Brief an Verkehrsminister Hermann

„Erwäge erstmals einen Dienstwagen“ – Boris Palmer klagt über Zugverbindung

Verspätungen, Zugausfälle, überfüllte Waggons – Boris Palmer hat auf der Zugstrecke von Tübingen nach Stuttgart „ein derartiges Ausmaß an Unzuverlässigkeit“ in 30 Jahren nicht erlebt.

Für Boris Palmer kommt es auf der Strecke von Tübingen nach Stuttgart zu oft zu Zugausfällen, Verspätungen und überfüllten Waggons. Der Tübinger OB hat sich deshalb an Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann gewandt.

© Bernd Weißbrod/dpa, imago/Arnulf Hettrich

Für Boris Palmer kommt es auf der Strecke von Tübingen nach Stuttgart zu oft zu Zugausfällen, Verspätungen und überfüllten Waggons. Der Tübinger OB hat sich deshalb an Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann gewandt.

Von Florian Dürr

Um sich im vollgepackten Tagesprogramm eines Oberbürgermeisters von Termin zu Termin fortzubewegen, setzt Boris Palmer (parteilos) auf sein E-Bike und die öffentlichen Verkehrsmittel. Auch wenn er nicht mehr Mitglied bei den Grünen ist: Die Überzeugung für eine umweltfreundliche Mobilität ist geblieben. Doch in den vergangenen Monaten hat ihm vor allem der Verkehr auf der Schiene Probleme bereitet. Besonders die Zugverbindung von Tübingen nach Stuttgart.

Verspätungen, Zugausfälle, überfüllte Waggons – „Als langjähriger Nutzer dieser Strecke habe ich in über 30 Jahren ein derartiges Ausmaß an Unzuverlässigkeit nicht erlebt“, klagt Palmer deshalb jetzt in einem Brief an Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne): „Es ist mir praktisch nicht mehr möglich, Termine mit der Bahn wahrzunehmen“, schreibt er. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2007 erwäge er „erstmals die Notwendigkeit eines Dienstwagens“, so Palmer. Den hatte der OB zwar anfangs noch von seiner Vorgängerin übernommen, doch 2010 endgültig abgeschafft.

Boris Palmer präsentiert dem Verkehrsminister eine mögliche Lösung

Dem Tübinger OB geht es aber nicht nur um seine eigenen Termine, auch für zahlreiche Pendlerinnen und Pendler, für Studierende sowie Beschäftigte der Universität Tübingen und der Kliniken sei „eine verlässliche Schienenanbindung von zentraler Bedeutung“. Die aktuelle Situation auf der Strecke in die Landeshauptstadt sei für die Stadt Tübingen „nicht länger hinnehmbar“.

Palmers Vorschlag an den Landesverkehrsminister: die Einführung einer sogenannten „überschlagenen Wende“ in Tübingen. „Dabei steht ein Zug abfahrbereit zur Verfügung und bedient die Strecke auch dann, wenn der ankommende Zug noch nicht eingetroffen ist“, erklärt der OB. Doch dafür wäre wieder zusätzliches Fahrzeugmaterial und Personal nötig, räumt Palmer ein.

Palmers Vorschlag für die Strecke: Den RE 6 aus dem Angebot nehmen

Um dies bereitzustellen, müsste man die gleichzeitig auf der Strecke verkehrenden Züge reduzieren, etwa den zweistündlich fahrenden RE 6 Tübingen-Stuttgart, schlägt der Kommunalpolitiker vor – was zwar rein formal eine Reduzierung des Angebots bedeutet. Aber Palmer ist sich sicher, dass der Wegfall des RE 6 in der Praxis „keinen Nachteil für die Fahrgäste“ bringen würde, weil jener Zug bereits heute seine Fahrzeit „aufgrund der instabilen Betriebslage regelmäßig nicht einhalten“ könne.

„Die daraus entstehenden Verspätungen führen zu zusätzlichen Folgeeffekten, da der RE 6 mit den übrigen Verkehren auf der ohnehin überlasteten Strecke konkurriert“, schreibt Palmer. Verschwindet der RE 6 vorübergehend aus dem Angebot, würde das – so Palmers Wunschvorstellung – nicht nur Fahrzeug-und Personalressourcen freisetzen, sondern das verbleibende Angebot entlasten und stabilisieren.

„Ich bitte Sie daher nachdrücklich“, schreibt Palmer an Hermann, „kurzfristig wirksame fahrplan- und betriebstechnische Anpassungen zu prüfen und umzusetzen“. Damit nicht nur er selbst weiterhin aufs Auto verzichten kann, sondern auch die vielen anderen genervten Fahrgäste.

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Erstellt:
7. Januar 2026, 17:56 Uhr

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