläufer der Backnanger Kreiszeitung, erschienen ist: „Am letzten Montag abends ist der um sieben Uhr von hier nach Waiblingen abfahrende und mit sechs Personen (außer Condukteur und Postillion) besetzte Postwagen wenige Häuser von der hiesigen Post entfernt unmittelbar vor dem Rathaus jählings gegen dies umgefallen, nachdem er durch das rasche Antreiben der Pferde schon vor der Post weg auf dem glatten Boden seitwärts gerutscht war. Zwei Personen trugen hierdurch bedeutende Verletzungen davon. Der Postwagen war mit denselben Waiblinger Postpferden bespannt, die jenen in letzter Zeit mehrfach nicht den hiesigen Berg hinaufbrachten und ihn hierbei jedesmal so weit zurückgehen ließen, bis er sich durch Anrennen an einem benachbarten Haus vor dem völligen Umstürzen rettete. Eine Abhilfe dieses den Schrecken aller Passagiere hervorrufenden Übelstandes dürfte wahrlich sehr angezeigt sein.“

Damals wurde wohl gemunkelt, dass die Waiblinger Pferde den Steigungen in Backnang einfach nicht gewachsen waren, wird erzählt. Aber das ist nicht historisch belegt. Mit Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Backnang–Waiblingen 1876 und Backnang–Bietigheim 1879 änderte sich die Situation. Ein Großteil des Postverkehrs konnte nun auf die Schienen verlagert werden.

Im Jahr 1877 wechselte das Postamt erneut seinen Standort. Nachdem die Oberamtsverwaltung in das umgebaute ehemalige Schloss im Stiftshof 11 umzog, war deren seitheriges Gebäude in der späteren Marktstraße 31 frei und konnte ab 15. September 1877 als Postamt genutzt werden. Der Name „Alte Vogtei“ für dieses Haus rührt daher, dass es ab Mitte des 18. Jahrhunderts als Sitz des Vogts, des Statthalters des Herzogs von Württemberg, gedient hatte, bevor die Oberamtsverwaltung darin untergebracht war. Mit dem Einzug des Postamts wurde der Name des kleinen Sträßchens, das von der Marktstraße zu den Treppen zur Murr führt (heute Sitz der BKZ-Geschäftsstelle und Redaktion), von Oberamteigasse in Postgasse geändert.

Heute befindet sich in der alten Post das Hotel „Alte Vogtei“.

Die kolorierte Ansichtskarte „Partie beim Postamt“, die um 1900 entstanden ist, zeigt das Gebäude links im Bild mit den Stufen zum Eingang, über dem ein Schild mit der Aufschrift „K. Postamt“ für „Königlich Württembergisches Postamt“ angebracht ist. Heute befindet sich in dem Gebäude das Hotel „Alte Vogtei“. In diesem Haus stieß man durch das vermehrte Aufkommen an Postsendungen räumlich schnell an seine Grenzen, sodass 1919/21 in der heutigen Bahnhofstraße 8 ein neues Postamt gebaut wurde, das am 6. August 1921 öffnete.

1974 erwarb die Post das benachbarte Gebäude Bahnhofstraße 4/6, worin das neue Postamt untergebracht wurde, heißt es im Backnang-Lexikon. Im Jahr 2000 wurde die Center-Filiale im Biegel 12/14 eröffnet, die von der Deutschen Postbank geführt wird und Post- und Postbankgeschäfte anbietet. Jahrelang stand das Postareal in der Bahnhofstraße leer. Nach umfangreichen Umbaumaßnahmen befinden sich hier seit 2015 das Bildungshaus mit der Volkshochschule Backnang und dem Kolping-Bildungszentrum sowie eine Außenstelle der Paulinenpflege Winnenden. Ein Foto in Peter Wolfs Archiv zeigt das Postamt, wie es vor rund 100 Jahren gebaut wurde.

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Erstellt:
15. Oktober 2020, 16:00 Uhr

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