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Express-Photo schließt vor Weihnachten

Martin Korb geht in den Ruhestand – Der 69-Jährige hat das Geschäft in der Backnanger Schillerstraße 39 Jahre lang geführt

Und wieder schließt ein Fachgeschäft inder Backnanger Innenstadt: Wenn Martin Korb am Abend des 21. Dezember den Schlüssel in der Ladentür des Geschäfts Express-Photo Korb umdreht, dann für immer. Der 69-Jährige hat das Fotostudio vor fast 39 Jahren in der Schillerstraße eröffnet, jetzt endet der Betrieb mit dem Eintritt des Geschäftsführers in das Rentnerdasein.

Die letzten Jahre waren für Cornelia und Martin Korb nicht einfach. Hochwasser, Baustellen und das Internet haben das Geschäft nicht unbedingt befeuert. Am 21. Dezember haben die beiden ihr Geschäft in der Schillerstraße zum letzten Mal geöffnet. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die letzten Jahre waren für Cornelia und Martin Korb nicht einfach. Hochwasser, Baustellen und das Internet haben das Geschäft nicht unbedingt befeuert. Am 21. Dezember haben die beiden ihr Geschäft in der Schillerstraße zum letzten Mal geöffnet. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Es war das Jahr 1981, als der gerade 30 Jahre alte Martin Korb die Räume in der Schillerstraße 49 mietete. Zuvor war an dieser Stelle eine Filiale der Landesgirokasse. „Der Tresor steht heute noch im Keller“, lacht Korb. Nun, ein ganzes Berufsleben später, zieht der 69-Jährige Bilanz. Die letzten Jahre waren nicht einfach, erklärt er und konkretisiert, dass vor allem drei Faktoren dabei eine Rolle gespielt haben. Da war zum Ersten das dramatische Hochwasser vom 13. Januar 2011, dann gleich zweimal Baustellen direkt vor der Ladentür, „die jedesmal eine gefühlte Ewigkeit gedauert haben“, und drittens die Tendenz vieler Mitmenschen, immer mehr Fotoartikel im Internet oder bei Discountern zu kaufen. Dies alles hat ihm und seiner Frau Cornelia zwar das Leben schwer gemacht, aber nicht den Ausschlag gegeben. Als Grund für die Schließung nennt Korb jetzt ganz eindeutig: „Das ist mein Alter und die Tatsache, dass ich keinen Nachfolger habe.“

Das Hochwasser 2011 hat das Ehepaar Korb heftig getroffen, sie sprechen von einem sechsstelligen Schaden, der voll an ihnen hängen geblieben ist, weil die Versicherung nicht gezahlt hat. Bei einem Leitungswasserschaden wäre Korb versichert gewesen, nicht aber bei Hochwasser. Um das Risiko abzudecken, wären extrem hohe Beiträge fällig gewesen, da der Laden in einem Bereich liegt, der als extrem hochwassergefährdet gilt. „Oder galt“, fügt Korb im Hinblick auf die aktuellen Schutzmaßnahmen an.

Das Wasser stand am 13. Januar 2011 einen Meter hoch im Verkaufsraum

An den Tag selbst erinnert er sich genau, wenn auch mit Schaudern. „Morgens um 9 Uhr hatten wir noch keinen Tropfen im Keller, und um 13 Uhr mussten wir fluchtartig das Gebäude verlassen und standen auf den Treppen der Kreissparkasse.“ Hilflos mussten sie zusehen, wie sich die Murr in das Gebäude ergoss und die Wassermassen erst stoppten, als der Verkaufsraum etwa einen Meter unter Wasser stand. Der Schaden hätte vielleicht gemildert werden können, wenn es zumindest eine Gebäudeversicherung gegeben hätte. Aber die hatte sich der Vermieter gespart, so musste Korb sogar den Strom für die Trocknungsgeräte selbst bezahlen.

