Bürgermeisterkandidat Andreas Fillgraff möchte etwas in Sulzbach bewegen

Bürgermeisterwahl Sulzbach „Es ist viel zu tun, da muss man anpacken“: Welche Ideen Andreas Fillgraff hat, erzählt der 38-Jährige bei einem Termin im Vereinsheim der Heimatfreunde Bartenbach/Schleißweiler. Auf ihn wartet ein kurzweiliges, informatives Gespräch in kleinem Kreis.

Andreas Fillgraff begrüßt im Vereinsheim der Heimatfreunde Bartenbach/Schleißweiler unter anderem den Hausherrn, den langjährigen Vorsitzenden Uwe Birkendorf. Foto: Tobias Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Andreas Fillgraff begrüßt im Vereinsheim der Heimatfreunde Bartenbach/Schleißweiler unter anderem den Hausherrn, den langjährigen Vorsitzenden Uwe Birkendorf. Foto: Tobias Sellmaier

Von Florian Muhl

Sulzbach an der Murr. Andreas Fillgraff hat sich für seinen Bürgermeisterwahlkampf, den er Mitte Oktober begann, ein gutes Dutzend Termine an unterschiedlichsten Orten der Gemeinde Sulzbach an der Murr vorgenommen. An einem Abend lädt er alle interessierten Bürgerinnen und Bürger ins Vereinsheim der Heimatfreunde Bartenbach/Schleißweiler ein. Seine Enttäuschung, wenn es diese überhaupt gibt, lässt sich der 38-Jährige nicht anmerken. Denn nur drei Gäste zeigen an diesem Abend Interesse an den Ausführungen des gebürtigen Saarländers.

Fast entschuldigend sucht der Bürgermeisterkandidat nach Gründen: „Sorry, aber die Veranstaltung am Montag, das BKZ-Wahlpodium, war zu gut.“ Doch das Blatt wendet sich rasch. Am Ende, nach gut anderthalb Stunden zieht der Sulzbacher, der seit über sechs Jahren in der Gemeinde wohnt, sein Fazit: „Das war heute wirklich sehr, sehr interessant. Man muss nicht 100 Leute im Raum haben, nur die richtigen.“

In der Tat beteiligen sich Uwe Birkendorf, er ist seit fast 40 Jahren Vorsitzender des Heimatvereins und an diesem Abend Hausherr, sowie zwei Damen im Seniorenalter, die namentlich nicht genannt werden wollen, aktiv an der Diskussion und lassen die Wahlkampfveranstaltung zu einer anregenden und aufschlussreichen Gesprächsrunde werden, in der auch viel gelacht wird. Alle drei Gäste sind in der Gemeinde gut vernetzt und ehrenamtlich engagiert. So nass und kalt es an diesem Abend draußen ist, so gemütlich ist’s drin im Vereinshaus und Dorfstüble, das früher als Milchhäusle gedient hat und Anfang der 80er-Jahre liebevoll restauriert und ausgebaut worden war. Ein Kaminofen, den Uwe Birkendorf hin und wieder mit einem Holzscheit füttert, strahlt gemütliche Wärme aus.

Andreas Fillgraff will neuen Schwung in die Gemeinde bringen

„Ich will was für Sulzbach machen. Ich hab’ mich nicht in Spiegelberg beworben und ich werde mich auch nicht in Großerlach bewerben, mir geht’s um die Gemeinde Sulzbach. Da wohne ich, da will ich was machen“, sagt der Finanzfachmann, nachdem er sich kurz vorgestellt hat. Er fahre oft durch und laufe täglich im Ort herum. „Wenn wir alle mit offenen Augen durchlaufen, sehen wir, was getan werden muss, und das treibt mich an“, sagt er zu seinen Beweggründen. Ihm gehe es nicht um das Amt des Bürgermeisters. Sondern: „Was bewegen, immer wieder. Neuer Schwung, frischer Wind, wie auch immer – es ist einfach viel zu tun. Und da muss man anpacken.“

„Ja, das stimmt“, pflichtet ihm eine der beiden Frauen bei. Fillgraff legt nach: „Ich habe als Bürger auch schon viel versucht, mich einzubringen, hab’ angerufen, aber... ja... es ist teilweise was draus geworden, teilweise nicht.“ Er habe aber nie gewusst, war er jetzt der einzige, der sich wegen einer Idee oder eines Problems bei der Gemeindeverwaltung gemeldet hat oder gab es weitere Anrufer? Oft habe er später über Umwege erfahren, dass auch weitere Personen angerufen hätten. Die Kommunikation mit dem Rathaus müsse besser sein. „Das müssen beide Straßen sein, hin und zurück, die Info zum Bürger und der Bürgerin...“ Die erste Frau pflichtet wieder bei und sagt: „Da kommt aber wenig zurück bei uns.“

Aus diesem Grund hat Fillgraff in sein Wahlprogramm ganz groß „Bürgerbeteiligung stärken“ hinein geschrieben. Er will ein Vorschlagswesen einführen und auch Meinungsumfragen durchführen. „Mir ist es wichtig, dass das in der Kommunikation mit allen in der Gemeinde stattfindet“, sagt er. Beim Straßenverkehr habe er versucht, sich stark einzusetzen. Denn er selbst wohnt mit seiner Familie im Wohngebiet Ziegeläcker, nur 100 Meter von der Landesstraße entfernt. „Da beschleunigen die raus in Richtung Lautern, das macht einen Höllenlärm“, so seine Erfahrungen. Dagegen wolle er vorgehen, wisse aber noch nicht wie. „So lange nichts passiert, wird nichts gemacht“, meint die erste Besucherin.

