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Faible für kommunale Themen

Natalia Grabke, Jugendvertreterin der Stadt Backnang, besucht als Blattkritikerin die Redaktion

Sie interessiert sich vor allem für kommunalpolitische Themen: Natalia Grabke im Gespräch mit Redaktionsleiter Kornelius Fritz. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Sie interessiert sich vor allem für kommunalpolitische Themen: Natalia Grabke im Gespräch mit Redaktionsleiter Kornelius Fritz. Foto: A. Becher

Von Ingrid Knack

BACKNANG. Im Rahmen der Kampagne „Journalismus zeigt Gesicht“ hatte die Redaktion der Backnanger Kreiszeitung und Murrhardter Zeitung gestern eine junge Blattkritikerin zu Gast: Die 19-jährige Natalia Grabke, eine der vier Jugendvertreter – inklusive Stellvertreter – im Jugend- und Sozialausschuss der Stadt Backnang. Sie besucht am Technischen Gymnasium in Backnang eine 13. Klasse mit IT-Profil. Da liegt die erste Frage von Redaktionsleiter Kornelius Fritz nahe: „Lesen Sie überhaupt Zeitung?“ In die gedruckte BKZ schaut die Schülerin beispielsweise, wenn sie im Jugendzentrum ist – dort ist sie aktives Mitglied und war auch eine zeitlang für die Pressearbeit zuständig. Bei ihr zu Hause flattert die BKZ nicht jeden Tag in den Briefkasten. Meist informiert sich Natalia Grabke online über das, was in der Stadt passiert. Insbesondere interessiert sie sich für kommunalpolitische Themen und da ganz speziell für Berichte aus dem Backnanger Gemeinderat. Das Wissen um das, was in der Stadt geht und was nicht, gehört zum Engagement als Jugendvertreterin. Außerdem kandidierte Grabke bei der jüngsten Kommunalwahl auf der Liste der Backnanger Demokraten. Online liest die Schülerin überdies die FAZ und hin und wieder die Zeit – ihr Blick fällt da auch gerne auf Umweltthemen. Für digitalen Journalismus in unterschiedlichsten Ausprägungen ist sie offen.

Artikel über Veranstaltungen stoßen auf ihr Interesse

Die Rubriken auf der relaunchten BKZ-Website schätzt die externe Blattkritikerin. So findet sie schnell die Artikel, die Backnang betreffen. Was im Umland passiert, ist ihr nicht so wichtig. Und sie sagt: „Ich habe die BKZ auf Facebook abonniert.“ Die Kommentare dort lässt sie aber meist links liegen. Artikel in der Zeitung beispielsweise über Veranstaltungen im Merlin und im Jugendzentrum liest sie gerne. Den Sportteil überblättert sie hingegen eher.

Die Annahme, dass junge Menschen keine längeren Texte mehr lesen, bestätigt Natalia Grabke nicht. Wenn sie etwas interessiert, bleibt sie dran, auch wenn ein Artikel inklusive Bildern über eine ganze Zeitungsseite geht. In Bezug auf Meinung in Artikeln plädiert die Schülerin für klare Trennung von Bericht und Kommentar, so wie es die Backnanger und Murrhardter Zeitung auch pflegen. Zum Thema Leserbriefe lässt die Jugendvertreterin wissen: „Ich genieße sie mit Vorsicht. Wenn ich den Autor kenne, dann lese ich sie. Es kommen oft auch sehr polarisierende Texte, die lasse ich dann doch lieber weg. Die Meinung kann ich mir auch am Stammtisch anhören.“ Als Leser müsse man sich darüber bewusst sein, dass die Zeilen von Lesern verfasst wurden.

Auf die Frage, ob sie an der Zeitung etwas stört, führt Grabke die Berichterstattung über eine Frau an, die im Wonnemar in Burkini und Niqab schwimmen ging. Das Thema sei ziemlich aufgebauscht worden. „Das hat zu einer übergroßen Diskussion geführt.“ Im Prinzip habe die Frau doch genau so eine Kleidung getragen, die für Freibäder vorgeschrieben sei.

„Wären junge Leute auch bereit, für Inhalte in der Zeitung zu bezahlen?“ Im Anschluss an diese Frage folgt eine Diskussion über das Medienverhalten junger Menschen und den Wert, den gut recherchierte Artikel haben – für die Korrespondenten mitunter sogar ihr Leben aufs Spiel setzen. Und da wäre noch der ganze Apparat eines Zeitungsverlags, der auch finanziert werden will – vom Redakteur über freie Mitarbeiter, Drucker bis hin zu den Austrägern. Auf jeden Fall kostet es viel Geld, Inhalte wie in der BKZ und MZ zu produzieren.

Wenn man nicht bereit sei, für Inhalte zu bezahlen, liege dies weniger an der Generation, sondern an den Lebensumständen, erklärt Grabke. „Als Schüler oder als Student will man keine 40 Euro im Monat ausgeben.“

Und was wäre, wenn eine Bezahlschranke eingeführt würde, wenn man also im Internet für einzelne Artikel einen bestimmten Betrag bezahlen müsse? Dann, so befürchtet Grabke, würden wohl die meisten Jugendlichen die Berichte eben nicht lesen. Dies habe auch damit zu tun, dass die Bindung an die Stadt vielleicht nicht so groß sei. Viele junge Menschen zieht es zunächst einmal in die Fremde. Grabke sagt auch: „Wenn man in einer kleinen Ortschaft wohnt, in Backnang zur Schule und in Stuttgart feiern geht, schaut man sich nicht die Kommunalpolitik in allen drei Orten an.“ Darüber hinaus kommt die Gesprächsrunde, an der neben Redaktionsleiter Kornelius Fritz auch Verleger Werner Stroh und einige Redakteure teilnehmen, auf junge Familien zu sprechen. Hier sieht es schon wieder ganz anders mit der Bindung an den Wohnort und die Heimatzeitung aus.

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Erstellt:
15. Januar 2020, 06:00 Uhr

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