Fischer protestieren gegen Fischzucht im Bodensee

dpa/lsw Konstanz. Der Bodensee wird immer sauberer. Das sorgt bei den Fischern für geringere Fangmengen. Deshalb sind nun Netzgehege geplant. Doch daran regt sich Kritik.

Fischer demonstrieren mit einem Schiffskorso gegen geplante Netzgehege im Bodensee. Foto: Felix Kästle/dpa

Fischer demonstrieren mit einem Schiffskorso gegen geplante Netzgehege im Bodensee. Foto: Felix Kästle/dpa

Mit Schiffskorsos haben Berufsfischer aus Deutschland und der Schweiz in Konstanz gegen Fischzucht-Anlagen im Bodensee protestiert. Mehr als 100 Wasserfahrzeuge beteiligten sich laut Veranstaltern am Samstag an der Aktion. Eine Genossenschaft will die Anlagen zur Zucht von Felchen bauen lassen, weil die Fangerträge seit Jahren einbrechen. Grund dafür ist etwa Nährstoffmangel im immer sauberer werdenden See. Weil der Appetit auf Felchen aber nach wie vor groß ist, werden immer mehr Fische aus dem Ausland importiert. „Netzgehege zur Felchen-Zucht sind eine schlechte Zukunftsvision für den Bodensee“, sagte Elke Dilger von den badischen Berufsfischern.

Die Mehrheit der Berufsfischer ist gegen die Fischmast. Sie befürchten die Übertragung von Krankheiten auf Wildtiere und die Verunreinigung des Bodensees, der auch als Trinkwasserspeicher für rund vier Millionen Menschen dient. Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) schließt Netzgehege explizit aus. Für noch mehr Sicherheit fordern die Fischer ein gesetzliches Verbot.

Die Genossenschaft „Regio Bodensee Fisch“ will es trotzdem mit „modernen und ökologisch gut geführten“ Anlagen ausprobieren. Rückenwind gibt es von Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU): „Aquakulturen können ein Weg sein, um unter Einhaltung höchster Umweltstandards hochwertigen, regionalen Speisefisch zu erzeugen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Sollte ein Antrag eingehen, müsse dieser durch die zuständigen Behörden geprüft werden.

Gegenwind gab es aus den Reihen der Grünen: „Wir werden keinen offenen Netzgehegen zustimmen, bei denen Futtermittel und Kot unkontrolliert in den See eingetragen werden“, teilte Reinhold Pix, Vorsitzender des Arbeitskreises Ländlicher Raum der Grünen im Landtag, mit. Es sei völlig ungeklärt, welche Auswirkungen dies auf die Gewässerökologie, das Trinkwasser und den Tourismus haben könne. Der größte Trinkwasserspeicher Europas eigne sich nicht für Experimente mit ungewissem Ausgang, so Pix. Er schlug stattdessen vor, eine bessere Direktvermarktung und die Verbindung mit touristischen Angeboten zu fördern.

Aus Sicht des bayerischen Landwirtschaftsministeriums kann der Aufbau und der Betrieb einer Netzgehege-Aquakultur nur zusammen mit den aktiven Seefischern funktionieren. Und diese seien dagegen.

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Erstellt:
10. Oktober 2020, 02:00 Uhr

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