Nicht glücklich war Korb auch über die Baustellen rund ums Geschäft. Schon in den 90er-Jahren, als die Schillerstraße saniert wurde, mussten die Kunden ein halbes Jahr über die aufgerissene Straße zum Laden gehen. Noch schlimmer war’s in den vergangenen eineinhalb Jahren: „Die Wegführung war zuweilen jeden Tag anders und man musste über Planken laufen. Diese Baustelle hat uns richtig wehgetan.“ Auch wenn es manchmal so schien, als ob die Baustelle nicht voran gehen würde, zeigt Korb Verständnis für die Baufirma, „da steckten viele Überraschungen im Boden“.

Weniger Verständnis hat er für die Stadtplaner, die alle Parkplätze rund um sein Geschäft auflösten. Bis Mitte der 90er-Jahre hatte er noch vier, fünf Stellplätze direkt vor der Tür. Zuletzt aber wurden selbst die auf der anderen Straßenseite gelegenen Parkbuchten vor dem Traumpalast-Kino beseitigt. Die Auskunft der Verwaltung laut Korb: „Dann haben Sie es schöner.“ Aber wenn dies nach dem Baustellenmarathon wirklich so sein sollte, was Korb bezweifelt, „dann nutzt mir das jetzt auch nichts mehr“, gibt der Fotograf zu bedenken. Und er verweist darauf, dass nahe gelegene Kurzzeitparkplätze für einige Geschäfte von großer Bedeutung sind. Etwa für die benachbarte Metzgerei oder die Apotheke. „Da springen manche Kunden nur kurz rein und holen ein Rezept oder etwas Wurst oder bei uns eine neue Batterie. Das ist nicht so wie bei einem Modegeschäft, in dem ich auch einmal länger verweile und sich die Fahrt ins Parkhaus auch lohnt.“

Besonders ärgerlich ist für Korb jedoch das Verhalten vieler Kunden, die sich bei ihm im Laden lange und detailliert beraten lassen, und dann die Produkte im Internet bestellen. „Auf acht Beratungen habe ich zwei Bestellungen“, beklagt der Fotospezialist, „das macht uns schwer zu schaffen.“ In den vergangenen Jahren hat er das bei vielen Kunden auch direkt angesprochen: „So, jetzt habe ich Sie gut beraten. Und jetzt gehen Sie heim und kaufen es im Internet?!“ Alle hätten dann beteuert, „Nein, das machen wir nicht“, seien aber auch nie mehr im Geschäft gesehen worden. Ehefrau Cornelia pflichtet ihm bei: „Die Kunden erinnern sich gerne an ihr Fachgeschäft, wenn sie ein Problem haben, das schnell gelöst werden muss. Wenn etwa ein Tag vor dem Urlaub die Kamera nicht funktioniert oder die Bedienung nicht klar ist. Dann sollte man zaubern können.“

Bei all dem Ärger erinnern sich die beiden Geschäftsleute aber auch gerne an die vielen schönen Kundenkontakte zurück. Ganz besonders an die viele Hilfe beim Hochwasser. Cornelia Korb berichtet von einer Frau, die ihr einfach den Putzlappen aus der Hand genommen und selbst losgelegt hat. „Ich kannte sie nicht und habe sie auch später nie mehr gesehen.“

Für das Ehepaar Korb steht nun eine große Umstellung bevor. In all den Jahren haben sie meist nur mit einem Angestellten den Betrieb aufrechterhalten, tagtäglich Passbilder und Porträtfotos gemacht, samstags oft noch Hochzeiten fotografiert, sonntags Konfirmationen und an den Abenden Abschlussfeiern. Martin Korb hat ausgerechnet: „Wenn wir alle Stunden zusammen zählen würden, dann hätte wir schon vor zehn Jahren in Rente gehen können.“ Hobbys haben sich die beiden keine aufgebaut. „Uns fehlte die Zeit.“

Dies ändert sich nun bald. In den nächsten Wochen muss zwar noch der Räumungsverkauf gemeistert werden. Aber am Samstag, 21. Dezember, schließt Martin Korb seinen Laden zu. Endgültig.

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Erstellt:
5. November 2019, 06:00 Uhr

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