Etwa 5000 Dschihadisten aus Westeuropa

Herkunft der Kämpfer sehr unterschiedlich – ebenso die Behandlung durch die Heimatländer

Islamischer Staat - Die Kurden fordern die Rücknahme der Gefangenen schon länger – bisher stoßen sie auf taube Ohren.

Istanbul Mehr als 40 000 Ausländer aus mehr als 120 Staaten haben sich in den vergangenen Jahren islamistischen und anderen Gruppen in Syrien angeschlossen. Der Islamische Staat (IS) war bei der Rekrutierung die erfolgreichste, keineswegs die einzige Organisation. Das Anti-Radikalisierungs-Netzwerk der EU (RAN) schätzt, dass rund 5000 der ausländischen Kämpfer aus westeuropäischen Ländern stammen. Aus Russland kamen mehr als 3000, aus weiteren Staaten der früheren Sowjetunion fast 6000 und aus arabischen und nordafrikanischen Ländern mehr als 12 000, wie es in einem Bericht der US-Denkfabrik Soufan Center heißt. Unter den EU-Staaten sticht Frankreich mit etwa 1900 Extremisten heraus. Insgesamt kamen laut dem US-Militär bisher mindestens 60 000 IS-Kämpfer bei Gefechten in Syrien und im Irak ums Leben. Darunter dürften mehrere Tausend Ausländer gewesen sein. Schätzungsweise 5500 Kämpfer – darunter etwa 300 Deutsche – sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Viele IS-Mitglieder sagen von sich selbst, dass sie den Dschihadisten auf friedliche Weise als Köche oder Verwaltungsmitarbeiter gedient haben – ihnen die Teilnahme an Gräueltaten nachzuweisen ist schwierig.

Bei ihrem Vormarsch gegen die letzten Gebiete des IS im Osten Syriens hat die mit den USA verbündete Kurdenmiliz YPG viele ausländische Dschihadisten gefasst und in Auffanglagern untergebracht. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge hält YPG bis zu 1100 ausländische IS-Kämpfer und fast 2000 Familienmitglieder fest. Die Reaktion der Heimatländer ist unterschiedlich. Die russische Regierung etwa hat mindestens 50 Kinder von IS-Mitgliedern ausfliegen lassen und bei Verwandten in Russland untergebracht. Bei den dschihadistischen Kämpfern selbst kennt Moskau jedoch kein Pardon. Unterdessen bereiten die USA laut Medienberichten das berüchtigte Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba für die Unterbringung amerikanischer IS-Milizionäre vor. Großbritannien hat zwei besonders berüchtigten IS-Mitgliedern die Staatsbürgerschaft entzogen und ist mit ihrer Überstellung nach Guantánamo einverstanden.

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Erstellt:
19. Februar 2019, 03:04 Uhr

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