Fachkräfte auf Corona-Stationen müssen geschützt werden

dpa/lsw Stuttgart. Die Pflegekräfte in den Covid-19-Stationen der Kliniken sind nach Beobachtung der Gewerkschaft Verdi am Ende ihrer Kräfte. „Die Erschöpfung ist groß, da nach der ersten Corona-Welle im Sommer aufgeschobene Eingriffe nachgeholt wurden und anschließend die Corona-Zahlen wieder gestiegen sind“, sagte die Verdi-Fachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales, Irene Gölz. „Es gab keine Verschnaufpause“, fügte sie in Stuttgart hinzu. Wenn die Pfleger nicht mehr einsatzfähig seien, drohe eine sogenannte Triage. Der Begriff bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen.

Eine Fahne der Gewerkschaft Verdi. Foto: Axel Heimken/dpa/Symbolbild

Eine Fahne der Gewerkschaft Verdi. Foto: Axel Heimken/dpa/Symbolbild

Laut der Gewerkschafterin kommt die Angst, selbst infiziert zu werden oder das Virus in die Familie einzuschleppen, als Belastung hinzu. Und Äußerungen, die die Gefahr schwerer Erkrankung durch Corona leugnen, seien „ein Schlag in die Magengrube“ der Fachkräfte. Die Arbeit in voller Schutzkleidung auf den für die Covid-Patienten erwärmten Stationen zehre an den Kräften. Die Krankenhäuser müssten auf mehr Eingriffe verzichten, damit das dadurch freiwerdende Personal die stark geforderten Kräfte auf den Covid-Stationen unterstützen könne.

Hinter der fortgesetzten Behandlung nicht dringender Fälle stecke die Angst vor finanziellen Einbußen, sagte Gölz. Diese Entwicklung auf dem Rücken des Personals müsse gestoppt werden. Die Hilfe des Bundes müssten alle Häuser mit Covid-Patienten bekommen und ihnen damit die Furcht vor einer Pleite nehmen. Auch die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft hatte davor gewarnt, nur einer kleinen Zahl von Kliniken Ausgleich für den Verlust durch das Aufschieben von Eingriffen jenseits von Corona zu gewähren.

Zum Artikel

Erstellt:
20. Dezember 2020, 07:54 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!