Europa wird greifbar gemacht

Guido Wolf hat sich Vorzeigeprojekte mit Europabezug im Kreis angeschaut – Modernisierte Arztpraxis in Murrhardt begeistert

Guido Wolf ist nicht nur Minister für Justiz, sondern auch für Europa. In dieser Funktion hat er gestern dem Rems-Murr-Kreis einen Besuch abgestattet und sich Projekte angeschaut, die für Europa stehen. Dazu gehört die mit Mitteln aus dem Leader-Programm modernisierte allgemeinärztliche Praxis des Ehepaars Dähmlow in Murrhardt.

Jochen Haußmann, Wilfried Klenk, Minister Guido Wolf, Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner und Gernot Gruber lassen sich die sanierte Praxis von Kai-Alexander Dähmlow und dessen Frau Julia zeigen. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Jochen Haußmann, Wilfried Klenk, Minister Guido Wolf, Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner und Gernot Gruber lassen sich die sanierte Praxis von Kai-Alexander Dähmlow und dessen Frau Julia zeigen. Foto: J. Fiedler

Von Lorena Greppo

MURRHARDT. Europa ist für viele Menschen ein abstraktes Konstrukt. Bekannt sei vielen nur, dass Deutschland viel Geld für die EU ausgebe, so Guido Wolf, (CDU), Minister für Justiz und Europa. „Die Leute fragen sich dann: Was bekommen wir aus Europa zurück?“ Die Arztpraxis von Kai-Alexander Dähmlow in Murrhardt sei ein plastisches Beispiel dafür, wie das Geld seinen Weg zurück nach Deutschland finde. Dähmlow hat sich nämlich im Sommer 2018 für das Leader-Programm der EU und des Landes Baden-Württemberg (siehe Infobox) beworben und bekam in dessen Rahmen etwa 140000 Euro für die Sanierung seiner Praxis zugesagt. „Hier sehen wir, wo Europa greifbar wird“, resümierte Wolf sichtlich erfreut bei einem Rundgang durch die renovierten Räume.

Das Leader-Programm stellt Mittel für solche Projekte zur Verfügung, die im ländlichen Raum zur Stabilisierung der Lebensbedingungen beitragen. Dabei geht es nicht nur um die Versorgung im Bereich Gesundheit, auch kulturelle Projekte werden gefördert. Dass auch der Umbau seiner Arztpraxis bei der Ausschüttung der Fördergelder begünstigt werden kann, war Dähmlow anfangs nicht bekannt. Mit ihrer Anfrage nach Fördergeldern haben er und seine Frau Julia sich zuerst an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und an die Stadt Murrhardt gewandt. Die KV-Förderung für unterversorgte Gebiete greife in Murrhardt nicht, sei ihm gesagt worden. Bei der Stadtverwaltung bekamen die Dähmlows aber den entscheidenden Tipp: Der Amtsleiter für Wirtschaft, Kultur und Tourismus, Uwe Matti, erzählte ihnen vom Leader-Programm.

Bürokratische Hürden beim Programm sind überschaubar

„Und wie war der bürokratische Aufwand?“, hakte Wolf sogleich nach. Dies sei nämlich auch oft ein Kritikpunkt bei Europaangelegenheiten. Der beauftragte Architekt habe sich die Sache angeschaut, erzählt Dähmlow. „Es gab gewisse Anforderungen und die Sanierung hat sich dadurch etwas verzögert“, erzählt er. Dabei habe es sich aber nur um einen Monat gehandelt. „Das hat sich in der Summe also trotzdem gelohnt.“ Momentan sei man noch mitten in der Kontrollphase des Projekts. Denn um die zugesagten Fördermittel auch zu bekommen, müssen die Dähmlows Handwerkerrechnungen und Ähnliches vorlegen. „Insofern ist es wichtig, dass man die Finanzierung schon im Vorfeld gesichert hat“, rät der Allgemeinmediziner.

Dass saniert werden musste, sei ihm schon klar gewesen, als er die Praxis 2016 übernahm, erzählt der 37-Jährige, der aus Gaildorf stammt. Ein barrierefreier Eingang sollte her, hellere Räume, ein optimierter Raumzuschnitt, eine Ausstattung mit hygienisch zu reinigenden Möbeln – in der Praxis war viel zu tun. Die Sanierungsarbeiten im Herbst vergangenen Jahres seien aber ohne größere Zwischenfälle vonstattengegangen. „Es war eine spannende Zeit“, sagte Julia Dähmlow. Das Ehepaar habe sich bewusst dafür entschieden, in eine ländliche Region zu gehen und in der Murrhardter Praxis habe vieles zusammengepasst. Sich Herausforderungen zu stellen, sei auch eher sein Stil, sagte Kai-Alexander Dähmlow. Der Mut, sich der Herausforderung anzunehmen, werde durch Programme wie Leader belohnt, so Wolf. „Es ist eine Wertschätzung für Ihre Arbeit und dafür, dass Sie sich für einen solchen Standort entschieden haben“, resümierte der Minister, bevor er sich zu seinem nächsten Termin aufmachte.

Guido Wolf informierte sich bei seinem Besuch im Rems-Murr-Kreis gestern nämlich zudem über die Neubaupläne des Grundbuchamts in Waiblingen, ließ sich über Remstal-Gartenschau berichten und besuchte zum Abschluss die Eduard-Breuninger-Schule in Backnang. Dort wurde ihm das Projekt Erasmus Plus vorgestellt, das darauf abzielt, dass Schüler andere Kulturen kennenlernen, ihre Kenntnisse in Fremdsprachen verbessern und sich persönlich und beruflich weiterentwickeln. Schulleitung und Schüler berichteten von ihren bisherigen Erfolgen und Herausforderungen. Im Anschluss hatten die Schüler die Möglichkeit, dem Minister in einer Diskussionsrunde Fragen zu Europa im Allgemeinen sowie zum europäischen Arbeitsmarkt im Speziellen zu stellen.

Info
Das Leader-Programm der EU und des Landes

Leader steht für „Liaison Entre Actions de Développement de l‘Économie Rurale“ (Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Durch finanzielle Förderung soll bürgerschaftlich geprägte Regionalentwicklung betrieben werden. Im Mittelpunkt der Leader-Förderung stehen laut Landesministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz insbesondere Vorhaben, die die Innovations- und Wirtschaftskraft in den Regionen, die interkommunale Zusammenarbeit und den Tourismus stärken. Darüber hinaus sollen Antworten auf drängende Herausforderungen, wie etwa den demografischen Wandel, Klimawandel und oder Ressourcenschutz entwickelt und erprobt werden.

Der Schwäbische Wald ist eine von 18 Leader-Aktionsgruppen in Baden-Württemberg für die Förderperiode 2014–2020. 28 Gemeinden aus den Landkreisen Heilbronn, Ostalbkreis, Rems-Murr und Schwäbisch Hall sind daran beteiligt.

Dem Rems-Murr-Kreis steht im Rahmen der Leader-Förderung etwa eine Million Euro zur Verfügung. Begünstigte Projekte sind neben der Arztpraxis in Murrhardt auch die Kleinkunstbühne Kabirinett in Spiegelberg und der Bewegungsparcours im Stadtpark in Welzheim.

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Erstellt:
14. März 2019, 06:00 Uhr

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