Europa kann kommen
Mit einem Vereinsrekord hält die TSG Hoffenheim Kurs auf die Champions League. Auch weil mit Abwehrspieler Vladimir Coufal ein Routinier groß aufspielt.
Von dpa
Sinsheim - Wer stoppt diese TSG Hoffenheim auf dem Weg nach Europa? Nach dem 3:0 gegen den SC Freiburg tut sich der Tabellendritte der Bundesliga allmählich schwer mit der branchenüblichen Floskel „Von Spiel zu Spiel denken“.
Trainer Christian Ilzer warnte natürlich vor Übermut und kündigte in seiner typischen bildhaften Sprache an: „Das war jetzt eine lange Phase der Saat, und jetzt kommt dann die Erntezeit. Da musst du präsent sein und nicht schon irgendwo am Ende der Saison gedanklich bei der Preisverleihung.“
Das badische Duell geriet für die hochüberlegene TSG zwar zu einem Geduldsspiel. Doch nach 16 Torschüssen in der ersten Halbzeit mit null Treffern schlugen dann kurz nach der Pause Fisnik Asllani (46. Minute) mit seinem siebten Saisontreffer und Ozan Kabak (51.) jeweils per Kopf zu. Vor 22 679 Zuschauern in Sinsheim erhöhte Valentin Gendrey (90.+5) noch auf 3:0.
Das 1:5 beim FC Bayern hatten die Kraichgauer abgeschüttelt, sie stellten mit dem achten Heimsieg in Serie auch noch einen Vereinsrekord auf. Warum es so gut läuft? „Weil das Wir im Vordergrund steht bei uns und wir Abläufe haben, die jeder verinnerlicht hat“, erklärte Asllani. „Ich spiele ein, zwei Bälle in der ersten Halbzeit blind in den Raum, weil ich weiß, da wird schon jemand stehen. Und da steht dann halt auch jemand.“
Abgesehen davon sei das Training „sehr, sehr intensiv. Es ist kein Zufall, dass wir viel laufen“, so Asllani. Die Abwehr mit Vladimir Coufal, Ozan Kabak, Robin Hranac und Albian Hajdari stand fast wie eine Eins. Vor allem Rechtsverteidiger Coufal begeistert seit Monaten Fans und Experten: Der 33 Jahre alte Tscheche bereitete die ersten beiden Tore vor.
„Ein Weltklassetyp, wir sind unglaublich froh, dass er da ist. Absoluter Vorzeigeprofi“, schwärmte Grischa Prömel vom Ex-Profi von West Ham United. „Wer so marschiert, wer so lange in der Premier League gespielt hat, davon können sich viele Spieler eine Scheibe abschneiden. Alleine schon, wie der in den Schuhen steht: wie aus Stein gemeißelt.“
Bereits 14 Punkte liegt Hoffenheim nun vor dem Tabellensiebten Frankfurt. Am Samstag geht's für das Ilzer-Team nach Köln, am 20. März nach Leipzig, zu einem direkten Konkurrenten im Kampf um die Königsklassen-Tickets. Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart empfängt die TSG noch daheim, das Bayern-Spiel hat sie hinter sich, gegen Leverkusen und in Frankfurt in der Rückrunde gewonnen.
„Sehr gefährlich“, so Ilzer, sei es dennoch, dieses Bild zu zeichnen: „Vorsprung groß, Champions League – alles Dinge, die noch weit in der Zukunft schweben, die ablenken. Unser Fokus gilt einfach, wie wir uns bestmöglich auf Köln vorbereiten können.“
Ob die Europa-Teilnahme überhaupt noch zu verspielen ist? „Solange es Punkte-technisch nicht offiziell ist . . .“, sagte Asllani und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Aber wir sind so gut drauf, wir wollen einfach weitermachen.“
Ob der 31 Jahre alte Mittelfeldspieler Prömel noch dabei ist, wenn die TSG in der kommenden Saison international spielen sollte, ist unklar. Der gebürtige Bad Cannstatter wird vom VfB Stuttgart umworben. Sein Vertrag läuft im Sommer aus.
