FC Bayern jagt das Triple
Vincent Kompany lässt kurz das Feierbiest raus. Die Münchner genießen ihre 35. Meisterschaft vorerst aber nur gedrosselt – mit einem Kakadu im Schlepptau.
Von dpa
München - Für seinen Triple-Traum hat der FC Bayern eine Expedition ins Tierreich unternommen und den Kakadu aus der Requisitenkiste gezogen. Die im vergangenen Jahr bei ihrer damaligen Meister-Party aus einem Münchner Nobelrestaurant stibitzte Porzellanfigur soll Trainer Vincent Kompany und seiner Mannschaft diesmal den Weg zum dreifachen Triumph weisen.
„Ich glaube, der Kakadu macht eine große Reise“, meinte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen, nachdem die Bayern am Sonntagabend Teil eins ihrer Mission erfüllt hatten. Mit einem imponierenden 4:2 (3:1) gegen Champions-League-Kandidat VfB Stuttgart sicherte sich der Rekordchampion vorzeitig schon zum 35. Mal die deutsche Fußball-Meisterschaft.
Der Kakadu, diese kuriose Kultfigur der Münchner, die auch auf den Meister-T-Shirts samt Schale abgebildet war, kennt längst die avisierte Reiseroute, die abgesehen von den notwendigen Zwischenstationen am 23. Mai nach Berlin zum DFB-Pokal-Finale und eine Woche darauf am 30. Mai nach Budapest zum Champions-League-Endspiel führen soll. „Wir haben den wichtigsten Titel gewonnen, die deutsche Meisterschaft, aber es ist more to come“, sagte Dreesen.
Stars wie Harry Kane und Joshua Kimmich feierten die schon am 30. Spieltag perfekt gemachte Meisterschaft in der Spielerlounge der Allianz-Arena. Es stand jedoch nur ein gedämpftes Vergnügen auf dem Programm. Schließlich liegen noch zwei ganz große Triple-Schritte vor den Münchnern. „Die Spieler freuen sich, und natürlich wissen sie auch, dass sie es heute nicht übertreiben dürfen. Aber ich glaube schon, dass sie ein bisschen feiern werden“, meinte Dreesen.
Dass aber diese Meisterschaft gefeiert wurde, wenn auch nicht mit dem sonst typischen Weißbier auf dem Rasen, war Kompany ganz wichtig. Jeder Titel sei für ihn der erste. „Ich möchte null Arroganz zu diesen Titeln haben und sie auch feiern und genießen“, sagte der Belgier nach seiner zweiten Meisterschaft in seinem zweiten Jahr mit dem FC Bayern. „Ich möchte diesen Titeln den Respekt geben, den sie verdienen.“
Kompany ging mit gutem Beispiel voran und ließ sich von der Fankurve lautstark zu Jubelposen animieren. Zumindest für einige Momente ließ er dabei das Feierbiest in sich zum Vorschein kommen. „Er ist einfach ein großartiger Trainer, der weiß, wie man Titel feiert“, bescheinigte ihm Sportvorstand Max Eberl. „Wir sind einfach stolz, dass wir ihn als Trainer haben, und ich bin stolz, dass ich diesen Menschen kennengelernt habe.“
Kane, der in der vergangenen Saison endlich seinen ersten Titel gewonnen hatte, genoss ebenfalls den Anblick des Trainers. „Er ist ein sehr ausgeglichener Typ, er lässt sich weder von Höhen noch Tiefen aus der Ruhe bringen, aber er liebt es zu gewinnen“, sagte Kane, der schon 51-mal in dieser Saison traf. „Es ist ein großartiger Moment für ihn, mit den Fans zu feiern.“
Kompany war an diesem Abend zumindest für kurze Zeit ganz im Moment der Ausgelassenheit. Dennoch war es für ihn ein Leichtes, schnell wieder in den Alltag eines vom Erfolg getriebenen Vereins zu finden. „Wir haben noch genügend Zeit, um das zu feiern, was wir schon erreicht haben. Aber jetzt geht es nur darum, was wir noch erreichen können. Und dann brauchst du natürlich diesen totalen Fokus“, sagte Kompany, der im Sommer 2024 als Notlösung vom FC Burnley gekommen war und mittlerweile als Ideallösung gilt. „Die Jungs werden marschieren, auf jeden Fall.“
Nur drei Tage nach dem vollzogenen ersten Triple-Schritt wollen die Bayern am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) bei Bayer Leverkusen erst das Ticket nach Berlin und dann Anfang Mai nach den beiden Halbfinals in der Königsklasse gegen Titelverteidiger Paris Saint-Germain das Ticket nach Budapest buchen – für sich und den Kakadu: „Der hat schon die letztjährigen Feierlichkeiten dominiert. Der hat jetzt lange warten müssen, bis wir ihn wieder rausgelassen haben aus seinem Käfig“, sagte Goretzka über den Vogel, der mittlerweile zu den unverzichtbaren Party-Accessoires der Mannschaft gehört.
Bei den Feierlichkeiten fehlte ein Nationalspieler schmerzlich: Serge Gnabry. Der gerade so formstarke Offensivspieler zog sich im Abschlusstraining für das Stuttgart-Spiel eine schwere Verletzung der Adduktoren zu. Die Saison für den 30-Jährigen dürfte gelaufen sein, die WM ist in Gefahr.
