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„Finanziell wird es ein sehr schweres Jahr“

Nachdem sich der Sommer anfangs etwas geziert hat, ist es jetzt voll im Backnanger Freibad. Pünktlich zu Beginn der Sommerferien dreht das Thermometer auf. Betriebsleiter Ricardo Haas schildert, wie die Corona-Saison bis jetzt gelaufen ist.

Die meisten Besucher haben sich mit den Coronaregeln arrangiert. Dies nehmen auch die Wonnemar-Mitarbeiter mit Erleichterung zur Kenntnis.Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Die meisten Besucher haben sich mit den Coronaregeln arrangiert. Dies nehmen auch die Wonnemar-Mitarbeiter mit Erleichterung zur Kenntnis.Fotos: A. Becher

Von Heidrun Gehrke

BACKNANG. Große Erleichterung, insbesondere unter den Stamm-Schwimmern, als am 8. Juni nach Wochen des Bangens das Freibadtor zum ersten Mal öffnet. Über Wochen hinweg hat die eiserne Frühschwimmer-Crew das Bad bei kühlen Temperaturen, Regen, Wind und vereinzelten sommerlichen Tagen quasi für sich allein. Kein Kinderlachen dringt über den Zaun, wenn man nachmittags am Freibad vorbeikommt. Mit Beginn der heißen Tage werden die Warteschlangen erwartungsgemäß deutlich länger, Kinder kreischen vergnügt-schrill und die parkenden Autos bilden Kolonnen bis zur Wiesenfläche beim Wohnmobilstellplatz. Ausverkauft war das Freibad nach Auskunft von Betriebsleiter Ricardo Haas bis diesen Montag an sechs Tagen, erstmals an den letzten zwei Julitagen. Momentan sollte man für die begehrten Nachmittage rechtzeitig buchen, da seit Juni weiterhin nur 1000 Besucher gleichzeitig im Freibad sein dürfen.

Und wie lief’s bis jetzt? „Wenn man sich das Wetter und die Auflagen ansieht, ganz annehmbar, auch wenn es aus finanzieller Sicht ein sehr schweres Jahr wird“, antwortet Ricardo Haas und liefert eine Vergleichzahl: Im Juni seien 10.000 Gäste im Freibad gezählt worden, im Jahr 2019 waren es 41.000. Für die Gäste und besonders für die Sportschwimmer mag es sehr entspannt sein, wenn sich nur wenige Menschen die Bahnen teilen, so Haas. „Ich hoffe trotzdem, dass die nächste Freibad-Saison wieder normal läuft.“ Fast wie im Normalbetrieb sieht es kurz vor acht Uhr morgens oder an den Frühschwimmertagen Mittwoch und Freitag kurz vor halb sieben Uhr aus. Die „üblichen Verdächtigen“ parken am gewohnten Platz und stehen in der Schlange an, um als erste in die inzwischen 25 Grad warmen Fluten zu steigen. Jeder trägt Mundschutz und lässt ihn im Umkleidebereich auch an, die Mitarbeiter wachen über die Einhaltung der Maskenpflicht. „Was will man auch machen, muss halt sein“, sagt eine Aquajoggerin schulterzuckend. „Seien wir froh, dass überhaupt geöffnet ist und wenn es so bleibt“, reagiert eine zweite Frau, die ihre ausgedruckte Eintrittskarte in Händen hält. Wer ins Freibad will, muss vorher online buchen – Dauerkartenbesitzer eingeschlossen. Dadurch werde auch die Besucherobergrenze geprüft. Insbesondere für ältere Gäste sei das Onlinesystem ein großes Hindernis gewesen. Das Kassenpersonal habe versucht, so viele wie möglich telefonisch zu unterstützen. „Da sind an vielen Tagen die Leitungen heiß gelaufen“, erinnert er sich. Geduld und Gespräche mit den Gästen spielen eine große Rolle dieses Jahr. Schilder und Hinweise auf dem Gelände sorgen zusätzlich dafür, dass niemand falsch abbiegt und jeder sich auf Anhieb orientieren kann, was wo gilt. Abstandsregeln gelten überall. Die Mitarbeiter müssen Masken tragen, an der Kasse begrüßt der Gast sie durch die Plexiglasscheibe und hält sein Papierticket oder den Screenshot durch eine kleine Öffnung zum Scannen vor.

