Florian Wirtz zaubert, das DFB-Team siegt
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft besiegt im ersten Testspiel des Jahres die Schweiz mit 4:3. Der Matchwinner ist der Superstar vom FC Liverpool, aber auch Angelo Stiller vom VfB Stuttgart liefert eine starke Vorstellung ab.
Von Carlos Ubina
Basel - Es liegt ja in der Natur der Sache – beziehungsweise: Es ist eine Frage der Zeit. Die WM naht, und so wird stets diskutiert, ob diese deutsche Fußball-Nationalmannschaft das Zeug hat, im Sommer um um den Titel spielen zu können. So war das auch am Freitagabend, um kurz nach halb elf in Basel.
4:3 hatte das Team des Bundestrainers Julian Nagelsmann die Schweiz besiegt. Es hatte gute Dinge gegeben, auch schlechte Aktionen – weshalb ein abschließendes Urteil kaum möglich war. Eines aber hat das Testspiel im St.-Jakob-Park gezeigt: Dass die deutsche Mannschaft einen absoluten Ausnahmekönner in ihren Reihen hat.
Es lief vor 38 000 Zuschauern die 61. Minute, als das Team des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einen Eckball zum wiederholten Male kurz ausführte. Das hatte schon in der ersten Hälfte Erfolg gebracht – genauer: das 1:1 durch Jonathan Tah. Diesmal passte Serge Gnabry von der Eckfahne aus zu Florian Wirtz. Und das Supertalent aus Liverpool flankte dieses mal nicht auf einen der nach vorne geeilten Abwehrrecken – sondern hatte eine andere Idee. Eine besondere.
Wirtz, erneut frei gelassen von den Schweizern, legte sich den Ball zurecht, nahm Maß – und zirkelte die Kugel vom linken Strafraumeck ins rechte obere Toreck. Exakt, genial, herausragend. Und wirkungsvoll. Es war das 3:2 für die DFB-Elf. Später erzielte er so ähnlich noch das 4:3. Der Bundestrainer hatte damit den erhofften Sieg – und nicht nur ein Grund zum Zungeschnalzen.
Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte die erwartete Startelf aufgeboten. Mit dem lange verletzten Kai Havertz in der Spitze, und mit Angelo Stiller im Mittelfeld, der nur wegen der Verletzung des Münchners Aleksandar Pavlovic in den Kader nachgerückt war. Trotzdem passte vieles gut zusammen in der Anfangsphase dieses ersten Länderspiels des Jahres 2026. Passsicher, variabel und mit hohem Pressing präsentierte sich die Mannschaft in ihren neuen, blauen Auswärtstrikots. Havertz hatte auch gute erste Möglichkeiten, den ersten Treffer erzielten dann aber die Gastgeber.
Nach einem Fehlpass von Nico Schlotterbeck im Spielaufbau verlagerten die Schweizer das Spiel schnell auf die deutsche Abwehrseite – die recht verwaist war. So hatte Dan Ndoye viel Platz, und als im deutschen Strafraum der herbeigeeilte Angelo Stiller eher eine Begleiterscheinung denn ein gefährlicher Angreifer war, zimmerte der Offensivmann der Schweizer den Ball einfach ins kurze Eck. Das deutsche Team konnte dann durch Tah schnell den Ausgleich erzielen (26.), ein weiterer Fehler von Schlotterbeck leitete aber die erneute Schweizer Führung durch Breel Embolo ein (41.). Und als danach der Ex-Stuttgarter Fabian Rieder noch die Latte traf, schien der Rückstand zur Pause zementiert. Aber: Die DFB-Elf schlug noch einmal zurück.
Es lief schon die Nachspielzeit, als Stiller auf Wirtz passte und dieser Gnabry nach vorne schickte. Der Münchner lupfte den Ball dann über Gregor Kobel ins Schweizer Tor. Zum 2:2 – das eher den Gastgebern schmeichelte als dem deutschen Team. Das auch nach der Pause die aktivere Mannschaft war.
Florian Wirtz suchte Abschlüsse, Leon Goretzka versuchte sein Glück aus der Distanz. Und noch ehe die Offensive mit Nick Woltemade und dem Debütanten Lennart Karl neu besetzt wurde, zauberte Wirtz den Ball ins Schweizer Tor. Und zwar dorthin, wohin er in der 86. Minute dann wieder zielte. Dann zum 4:3 nach dem Ausgleich, der Joel Monteiro in der 79. Minute gelungen war. „Es war“, sagte der frühere Leverkusener, „wahrscheinlich mein bisher bestes Länderspiel.“
So endete ein unterhaltsamer Abend mit hervorragenden, aber auch fehlerhaften Momenten der deutschen Mannschaft, die schon am Montag (20.45 Uhr) die nächste Chance hat, Selbstvertrauen für die WM zu tanken. Dann in Stuttgart gegen Ghana. Und vermutlich mit einer größeren Fraktion des VfB auf dem Feld. Alexander Nübel wird wohl im Tor stehen, auch Deniz Undav, Chris Führich und Josha Vagnoman könnten Einsatzzeit bekommen. Dass Julian Nagelsmann dafür auf Florian Wirtz („Wir müssen uns vor keinem verstecken“) verzichtet, ist möglich. Wäre aber jammerschade.
Vor allem für das Publikum in der bereits ausverkauften MHP-Arena.
