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Fair-Trade-Produkte „Made in Ghana“

Vertreterinnen der Organisation Global Mamas sind in Backnang zu Gast, um ihr Produktionsmodell vorzustellen

Global Mamas heißt eine Initiative, die Frauen in Ghana fördert, um sich eine sichere Existenz mit der Herstellung von Textilien aufzubauen. Um die erste Phase zur Errichtung einer Fair-Trade-Zone zu realisieren, wurde das Forum Eine Welt Backnang aktiv. Im Rahmen der bundesweiten Fairen Woche sind zwei Vertreterinnen aus Afrika zu Gast.

Barbara Tetteh Appain (Dritte von links) und Patience Essibu (rechts) von Global Mamas sind im Rahmen der Fairen Woche bei Christina Bornhak, Christine Lorenz-Gräser und Gabi Ludwig (von links) in Backnang zu Gast. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Barbara Tetteh Appain (Dritte von links) und Patience Essibu (rechts) von Global Mamas sind im Rahmen der Fairen Woche bei Christina Bornhak, Christine Lorenz-Gräser und Gabi Ludwig (von links) in Backnang zu Gast. Foto: A. Becher

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Die bundesweite Faire Woche beschäftigt sich in diesem Jahr mit dem Thema der Geschlechtergerechtigkeit unter dem Motto „Gleiche Chancen durch Fairen Handel“. Rund 2000 Veranstaltungen finden in diesem Rahmen statt. Nach Backnang wurden Patience Essibu und Barbara Tetteh Appain von der Frauenkooperation Global Mamas in Ghana eingeladen. Die Initiative besteht seit 15 Jahren und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen in Ghana zu fördern, indem sie ausgebildet und ihnen existenzsichernde Arbeitsplätze angeboten werden. Global Mamas produziert Bekleidung und Heimtextilien aus Biobaumwolle und stellt die Stoffe dafür in Wachsbatiktechnik her. Außerdem produziert Global Mamas Schmuck aus Recyclingglas und Kosmetik aus Sheabutter, insgesamt an neun verschiedenen Produktionsstätten in Ghana. Mit sechs Frauen wurde die Initiative 2003 in Cape Coast gegründet. Die erste Angestellte der Organisation, Patience Essibu, ist mittlerweile die leitende Managerin der Frauenkooperation, zu der heute fast 350 Angestellte gehören. Übrigens werden auch zehn Männer beschäftigt.

Die Produktionsstätte soll vorbildlich gestaltet sein

Gabi Ludwig, die frühere Geschäftsführerin des Backnanger Weltladens, bezog als eine der wenigen deutschen Abnehmer schon lange Produkte von Global Mamas. Nachdem sie sich mit der Firma „handtrade“ auf den direkten Import und Vertrieb von ökologischer und fair produzierter Bekleidung spezialisierte, wurde ihr vorgeschlagen, den europäischen Vertrieb zu übernehmen. „Egal wo man Produkte von Global Mamas in Europa kauft, es läuft immer über Backnang“, sagt sie beim Gespräch im Weltladen. Sie sei sozusagen das „europäische Gesicht“ von Global Mamas.

Obwohl Global Mamas eine Erfolgsgeschichte ist, birgt die dezentrale Organisation auch Nachteile. Nun wurden Schritte unternommen, die erste Fair-Trade-Zone in Ghana zu errichten. Diese soll weiteren 200 Frauen einen sicheren Arbeitsplatz in der Textilproduktion bieten. Das Gelände wird im Stil eines Campus errichtet und neben dem Platz für den Stoffdruck und die Näherei auch eine Kindertagesstätte, Seminarräume und ein Hostel beherbergen. Ziel soll es sein, neben einer effektiven und zentralen Produktion, auch Seminare abzuhalten und Begegnungen zu ermöglichen. Das Grundstück ist im Besitz der Kooperation und wurde inzwischen erschlossen.

Mit der Produktionsstätte möchte man vorbildlich sein: Die Gebäude werden aus nachwachsenden und Upcycling-Materialien errichtet, um sie kostengünstig zu erstellen und zu betreiben. Die Dächer werden in V-Form geplant, um Regenwasser zu nutzen und mit Sonnenkollektoren bestückt zu werden. Der Betrieb der Fair-Trade-Zone soll CO2-neutral sein und mit Solar- und Windkraft betrieben werden. Unterstützt wird das Projekt von dem in Backnang gegründeten Verein Forum Eine Welt und der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit (SEZ).

Mithilfe der Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung konnten nun die beiden Vertreterinnen von Global Mamas nach Deutschland kommen. Natürlich haben sie den Weltladen Backnang besucht. Abgesehen davon haben die Frauen aus Ghana in den zwei Wochen Aufenthalt ein straffes Programm. Fast jeden Tag reisen sie in eine andere deutsche Stadt und besuchen Geschäfte, die Fair-Trade-Ware verkaufen, um für ihr Modell eine Lanze zu brechen, oder Schulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung.

Barbara Tetteh Appain hat zum ersten Mal ihr Land verlassen. Sie ist Designerin bei Global Mamas. Natürlich interessiert sie der deutsche Modegeschmack. Auch bekommt sie hier ein besseres Verständnis dafür, dass Europäerinnen meist andere Körpermaße haben als Afrikanerinnen. Viele Eindrücke werden in die weiteren Produktionen einfließen. Sie hat einen Stempel aus Schaumstoff mitgebracht, um zu demonstrieren, wie sie verschiedene Formen hineinschneiden, um mit heißem Wachs und nachträglichem Färben interessante Muster zu erzeugen. Übrigens werden auf dem Etikett jedes textilen Produkts die Namen der Näherin, Batikerin und Qualitätsprüferin vermerkt. Im Internet kann man sich anschauen, wer das ganz individuelle Kleidungsstück gemacht hat. Patience Essibu unterstreicht, sie sei sehr glücklich und stolz, dass Menschen in Deutschland tragen, was sie in Afrika produziert haben.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.forum-eine-welt.de.

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Erstellt:
25. September 2019, 11:30 Uhr

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