Große Erleichterung aufseiten des Wonnemar-Teams: Mit den Coronaregeln haben sich die meisten arrangiert. Seit es mehr Besucher ins Bad spült, lasse die Masken-Disziplin „teilweise“ nach, stellt Ricardo Haas fest. An der Kasse werden die meisten Ermahnungen vermeldet, da sich einige Gäste ohne Maske anstellen, keine dabeihaben oder tragen wollen. „Wir zählen nicht, aber an heißen Tagen kommt es sicher rund 50 Mal vor. Die Tendenz ist leider steigend und viele verstehen nicht, dass diese Regel von der Landesregierung vorgegeben ist und wir uns das nicht ausgedacht haben“. Bisher hätten Ermahnungen gereicht. Im Notfall müsse die Polizei dazu gerufen werden. Personell könne der Mehraufwand gestemmt werden: „Da die Halle noch geschlossen ist, kann das bestehende Personal alles abdecken.“ Die Arbeitsschichten werden so geplant, dass die Teams nach Möglichkeit fest sind, also immer dieselben Kollegen zusammen arbeiten.

Gewöhnungsbedürftig für Gäste seien die Abstandsregeln in den Sanitärräumen. Vor den Duschen steht seit dem ersten Tag ein Wassereimer mit je drei gelben und schwarzen Steinen für WC und Dusche. Wer duschen will, nimmt einen schwarzen Stein mit, fürs WC einen gelben. Beim Rausgehen wird er zurückgelegt in den Eimer. Kein Stein im Eimer heißt: Warten, bis jemand rauskommt. Keine Probleme habe es hingegen mit der Doppelbahnen-Regelung zur Kontaktminimierung im Schwimmerbecken gegeben. Im Gegenteil, ihm seien „sehr positive“ Rückmeldungen zu Ohren gekommen, so Haas. „Viele haben gefragt, ob wir das nicht beibehalten können.“ Dies sei eine Überlegung wert, doch im Moment seien andere Themen vorrangig. „Ich glaube, wir sind alle froh, wenn die Corona-Regeln erst einmal weg sind und wir uns wieder unbeschwert bewegen können.“ Offizielle Lockerungen habe es bisher nur für Schwimmkurse gegeben. Inzwischen seien Gruppen von 20 Personen gestattet; gestartet sei man mit zehn Personen. Das Schwimmkursprogramm sei sehr gefragt: „Wir konnten sogar noch zusätzliche Schwimmkurse in den Sommerferien einschieben.“ Eine weitere Lockerung wäre aus Sicht von Haas wünschenswert bei der zulässigen Quadratmeterzahl pro Badegast. Derzeit liege sie bei zehn Quadratmeter im Schwimmerbecken. Mit einer Senkung des Platzes rechnet Haas nicht vor dem Ende der Sommerferien.


Die Freibadsaison endet am 27. September. Laut Betriebsleiter Ricardo Haas wird kein anderes Bad im Umkreis so lange geöffnet bleiben.

Betriebsleiter Ricardo Haas gibt einen Finanzausblick.
„Wir rechnen mit großen Verlusten“
Ricardo Haas

© Alexander Becher

Ricardo Haas

Zu Saisonbeginn monierten insbesondere Familien die unveränderten Eintrittspreise für einen deutlich kürzeren Aufenthalt durch die begrenzten Zeitzonen. Wann und in welcher Höhe haben Sie die Eintrittspreise etwas gesenkt zum Start der Saison?

Durch die Zusicherung der Stadt über die Übernahmen der Hälfte des Verlustes, jedoch maximal 100000 Euro in dieser Saison, konnten die Preise zum 1. Juli von 7 auf 6 Euro für Erwachsene und von 5 auf 4 Euro für Kinder gesenkt werden.

Wie hat sich diese Ermäßigung auf die Gesamtbilanz ausgewirkt?

Dies ist abschließend noch nicht zu beantworten. Der Verlust wird sich dadurch aber wahrscheinlich um mindestens 50000 Euro erhöhen.

Mit welchem Verlust rechnen Sie?

Je nachdem, wie das Wetter mitspielt, rechnen wir mit einem Verlust im niedrigen sechsstelligen Bereich. Zum einen fehlen die kompletten Einnahmen aus dem Mai. Zum anderen kommen insgesamt weniger Besucher und an den heißen Tagen, die normalerweise die umsatzstärksten sind, dürfen wir nicht mehr als 1000 Gäste pro Zeitfenster reinlassen.

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Erstellt:
13. August 2020, 06:00 Uhr

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