Fall Epstein
Von 2019 bis heute – Chronologie des Absturzes von Ex-Prinz Andrew
Er pflegte enge Beziehungen zu Epstein und erlebte in den vergangenen Jahren einen tiefen Fall. Eine Chronologie von Epsteins Tod bis zur Verhaftung des ehemaligen Prinzen.
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Schrittweise werden im Januar die Akten zum Fall Epstein veröffentlicht. Der ehemalige Prinz Andrew wird darin mehrfach namentlich erwähnt. (Archivbild)
Von red/dpa
Einst war er ein Prinz der britischen Royals, dann verliert Andrew seinen Titel und wird festgenommen. Vorgeworfen werden ihm mehr als enge Verbindungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Als dieser stirbt, geht es mit dem Royal bergab – eine Chronologie.
2019: Jeffrey Epstein stirbt in seiner Zelle
Der US-Finanzier Jeffrey Epstein wird vor seinem Prozess im August tot in seiner Zelle in New York aufgefunden. Ihm wird sexuelle Ausbeutung von Dutzenden Minderjährigen vorgeworfen. Dass Epstein und der damalige Prinz Andrew befreundet waren, ist bekannt. Die Londoner Polizei entscheidet sich dennoch gegen eine vollständige Untersuchung des Royal.
2019: Interview mit der BBC
Andrew, der jüngere Bruder des späteren Königs Charles III., weist in einem viel beachteten Interview im November 2019 mit dem britischen TV-Sender BBC Vorwürfe zurück, die US-Amerikanerin Virginia Giuffre als Minderjährige vergewaltigt zu haben. Er erklärt, sich nicht an eine Begegnung erinnern zu können. Der Auftritt gilt als kommunikatives Desaster.
2020: Kritik von US-Ermittlern
Die New Yorker Staatsanwaltschaft wirft Andrew im März 2020 vor, die Mitarbeit als Zeuge zur Aufklärung des Epstein-Falles verweigert zu haben. Der Prinz streitet die Anschuldigungen später weiter ab, legt aber alle royalen Aufgaben nieder und lässt sich in der Öffentlichkeit kaum mehr blicken. Im selben Jahr taucht ein Videointerview aus 2015 auf, in dem der spätere US-Präsident Donald Trump Epsteins Insel als Kloake bezeichnet und den Reportern rät, sich mit Fragen an Andrew zu wenden.
2021: Klage gegen Andrew
Virginia Giuffre reicht im August 2021 eine Zivilklage gegen den Royal ein. Sie wirft ihm sexuellen Missbrauch an drei Anlässen vor - darunter in Epsteins Villa. Die Londoner Polizei kündigt an, die Vorwürfe gegenüber Andrew erneut zu prüfen. Dessen Anwalt nennt die Anschuldigungen „unbegründet, nicht haltbar und potenziell rechtswidrig“.
2021: Epsteins Komplizin schuldig gesprochen
In der zweiten Jahreshälfte beginnt ein Prozess gegen Epsteins ehemalige Partnerin Ghislaine Maxwell, die zuvor auch von Giuffre angeklagt wurde. Ein Pilot Epsteins sagt im Prozess aus, Andrew sei mehrfach an Bord des in einigen Medien spöttisch als „Lolita-Express“ bezeichneten Flugzeugs gewesen. Sexuelle Handlungen habe er dabei jedoch nicht mitbekommen. Maxwell wird schuldig gesprochen.
2022: Entzug royaler Funktionen und Vergleich vor Gericht
Queen Elizabeth II. entzieht ihrem Sohn alle militärischen Dienstgrade und royalen Schirmherrschaften. Zuvor hatten mehr als 150 britische Militär-Veteranen dazu aufgefordert, ihn von seinen Rollen zu entbinden. Auch finanzielle Unterstützung gibt es für den Rechtsstreit mit Giuffre nicht mehr. Die Missbrauchsklage endet mit einer außergerichtlichen Einigung im Februar.
2023: Andrew streitet Vorwürfe weiter ab
Andrew will auch nach der Einigung mit Giuffre weiter gegen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vorgehen. Das berichtet die britische Boulevardzeitung „The Sun“ im Januar 2023.
2024: 170 Kontakte von Epstein veröffentlicht
In über 900 Seiten Gerichtsunterlagen über den Epstein-Fall taucht im Januar 2024 der Name des Royals Dutzende Male auf. Darin wird auch Giuffres Vorwurf der Vergewaltigung erwähnt.
2025: König Charles III. entzieht Prinzentitel
Virginia Giuffre stirbt im Alter von 41 Jahren im April in Australien. In einer Mitteilung ihrer Familie heißt es: „Sie hat ihr Leben durch Selbstmord verloren, nachdem sie ein Leben lang Opfer von sexuellem Missbrauch und Sexhandel war.“ Nach ihrem Tod erscheinen ihre Memoiren „Nobody’s Girl“, die den Druck auf Andrew weiter erhöhen. Sein Bruder, König Charles III., entzieht Andrew im Oktober den Prinzentitel. In den USA wird für eine Veröffentlichung der Epstein-Dokumente gestimmt.
2026: Andrew wird verhaftet
Schrittweise werden im Januar die Akten zum Fall Epstein veröffentlicht. Der ehemalige Prinz wird darin mehrfach namentlich erwähnt. Ein schwarz-weißes Foto soll ihn etwa dabei zeigen, wie er lachend über den Schößen mehrerer Personen liegt. Die verurteilte Ghislaine Maxwell ist darauf ebenfalls zu sehen. Am 19. Februar nimmt die britische Polizei den ehemaligen Prinzen Andrew schließlich fest.
Ihm wird Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt vorgeworfen. Andrew soll in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an Epstein weitergeleitet haben. Mutmaßliche Sexualdelikte werden in den Angaben zur Festnahme nicht erwähnt.
