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„Es war spannend bis zum Schluss“

Auch wenn die CDU-Basis im Rems-Murr-Kreis lieber Friedrich Merz als Vorsitzenden gehabt hätte, zeigt sie sich optimistisch

Manuel Häußer.

Manuel Häußer.

BACKNANG (sil/flo/inf/log). Um 16.57 Uhr war es gestern so weit, die Nachricht kam als Eilmeldung vom CDU-Bundesparteitag in Hamburg: Annegret Kramp-Karrenbauer ist die neue Vorsitzende der CDU, Friedrich Merz landete bei der Wahl der Delegierten auf Platz 2, Jens Spahn auf Platz 3. Während sich die Vertreter der CDU-Basis im Rems-Murr-Kreis vor der Wahl mit Prognosen und Tendenzen noch weitgehend zurückgehalten hatten (wir berichteten), haben die meisten von ihnen jetzt eine klare Meinung zum Wahlausgang.

Norbert Barthle hat noch nie einen so spannenden Parteitag erlebt, wie er unmittelbar nach der Wahl sagt: „Die Luft hat vibriert.“ Der 66-jährige Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Backnang-Schwäbisch Gmünd und Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit hätte aufgrund seiner Erfahrungen angenommen, dass die Stimmen, die Jens Spahn im ersten Wahlgang erhalten hatte, eher zu Friedrich Merz als zu Annegret Kramp-Karrenbauer gehen würden. „Aber es ist doch anders gekommen“. Das sei schon überraschend gewesen. Aber die Partei habe drei hervorragende Kandidaten erlebt, das hätten auch die Regionalkonferenzen gezeigt. Der Wahlkampf der drei Kandidaten sei überaus lebendig und sehr fair geführt worden. Die neue Parteivorsitzende und die Kanzlerin „verstehen sich gut“, da werde es „wenig Reibungsflächen“ geben. Aber AKK sei sehr wohl eine eigene Persönlichkeit, und sie habe in ihrer Rede auch einige Akzente anders gesetzt als Merkel. Barthle sieht die CDU nicht als gespalten, nun gelte es, den Zusammenhalt zu wahren. Die Groko sei „in keiner Weise gefährdet – zumindest, soweit es CDU und CSU betrifft“. Mit Blick auf Angela Merkel sagt er: „Alle Delegierten waren nach ihrer Abschiedsrede von einem Gefühl der Dankbarkeit erfüllt. Heute ging eine Ära zu Ende, der wir erst im Rückblick wirklich gerecht werden können.“

„Obwohl ich selbst eine Frau bin, hätte ich Annegret Kramp-Karrenbauer nicht gewählt“, so Ingrid Beerkircher, stellvertretende Vorsitzende des Backnanger CDU-Stadtverbands. Ihre erste Wahl sei Friedrich Merz gewesen. „Annegret Kramp-Karrenbauer ist schon so lange dabei, und plötzlich hat sie im Wahlkampf so viele Themen und Bereiche aufgezählt, in denen sie gerne etwas ändern möchte. Und das habe ich ihr ehrlich gesagt nicht abgenommen. Viele der Dinge, die sie angesprochen hat, hätte sie auch schon als Generalsekretärin in die Wege leiten können.“

Manuel Häußer, Vorsitzender der CDU Backnang, sagt: „Mit dem heutigen Votum der Delegierten ist ein guter sportlicher Wettkampf um den Parteivorsitz zu Ende gegangen. Wir hatten drei hervorragende Bewerber.“ Seit mehr als 40 Jahren habe es in der CDU keinen Wettstreit von mehreren Personen um den Parteivorsitz gegeben, dies sei in der Partei gut angekommen. „Es war spannend bis zum Schluss“, so Häußer. „Ich gratuliere Annegret Kramp-Karrenbauer, auch wenn Friedrich Merz mein persönlicher Favorit gewesen ist. Kramp-Karrenbauer konnte heute die Mehrheit der Delegierten hinter sich vereinen, sie hat eine engagierte Rede gehalten. Ich bin nun gespannt, welche Akzente sie in den nächsten Wochen und Monaten setzen wird.“ Unabhängig vom Wahlausgang seien die vergangenen Wochen gute Wochen gewesen und hätten die Partei belebt. Häußers Meinung: „Von einer Spaltung der CDU ist nichts zu spüren, im Gegenteil, wir sind noch mehr zusammengerückt.“

Es war ein überraschend enges Ergebnis“, sagt Reinhold Sczuka wenige Minuten nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Kreistag bekennt: „Ich persönlich war im Vorfeld für Merz.“ Was ihm aber sehr missfallen hat, war, dass sein Wunschkandidat die vorgegeben Redezeit bei Weitem überschritten hat. Anstatt sich an das Limit von 20 Minuten zu halten, sprach der Anwalt rund 35 Minuten. So gehe man miteinander und untereinander bei den Kandidaten nicht um, sagt Sczuka, „da war ich enttäuscht. Das ist zum einen nicht fair und zum anderen taktisch nicht klug“. Auch wenn das Ergebnis knapp war, sei es ein gutes Zeichen, denn es habe sich gezeigt, dass wer auch immer das Rennen machen würde, die beiden anderen in irgendeiner Form in der künftigen Entwicklung der Parteipolitik mit eingebunden sein würden. „Von daher haben wir sehr gute Voraussetzungen, in die Zukunft zu gehen.“

Sczuka geht davon aus, dass Merz wieder in die Politik zurück will, da er sich ja um den Parteivorsitz beworben hat. „Es täte auch gut, wenn man hier einen entsprechenden wirtschaftlichen Sachverstand einbinden könnte. Ob er’s macht, weiß ich nicht.“ Die Gefahr, dass die CDU in zwei Lager gespalten ist oder wird, sieht der Althüttener Bürgermeister nicht: „Wenn man in die Vergangenheit blickt, gab es bei CDU-Wahlen nie größere Lagerbildungen.“

Norbert Barthle.

Norbert Barthle.

Reinhold Sczuka.

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Ingrid Beerkircher.

Ingrid Beerkircher.

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Erstellt:
8. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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