Apropos Ziegeläcker. Das Gespräch wechselt von einem zum anderen Thema. „Wahnsinnig viele Klagen kamen wegen dem Kinderspielplatz“, wirft Uwe Birkendorf in die Runde. „Da ist anscheinend von morgens bis nachts die Hölle los, also im Sommer.“ Nach 23 Uhr kämen anscheinend die Kiffer. Es gebe Anwohner, die das nicht mehr aushalten und deswegen wegziehen würden. „Echt?“ Fillgraff ist wirklich überrascht. Das war im so noch nicht bewusst. „Ich hab’ jetzt schon ein paar Mal Kiffende aus der Unterführung weggeschickt.“ Der 38-Jährige habe aber trotzdem das Gefühl, dass das Drogenproblem in Sulzbach und den Teilorten „noch sehr moderat“ ist.

Weiter geht es in der Themenpalette über die Belinda, das Sulzbacher Nachrichtenblatt bis zum Bürgerbus. Nein, den bräuchten sie hier in Bartenbach und in Schleißweiler nicht, sind sich die drei Gäste einig, die Anbindung sei sehr gut. Alle halbe Stunde komme der Bus. Aber für die kleineren Ortsteile und Höfe sei der Bürgerbus wirklich eine gute Idee.

Eine Bushaltestelle ohne Überdachung und ein Marktplatz, der nicht schön ist

Zu dem Thema hat die zweite Frau eine Frage: „Wenn man an der Bushaltestelle in Sulzbach steht, auf der einen Seite...“ – „...ist keine Überdachung“, weiß Fillgraff. Aber was er nicht weiß ist, warum das so ist. „Ich weiß warum“, meldet sich die erste Frau zu Wort und lacht. Sie habe erfahren, dass es der Verwaltung und dem Gemeinderat bei der Neugestaltung des Marktplatzes wichtig gewesen ist, dass die „hübschen Fontänen“ spritzen und dass der Wochenmarkt samstags Platz hat. Der Gastgeber schüttelt verständnislos den Kopf. „Da muss ein Konzept für den Marktplatz her und da muss auch eine Überdachung hin“, meint Fillgraff. „Ich würde einfach mal sagen, das war ein Konstruktionsfehler.“

Selbe Örtlichkeit, anderes Thema: „Unser Marktplatz ist nicht sehr attraktiv“, meint Uwe Birkendorf. „Der war davor schon Käs’ und ist es jetzt noch mehr“, stimmt die erste Frau zu. Und der Heimatvereinsvorsitzende ergänzt: „Der hat viel Geld gekostet und ist nicht viel besser geworden.“ Und die Fontänen würden sich vielleicht in Stuttgart gut machen, aber nicht in Sulzbach. Da gehört ein Brunnen hin, wie er vor der Sumser-Mühle stand, schlägt die erste Frau vor. Fillgraff wird hellhörig und macht sich Notizen.

Der Bürgermeisterkandidat kommt zurück auf sein Marktplatz-Konzept. Stichwort Ochsen. „Der Ochsen könnte ein Schmuckstück sein“, meint Uwe Birkendorf. „Ist er aber nicht“, sagt Andreas Fillgraff. „Als ich hergezogen bin, war’s schon nicht schön, jetzt ist es noch mal sechs Jahre weiter.“ Die zerschlagenen Scheiben sind von beiden Seiten mit Brettern zugenagelt, erzählen die Frauen. „Das ist kein Zustand auf Dauer“, sagt der Vereinsvorsitzende. Da muss sich was tun, da sind sich der Bürgermeisterkandidat sowie seine Gäste einig.

Lebenslauf

Ausbildung Abitur (2004), Wehrdienst als Fallschirmjäger (2004 – 2006), Mathematik- und BWL-Studium (2006 – 2010);

Beruf Versicherungsmathematischer Sachverständiger für betriebliche Altersversorgung (2011 – 2014), Spezialist in der Kapitalanlage und im Risikomanagement (2014 – 2020) und für Asset-Liability-Management in der Kapitalanlage (seit 2020), jeweils bei der Sparkassenversicherung;

Familie verheiratet seit 2013 mit Silja Fillgraff, drei Kinder im Alter von neun, sechs und zwei Jahren.

Zum Artikel

Erstellt:
24. November 2023, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Leben mit dem Lärm
Top

Stadt & Kreis

Leben mit dem Lärm

Krach macht krank — das ist wissenschaftlich erwiesen. Die Folgen reichen von Hörschäden über Depressionen bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um auf die Gefahren einer zu hohen Lärmbelastung aufmerksam zu machen, wurde der letzte Mittwoch im April zum "Tag gegen den Lärm" erklärt. Anlässlich dieses Aktionstages haben wir mit Menschen gesprochen, die beruflich oder privat hohen Geräuschpegeln ausgesetzt sind.

Thomas Klingseis (links) und Hendrik Turni (rechts) nehmen das Artenspektrum im Waldgebiet Hörnle ein Jahr lang genau unter die Lupe. Philip Gohl (Mitte) ist Projektleiter beim Unternehmen Uhl Windkraft, das hier drei Windkraftanlagen plant. Fotos: Alexander Becher
Top

Stadt & Kreis

Artenschutzkartierung für Windkraftvorhaben im Gebiet Hörnle

Auf der Suche nach Wespenbussard und Co.: Das Unternehmen Uhl Windkraft und das Haus Württemberg planen gemeinsam mit den Kommunen Backnang und Winnenden bis zu drei Windkraftanlagen im Waldgebiet Hörnle südwestlich von Allmersbach im Tal. Aktuell führen Gutachter eine Artenschutzkartierung durch.