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Fachkräfte für Technologie der Zukunft

Die Gewerbliche Schule Backnang ist mit im Boot, wenn die HyPerformer im Rems-Murr-Kreis mit ihrer Wasserstofftechnologie an den Start gehen. Schulleiterin Isolde Fleuchaus stellt ein Konzept vor, das für alle Schularten greifen soll.

Fachkräfte für Technologie der Zukunft

© Alexander Becher

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN/BACKNANG. Der Landkreis setzt auf Wasserstoff als Zukunftstechnologie. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hat der Kreistag kürzlich gefasst. In Waiblingen soll, so der Plan, eine Wasserstofferzeugungsanlage samt einer Wasserstofftankstelle entstehen, neuartige Wasserstoffbusse sollen beschafft und im Linienverkehr eingesetzt werden. Zudem wird darüber nachgedacht, die neue Fahrzeuggeneration für die Wieslauftalbahn mit Wasserstoffantrieben auszustatten. Mit im Boot ist bei alledem auch die Gewerbliche Schule Backnang: Dort sollen die Fachleute für die Zukunftstechnologie geschult werden.

Eine „Lernwerkstatt Zukunftstechnologie Wasserstoff und Brennstoffzelle“ soll in Backnang etabliert werden. Was das bedeutet, machte die Schulleiterin Isolde Fleuchaus im Kreistag deutlich: „Das Thema soll in allen unseren Klassenräumen Platz finden.“ So soll die Wasserstofftechnologie inhaltlich Eingang in die unterschiedlichen Schularten finden – von der klassischen Berufsschule über die Technikerschule bis hin zum technischen Gymnasium. Im Unterricht sollen verstärkt alternative Mobilitätskonzepte thematisiert werden, eigene Lerneinheiten sollen sich mit der Nutzung erneuerbarer Energien befassen, zudem soll eine Wasserstoffwerkstatt eingerichtet werden, mit deren Hilfe das Thema veranschaulicht wird. Ziel ist, so Fleuchaus, eine Know-how-Schmiede.

Fleuchaus machte auch deutlich, warum sich die Schule auf breiter Front in dieser Richtung bewegen soll: Bei der Wasserstofftechnologie handle es sich um eine neue Schlüssel- und Querschnittstechnologie, die sich auf unterschiedliche Tätigkeitsfelder und Berufsausbildungen auswirkt – und das erfordere je nach Anwendungsbereich unterschiedliche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse.

Schon bisher setzt die Schule auf Erziehung zur Nachhaltigkeit, wie dies im Bildungsplan für die baden-württembergischen Schulen verlangt wird. Dort ist Bildung für nachhaltige Entwicklung als eine Leitperspektive verankert. Als Beispiel führte Fleuchaus die an der Schule errichtete E-Tankstelle an: „Wir erzeugen und speichern unsere Energie selbst.“ Die E-Autos, die für die Ausbildung an der Schule bereitstehen, sollen um ein wasserstoffgetriebenes Fahrzeug ergänzt werden. In den Laboren soll Platz für die neue Technologie geschaffen werden.

„Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt im Klassenzimmer.“

In einem nächsten Schritt soll ein Elektrolyseur didaktisch reduziert die Grundlagen der Wasserstofftechnologie zeigen. Fleuchaus resümierte mit einem Zitat von Lee Iacocca, einem amerikanischen Ingenieur und Manager in der Automobilindustrie: „Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt nicht in der Fabrikhalle oder im Forschungslabor. Sie beginnt im Klassenzimmer.“ In Backnang könne man künftig kluge Köpfe aus der Region Stuttgart für die Zukunftstechnologie Wasserstoff begeistern und heute schon die Fachkräfte für die Technologie von morgen ausbilden.

Das Votum des Kreistags hätte zu keinem passenderen Zeitpunkt kommen können: Die Bundesregierung hatte wenige Wochen davor die nationale Wasserstoffstrategie beschlossen. Die EU stellte dann ebenfalls ihre Wasserstoffstrategie vor und schnürte ein Milliardenpaket zur Förderung. Beide unterstrichen damit, dass Wasserstoff als eine Zukunftstechnologie anzusehen ist. Der Landkreis wiederum arbeitet schon einige Zeit am Einstieg in die Wasserstofftechnologie. Gemeinsam mit der Stadt Waiblingen hat er ein Konzept für grünen Wasserstoff vorgelegt, der im ÖPNV genutzt werden soll. Ende 2019 erhielt dieses Projekt eine Förderzusage vom Bund in Höhe von fünf Millionen Euro im Rahmen des HyPerformer-Programms.

Der Rems-Murr-Kreis ist damit im Verbund mit der Metropolregion Rhein/ Neckar eine von deutschlandweit nur drei Regionen, die derzeit in der höchsten Förderkategorie HyPerformer des „Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ (NIP) des Bundes gefördert werden.

Dabei sollen mit rund drei Millionen Euro in Waiblingen eine regenerative Wasserstofferzeugungsanlage und eine Wasserstofftankstelle errichtet werden, wobei der Wasserstoff aus regenerativer Energie gewonnen werden soll. Die restlichen rund zwei Millionen Euro sollen in Wasserstoffbusse investiert werden. Umsonst funktioniert das Projekt aber nicht. Nach aktuellen Schätzungen muss der Landkreis jährlich 1,1 Millionen Euro beisteuern – und das 17 Jahre lang.

Landrat Richard Sigel unterstreicht vor diesem Hintergrund: „Mir war eine politische Diskussion, ein klares Bekenntnis und eine Grundsatzentscheidung des Kreistags bei diesem Zukunftsthema wichtig. Wir können nicht nur vom Klimaschutz reden und Ziele setzen, sondern müssen auch bereit sein, vor Ort etwas zu tun und in Zukunftstechnologie zu investieren.“ Er freute sich deshalb über „das positive und klare Votum“.

Bei der Wieslauftalbahn zwischen Schorndorf und Rudersberg steht schon lange die Beschaffung von neuem Wagenmaterial auf der Agenda. Gemeinsam mit der Hochschule Esslingen untersucht der Zweckverband Wieslauftalbahn derzeit, ob eine Umstellung auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge möglich und sinnvoll ist. Besonders interessant wäre ein wasserstoffbetriebener „Wiesel“ dann, wenn parallel das Wasserstoffprojekt in Waiblingen umgesetzt würde. Mit dem dort gewonnenen Wasserstoff könnten auch Bahnen angetrieben werden.

Für die Wieslauftalbahn zwischen Schorndorf und Rudersberg soll neues Wagenmaterial beschafft werden – möglicherweise fällt die Wahl auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge. Archivfoto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Für die Wieslauftalbahn zwischen Schorndorf und Rudersberg soll neues Wagenmaterial beschafft werden – möglicherweise fällt die Wahl auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge. Archivfoto: J. Fiedler

Wasserstofftechnologie

Bei der Wasserstofftechnologie handelt es sich im Grunde um eine Form der Stromgewinnung. Diese geschieht in sogenannten Brennstoffzellen.

In der Brennstoffzelle wird aus Wasserstoff elektrischer Strom gewonnen, indem Wasserstoff und Luftsauerstoff miteinander reagieren. Heraus kommt dabei zum einen Wasser, zum anderen Wärme und elektrische Energie. Den Effekt lernen Schüler als Knallgasreaktion kennen.

Der Vorgang wird auch als Umkehrung der Elektrolyse beschrieben, bei der Wasser mithilfe eines elektrischen Stroms in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird.

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Erstellt:
11. August 2020, 06:00 Uhr

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