Stromausfall in Berlin

Fauxpas in der Hauptstadt

Berlins Regierungschef verbreitete über seine Arbeit während des Blackouts nicht die ganze Wahrheit. Der Patzer könnte noch schwere Konsequenzen haben, kommentiert Rainer Pörtner.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bei einem Presseauftritt vor einem Berliner Umspannwerk, das von den Anschlägen auf das Stromnetz betroffen war

© Soeren Stache/dpa

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bei einem Presseauftritt vor einem Berliner Umspannwerk, das von den Anschlägen auf das Stromnetz betroffen war

Von Rainer Pörtner

Krisen definieren die Karrieren von Politikern. Das öffentliche Bild, das sie in einem kritischen Moment abgeben, kann ihren Einfluss dauerhaft befördern oder beschädigen. Helmut Schmidt (SPD) blieb sein Leben lang der „Herr der Flut“, weil er 1962 als Hamburger Innensenator beherzt die Rettungsmaßnahmen während einer Sturmflut anführte. Gerhard Schröder (SPD) profilierte sich – ob zu Recht oder Unrecht, mag dahingestellt bleiben – als starker „Macher“, weil er in Regenjacke und Gummistiefeln in Elbdörfern auftauchte, die unter der Jahrhundertflut des Jahres 2002 litten. Armin Laschet (CDU) dagegen erholte sich politisch nie mehr von den Fernsehbildern, die ihn 2021 scherzend und lachend während eines Besuchs in den nordrhein-westfälischen Hochwassergebieten zeigten.

2026: Wichtige Wahlen in Berlin und Sachsen-Anhalt

Berlins Regierender Bürgermeister erlebt gerade einen Laschet-Moment. Kai Wegner hatte sich selbst als Mann dargestellt, der am ersten Tag des großen Stromausfalls in der Hauptstadt pausenlos für die betroffenen Menschen arbeitete. Nun musste er einräumen, dass er tatsächlich an jenem Tag gut eine Stunde auf dem Tennisplatz verbrachte.

Dieser Fauxpas wird den CDU-Politiker aktuell zwar nicht das Amt kosten. Aber Ende September wird in Berlin gewählt – und für die Christdemokraten könnte es dort ähnlich eng werden wie kurz davor in Sachsen-Anhalt. In beiden Fällen müssen sie sich sorgen, dass sie den Chefsessel verlieren.

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Erstellt:
8. Januar 2026, 13:36 Uhr

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