Woche der Pressefreiheit
Fake News erkennen – wie Medienbildung unsere Demokratie schützt
Sie sind oft gut getarnt und können gefährlich werden: Fake News. Wie man sich schützen kann, lernen Jugendliche bei den Schülermedientagen.
© Ferdinando Iannone
Joachim Dorfs, Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten, im Gespräch mit Jugendlichen einer Stuttgarter Schule bei den Schülermedientagen 2025.
Von Kathrin Zinser
Vermeintlicher Wahlbetrug bei der baden-württembergischen Landtagswahl, gefälschte Satellitenbilder brennender Öl- und Gas-Anlagen in den Golfstaaten oder der Mythos, dass E-Autos viel häufiger in Brand geraten als Verbrenner: Im Internet kursieren unzählige Desinformationen.
Ein häufiges Ziel solcher Fake News ist es, Menschen zu manipulieren und sie in ihren Entscheidungen zu beeinflussen. Das lässt sich besonders leicht erreichen, wenn eine Information starke Gefühle wie Wut oder Angst hervorruft. Dann gerät das Gehirn in eine Art Flucht-oder-Kampf-Modus, und man ist weniger zugänglich für rationale Argumente. Fake News können deshalb leicht eine gefährliche Dynamik entwickeln. Wie also kann man sich davor schützen?
Medienschaffende im Klassenzimmer
Rund um den Internationalen Tag der Pressefreiheit besuchen Journalistinnen und Journalisten im Rahmen der Schülermedientage bundesweit Schulen, um mit Jugendlichen über die Bedeutung unabhängiger Berichterstattung zu diskutieren. Sie erklären, wie sie arbeiten, und zeigen, wie man manipulative Inhalte von seriösen Informationen unterscheidet.
Die Aktion entstand 2019 in Bayern, als unter anderem der Journalist Klaus Ott von der Süddeutschen Zeitung und weitere Medienschaffende erstmals dazu aufriefen, direkt in die Klassenzimmer zu gehen, erklärt Thomas Franke, Leiter der Außenstelle Ludwigsburg der Landeszentrale für politische Bildung (LpB): „Aus dieser zunächst regionalen Initiative entwickelte sich rasch ein bundesweites Netzwerk, das heute unter dem Dach des Vereins ‚Journalismus macht Schule’ organisiert ist. Das Motto lautet dabei: #PressefreiheitMachtSchule.“
Auch in Baden-Württemberg sind die Schülermedientage inzwischen fest etabliert. Im Regierungsbezirk Stuttgart organisiert die Außenstelle Ludwigsburg der LpB seit 2020 die Veranstaltungen gemeinsam mit regionalen Medienhäusern. Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten waren von Anfang an dabei.
Mit Medienkompetenz gegen Fake News
Das Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, Informationen in der Flut von Nachrichten kritisch einzuordnen und Quellen zu hinterfragen, um sich letztlich eine fundierte Meinung bilden zu können. Sie erfahren, welche Merkmale für seriöse Berichterstattung sprechen – wie etwa eine klare Trennung zwischen Meinung und Nachricht, das Zwei-Quellen-Prinzip oder ein transparenter Umgang mit eigenen Fehlern.
Die Schülermedientage fördern Thomas Franke zufolge die Demokratiebildung, indem sie Medienkompetenz gegen Desinformation stärken und den Wert freier Presse vermitteln. Auch das Vertrauen in unabhängigen Journalismus könne durch die direkte Begegnung und Diskussion mit Redakteurinnen und Redakteuren gestärkt werden.
Der Bedarf wächst
„Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass der Bedarf an solchen Formaten deutlich gestiegen ist. Mit der zunehmenden Nutzung von Social Media und digitalen Plattformen wächst auch die Unsicherheit im Umgang mit Informationen“, stellt der Leiter der LpB-Außenstelle Ludwigsburg fest. Wem kann man vertrauen?
Redakteurinnen und Redakteure haben den verantwortungsvollen Umgang mit Quellen und Informationen im Volontariat gelernt, haben sich in dieser zweijährigen Ausbildung mit dem Pressekodex, rechtlichen Vorgaben sowie dem Handwerkszeug zum Schreiben einer Reportage oder eines Kommentars vertraut gemacht. Das unterscheidet sie von jenen im Netz, die ohne journalistische Ausbildung Informationen verbreiten.
Bis zu 30 Workshops
Laut Thomas Franke hat die Außenstelle Ludwigsburg in den vergangenen Jahren in der Woche rund um den 3. Mai mit ihren Medienpartnern zwischen 20 und 30 Workshops beziehungsweise Vorträge angeboten. Dabei seien die Rückmeldungen aus den Schulen durchweg positiv. „Lehrkräfte schätzen insbesondere die Praxisnähe des Formats: Wenn Journalistinnen und Journalisten aus ihrem Alltag berichten, entsteht ein Zugang, der über theoretische Vermittlung hinausgeht“, sagt Franke.
Und auch außerhalb der Schülermedientage engagieren sich Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten in der Medienbildung von Kindern und Jugendlichen: Mit den Projekten „Zeitung in der (Grund-)Schule“ und „Nachrichten in der (Grund-)Schule“ können Lehrkräfte seriösen Journalismus in den Unterricht holen.
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Der Internationale Tag der Pressefreiheit wird jährlich am 3. Mai gefeiert, um die Bedeutung von freiem Journalismus für die Demokratie zu würdigen. Weltweit stehen seriöse Medien unter Druck – politisch, wirtschaftlich, technologisch. Autokratische Regime unterdrücken die Meinungsfreiheit, in Sozialen Medien werden ungeprüft Falschnachrichten, Hass und Hetze verbreitet. Aber wenn Ideologie wichtiger wird als Fakten, stirbt die Demokratie. Umso wichtiger wird in Zukunft fundierter Journalismus, der von verantwortungsbewussten, gut ausgebildeten, der Wahrheit und der Demokratie verpflichteten Menschen produziert wird – und nicht von Maschinen.
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