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„Es wird immer schlimmer“

Einwohner Oppenweilers sind sich einig: Der Verkehr und die Lärmbelastung sind enorm – Tempo-30-Beschluss kommt gut an

Auf einem etwa 600 Meter langem Abschnitt der B14 durch Oppenweiler soll bald Tempo 30 gelten. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Auf einem etwa 600 Meter langem Abschnitt der B14 durch Oppenweiler soll bald Tempo 30 gelten. Foto: A. Becher

Von Renate Schweizer

OPPENWEILER. Auf der B14 durch Oppenweiler soll künftig Tempo 30 gelten. Die BKZ hat Bürger der Sturmfedergemeinde gefragt, was sie von dem Entschluss halten und wie der Lärm an der Hauptstraße sie beeinträchtigt hat.

Wolfgang Kiefer

© Pressefotografie Alexander Beche

Wolfgang Kiefer

Wolfgang Kiefer war früher Schulleiter in der Grundschule Oppenweiler. „Die B14 ist die reine Katastrophe“ sagt er. „Wenn die riesigen Lkw durchbrettern, gerät man als Fußgänger auf dem Gehweg in einen Sog – da haben Sie Todesangst. Kinder natürlich erst recht.“ Er wohnt oben auf dem Reichenberg, wo die Lärmbelastung erträglich ist „wie ein Grundrauschen. Immer da, Tag und Nacht, aber nicht furchtbar störend.“ Tempo 30 hält er für eine sehr gute Idee, vor allem in Verbindung mit einer intelligenten Ampelregelung und grüner Welle bei der Ortsdurchfahrt.

Helmut Rembold

© Pressefotografie Alexander Beche

Helmut Rembold

Helmut Rembold wohnt seit acht Jahren in einer der Querstraßen, etwa 50 Meter unterhalb der B14. Er ist ein bisschen skeptisch, ob Tempo 30 tatsächlich viel ändern wird – aber die Idee mit Tempo 30 plus grüner Welle gefällt ihm sehr gut. Noch besser wäre die große Lösung, die Straße zu verlegen, aber daran glaubt er nicht wirklich. „Die Post ist auf der anderen Seite der B14. Wenn ich da rüber will mit meinen Krücken oder dem Rollator – das ist schlimmer als eine Autobahnüberquerung.“

„Es wird immer schlimmer“

© Pressefotografie Alexander Beche

Rosmarie Rützler überquert tollkühn die B14 bei den Bushaltestellen: Keine Ampel weit und breit. Aber sie ist offensichtlich in Übung – jahrelang hat sie auf der anderen Seite im Rathaus gearbeitet – und überlebt das riskante Manöver unbeschadet. „Am schlimmsten finde ich eigentlich, dass die Ortsdurchfahrt so hässlich ist“, sagt sie. „Oppenweiler wäre nämlich ein hübscher Ort. Früher hatten die Leute Blumenschmuck zur Straße hin. Das macht jetzt natürlich keiner mehr. Die Fassaden verdrecken. Nur noch das Einhorn (sie zeigt zur Wirtschaft gegenüber der Kirche) gibt sich Mühe – alle anderen haben aufgegeben und man kann es ihnen nicht verdenken.“

Karlheinz Wöhrle

© Pressefotografie Alexander Beche

Karlheinz Wöhrle

Karlheinz Wöhrle betreibt den Fahrradladen direkt an der B14. Er profitiert tatsächlich vom Verkehr: „Die Leute stehen im Stau, gucken rum, sehen meinen Laden – den einzigen mit Parkplätzen vor der Tür – und halten mal eben an, um etwas einzukaufen, und sei’s bloß ein Fahrradschlauch.“ Wohnen, nein wohnen möchte er natürlich keinesfalls da. „Ich bin sehr naturverbunden und wohne am äußersten Rand des Ortes.“ Motorräder und Lkws hört man auch da. Tempo 30? Ja, das wäre natürlich besser. Aber ob das wirklich genehmigt wird auf einer Bundesstraße? Er hat noch Zweifel.

Beate und Ulrich Eisenmann Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Beate und Ulrich Eisenmann Fotos: A. Becher

Beate und Ulrich Eisenmann wohnen direkt an der B14 – ein meterschmaler Gehweg trennt die Fassade ihres Hauses von den durchrauschenden Lastwagen. „Am schlimmsten ist es beim Fensterputzen. Da hab ich wirklich Angst, wenn ich die Leiter hochklettere und die riesigen Lkw brettern vorbei. Ich spüre den Sog und denke jedes Mal, ich fall jetzt runter und direkt auf die Straße“, erzählt sie und dabei müsse sie andauernd Fenster putzen, der Staub bedeckt ständig alles mit schwarzem Dreck. Ihr Mann Ulrich ist in dem Haus geboren und hat sein ganzes Leben dort verbracht. „Es wird immer schlimmer und an den Lärm gewöhnen Sie sich nie. Es sind nicht einmal so sehr die Motoren: Die Reifengeräusche sind das schlimmste. Und die Schachtdeckel – 40-Tonner auf Schachtdeckel, das haut einen vom Stuhl.“ Die Schallschutzfenster mussten sie auf eigene Kosten einbauen, nicht einmal einen Zuschuss gab es. „Natürlich schlafen wir hinten raus und immer bei geschlossenem Fenster – Lüften geht nie, nicht mal nachts, höchstens am Sonntagvormittag mal.“ Tempo 30? Unbedingt, lieber heute als morgen! Das Ehepaar war bei der Gemeinderatssitzung und wundert sich, wie wenige Nachbarn dort waren. Vielleicht haben die alle schon aufgegeben? Wegzuziehen ist jedenfalls keine Option, den beiden gefällt es in Oppenweiler. Eigentlich. Für Tempo 30 setzen sie sich ein.

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Erstellt:
18. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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