Ukraine

Ex-Präsidialamtschef Jermak in Untersuchungshaft

In der Ukraine galt Präsidialamtschef Jermak als graue Eminenz, als mächtigster Mann hinter Präsident Selenskyj. Nun muss er sich in einem Prozess Geldwäsche-Vorwürfen stellen.

Der frühere ukrainische Präsidialamtschef Andrij Jermak sitz in Untersuchungshaft.

© Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa/Gian Ehrenzeller

Der frühere ukrainische Präsidialamtschef Andrij Jermak sitz in Untersuchungshaft.

Von red/dpa

In der Ukraine hat das Oberste Anti-Korruptions-Gericht Untersuchungshaft gegen den früheren ukrainischen Präsidialamtschef Andrij Jermak angeordnet. Die Haft gelte für zunächst 60 Tage, Jermak habe die Möglichkeit, gegen Kaution auf freien Fuß zu kommen, teilte der Richter am Morgen mit. 

Jermak war die rechte Hand von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Er muss sich wegen Geldwäsche-Vorwürfen verantworten. Ihm und fünf anderen Verdächtigen werden illegale Millionengeschäfte bei einem Luxusbauprojekt vorgeworfen.

Der 54 Jahre alte Jermak hatte die Vorwürfe kategorisch zurückgewiesen. Er sagte auch, dass er keine Mittel habe, um die Kaution von umgerechnet 2,72 Millionen Euro zu bezahlen.

Am Vortag wurden auch Details über Jermaks Kontakt mit einer Esoterik-Beraterin zutage gefördert. Die Anklage ließ bei der Verhandlung in Kiew Chats zwischen Jermak und der Frau verlesen, die in seinen Telefonkontakten als „Veronika Feng-Shui Büro“ verzeichnet war. 

Präsidialamt: Wir beschäftigen uns nicht mit Esoterik

Demnach habe Jermak, der bis November die rechte Hand von Selenskyj war, mit der Frau über die Besetzung von Spitzenposten in der Ukraine gesprochen. Er habe ihr Geburtsdaten von Kandidaten geschickt und um Rat gebeten. Ukrainischen Presseberichten zufolge bezeichnet sich die 51-jährige Frau aus Kiew selbst als astrologische Beraterin.

Bis zu seinem Rücktritt galt Jermak als der zweitmächtigste Mann in der Ukraine und führte für sein Land Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs. Das Präsidentenbüro teilte angesichts der Nachrichten aus dem Gerichtssaal mit, man beschäftige sich nicht mit Esoterik, Numerologie, Feng-Shui oder ähnlichem. Er habe nie derartige Vertreter in der Kanzlei gesehen, sagte Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn.

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Erstellt:
14. Mai 2026, 10:16 Uhr

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