Feuerwehrhaus kommt mit Verspätung

Seit vielen Jahren warten die Feuerwehrleute in den Backnanger Stadtteilen Maubach, Waldrems und Heiningen auf den Bau eines neuen Gerätehauses, nächstes Jahr soll es endlich losgehen. 5,6 Millionen Euro lässt sich die Stadt den Neubau kosten.

Die Feuerwache in Verl-Kaunitz wurde vom selben Architekten geplant wie das neue Gerätehaus im Backnanger Süden. Wie bei dem Projekt in Nordrhein-Westfalen soll auch der hiesige Neubau eine helle Klinkerfassade bekommen. Foto: Büro Wypior

Die Feuerwache in Verl-Kaunitz wurde vom selben Architekten geplant wie das neue Gerätehaus im Backnanger Süden. Wie bei dem Projekt in Nordrhein-Westfalen soll auch der hiesige Neubau eine helle Klinkerfassade bekommen. Foto: Büro Wypior

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Es ist ein Projekt mit langer Vorgeschichte: Erst wurde jahrelang kontrovers über den richtigen Standort diskutiert, dann zogen sich die Verhandlungen über den Grundstückskauf in die Länge. Nun scheinen endlich alle Hürden aus dem Weg geräumt: Bei vier Enthaltungen hat der Technische Ausschuss des Gemeinderats am Donnerstag der Planung für das neue Feuerwehrhaus Süd zugestimmt. Wenn nächste Woche auch die Vollversammlung grünes Licht gibt, steht einem Baubeginn im nächsten Jahr wohl nichts mehr im Weg. Im Frühjahr 2023 soll der Neubau fertig sein.

Selbst eine mögliche Klage der Bürgerinitiative „Wir für vier“ wird den Zeitplan nach Einschätzung von Baudezernent Stefan Setzer nicht gefährden. Zwar könnten die Gegner, die seit Jahren gegen den Standort zwischen Heiningen und Waldrems mobilmachen und das neue Gerätehaus lieber im Gewerbegebiet Mühläcker sehen würden, sowohl gegen den Bebauungsplan als auch gegen die Baugenehmigung Rechtsmittel einlegen. Eine Klage habe aber keine aufschiebende Wirkung. Zudem habe man alle möglichen Einwände schon im Vorfeld intensiv geprüft. „Wir haben daher überhaupt keinen Anlass zur Vermutung, dass der Zeitplan auf diesem Weg noch gekippt wird“, erklärt Setzer.

Für die Kameraden in den südlichen Stadtteilen bedeute der Neubau eine große Verbesserung, sagt der Backnanger Feuerwehrkommandant Marcus Reichenecker: „Sie können dann wesentlich komfortabler und effizienter arbeiten.“ Und auch die Bevölkerung werde profitieren: Durch die Bündelung der drei Abteilungen an einem Standort werde man bei Bränden und anderen Notfällen künftig schneller und mit mehr Kräften ausrücken können.

Lärmschutzwand und Wälle sollen Anwohner schützen.

Geplant wurde das neue Feuerwehrhaus vom Stuttgarter Architekten Martin Wypior, der schon mehrere Feuerwehrhäuser gebaut hat, unter anderem in Stuttgart-Stammheim und in Verl-Kaunitz in Ostwestfalen. Das geplante Gebäude bietet Platz für fünf Feuerwehrfahrzeuge, ihre Privatautos können die Wehrleute auf einem Parkplatz hinter dem Haus abstellen. Im Erdgeschoss befinden sich außerdem Umkleide- und Waschräume für beide Geschlechter. Erstmals in Backnang wird dabei auch die sogenannte Schwarz-Weiß-Trennung umgesetzt: Um zu verhindern, dass die Wehrleute möglicherweise giftige Schadstoffe an ihrer Kleidung nach Hause tragen, werden die verrußte Einsatzkleidung und die Alltagskleidung in getrennten Räumen aufbewahrt.

Im Obergeschoss befinden sich unter anderem ein Schulungsraum, ein Raum für die Jugendfeuerwehr und eine Küche. Für gesellige Anlässe gibt es einen „Kameradschaftsraum“ und sogar eine Dachterrasse. Das Raumkonzept sei in enger Abstimmung mit den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten entwickelt worden, berichtete der Architekt.

Beheizt wird das Gebäude mit Holzpellets, das Flachdach wird begrünt, außerdem ist dort eine Fotovoltaikanlage geplant. Verkleidet wird das Feuerwehrhaus mit einer Klinkerfassade: Die sei langlebiger und weniger empfindlich als zum Beispiel Putz, erklärte Hochbauamtsleiter Andreas Stier. Erster Bürgermeister Siegfried Janocha zeigte sich angetan von dem Entwurf: „Das Gebäude ist aus meiner Sicht nicht nur funktional und organisatorisch auf die Bedürfnisse der Feuerwehr ausgerichtet, sondern auch in gestalterischer Hinsicht sehr ansprechend, robust und nachhaltig.“

Eine besondere Herausforderung war der Lärmschutz. Um alle Grenzwerte einzuhalten und die Nerven der Anwohner nicht über Gebühr zu strapazieren, wird das Gebäude um etwa 23 Meter von der Neckarstraße abgerückt und nach vorne durch eine drei Meter hohe Lärmschutzwand abgeschirmt. An den Seiten sollen aufgeschüttete Wälle eine Ausbreitung des Schalls in die angrenzenden Wohngebiete verhindern.

Die Kostenschätzung für das neue Feuerwehrhaus liegt bei 5,6 Millionen Euro, bei weiterhin steigenden Baukosten könnten daraus aber auch 5,9 Millionen werden, warnte Andreas Stier die Stadträte schon einmal vor. Der erwartete Zuschuss von 275000 Euro fällt im Vergleich dazu eher bescheiden aus.

Trotzdem gibt es im Gemeinderat breite Unterstützung für das Projekt: „Unsere Stadt kann sich freuen, eine so leistungsfähige Feuerwehr zu haben. Deshalb müssen wir für sie auch die bestmöglichen Arbeitsbedingungen schaffen“, sagte CDU-Stadtrat Gerhard Ketterer. Grünen-Fraktionschefin Melanie Lang, die selbst bei der Feuerwehr aktiv ist, lobte, dass die Ehrenamtlichen in die Planung einbezogen wurden.

SPD-Fraktionschef Heinz Franke erinnerte noch einmal an die langwierigen Diskussionen, die dem Baubeschluss vorangegangen waren: „Ich kenne kaum ein Projekt, das so lange in der Pipeline war. Jetzt bin ich froh, dass wir hoffentlich durch sind.“ CDU-Sprecherin Ute Ulfert sieht das ähnlich, betonte aber auch: „Durch die lange Beratungszeit haben wir nicht nur Zeit verloren, sondern auch Verbesserungen erzielt, etwa beim Lärmschutz.“ Leise Kritik äußerte lediglich Karl Scheib vom Bürgerforum Backnang. Der Maubacher Ortsvorsteher findet den geplanten Neubau nicht nur „ein bisschen luxuriös“, sondern hätte sich auch einen Standort gewünscht, der näher zu Maubach liegt.

Zum Artikel

Erstellt:
17. Oktober 2020, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Stadt & Kreis

Rückhalt und Gegenwind für Ostfalk

In Auenwald wird im März 2021 der Bürgermeister gewählt. „Der derzeitige Stelleninhaber beabsichtigt, sich wieder zu bewerben.“ Die vier Gemeinderatsfraktionen haben zu ihrem Schultes viel Gutes zu sagen, sprechen aber auch etliche kritische Aspekte an.