Frankreichs Regierung gerät wegen Impfkampagne unter Druck

dpa Paris. Wieviele Menschen überhaupt geimpft wurden, ist nicht ganz klar. Klar scheint nur zu sein, dass Frankreich im Vergleich zu anderen Staaten deutlich abgehängt ist. Vor allem aus den Regionen hagelt es massive Kritik an Paris.

Eine Krankenschwester hält eine Spritze Impfstoff gegen die Coronavirus des Herstellers Pfizer. Foto: Fred Tanneau/AFP/dpa

Eine Krankenschwester hält eine Spritze Impfstoff gegen die Coronavirus des Herstellers Pfizer. Foto: Fred Tanneau/AFP/dpa

Wegen des extrem schleppenden Impfstarts in Frankreich gerät die Regierung immer weiter unter Druck.

Man werde die Corona-Impfstrategie jetzt „verstärken, beschleunigen und vereinfachen“, kündigte Gesundheitsminister Olivier Véran am Dienstag im Gespräch mit dem französischen Sender RTL an.

Die Impfungen sollen so bald wie möglich nun auch zum Beispiel auf Menschen über 75 Jahre, die nicht im Heim leben, ausgeweitet werden. Véran sagte außerdem, dass Anmeldungen für eine Impfung über Internet und Telefon möglich sein sollen. Konkret solle das am Donnerstag vorgestellt werden.

In Frankreich herrschte am Dienstag zunächst noch immer Unklarheit über die konkrete Zahl der geimpften Menschen. Am Montag sei die Zahl von 2000 Impfungen überschritten worden, sagte Véran. Fakt ist, dass Frankreich im Vergleich mit vielen anderen Staaten hinten liegt. Véran versprach, dass man in den kommenden Tagen zu den Nachbarn aufschließen werde. Zum Vergleich: In Deutschland wurden mit Stand Montagmittag offiziell mehr als 260.000 Impfungen gemeldet.

„Warum nicht einfach impfen? Wie die Israelis, die Briten oder die Deutschen?“, schrieben rund 30 Medizinerinnen und Mediziner in einem offenen Brief. Sie monieren einen „Wettlauf gegen die Zeit“ und kritisieren etwa komplizierte Zustimmungsverfahren beim Impfen. Das derzeitige System sei dem Ernst der Lage nicht gewachsen.

Gerade aus den Regionen gab es zuletzt immer wieder massive Kritik an Paris. Der Präsident des Regionalrats von Hauts-de-France, Xavier Bertrand, monierte, keinen Überblick über die seiner Nordregion zur Verfügung stehenden Impfdosen zu haben. „Uns wurde gesagt, dass Pflegekräfte über 50 Jahre geimpft werden können. Aber diejenigen, die an diesem Montag anriefen, um herauszufinden wo, erhielten keine Informationen“, sagte er der Zeitung „Le Parisien“. Eine solche Diskrepanz zwischen den Ankündigungen und der Realität vor Ort sei nicht akzeptabel. Der letzte Platz auf der Impfrangliste dürfe nicht Frankreichs Platz sein.

Bertrand sieht auch Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron in der Pflicht - die Kritik am Staatschef wird lauter. Dieser hatte sich am Montag Medienberichten zufolge mit mehreren Verantwortlichen und Ministern, darunter Véran, und Premierminister Jean Castex zu einer Krisensitzung getroffen. Frankreich mit seinen 67 Millionen Einwohnern ist schwer von der Covid-19-Pandemie getroffen - mehr als 65.000 Menschen sind bisher gestorben.

© dpa-infocom, dpa:210105-99-905527/2

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Erstellt:
5. Januar 2021, 13:55 Uhr

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