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Freibadpreise werden wieder gesenkt

Die Coronaauflagen verursachen höhere Kosten, gleichzeitig dürfen weniger Leute in die Freibäder. In Backnang hatte der Betreiber deshalb die Eintrittspreise erhöht. Nach Protesten wird die Anhebung ab morgen teilweise zurückgenommen.

Das Einhalten der Abstandsregeln ist im Backnanger Freibad bis jetzt kein Problem. Das Limit von 1000 Badegästen, die sich maximal gleichzeitig auf dem Gelände aufhalten dürfen, wurde seit der Wiedereröffnung an keinem Tag erreicht. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Das Einhalten der Abstandsregeln ist im Backnanger Freibad bis jetzt kein Problem. Das Limit von 1000 Badegästen, die sich maximal gleichzeitig auf dem Gelände aufhalten dürfen, wurde seit der Wiedereröffnung an keinem Tag erreicht. Fotos: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Fünf Wochen später als üblich hat das Backnanger Freibad am 8. Juni seinen Betrieb aufgenommen. Allerdings ist im Coronajahr 2020 vieles anders als gewohnt: In den sanitären Anlagen gilt Maskenpflicht, die Bahnen im Schwimmerbecken sind nun Einbahnstraßen und Tickets gibt es nicht mehr an der Kasse, sondern nur noch im Internet.

Für den größten Wirbel haben aber die neuen „Coronatarife“ gesorgt. Denn die Firma Interspa, die das Bad im Auftrag der Stadt Backnang betreibt, hat die Preise für Einzeltickets in dieser Saison um jeweils zwei Euro erhöht. Für Erwachsene kostet der Freibadbesuch damit sieben Euro statt bisher fünf Euro, für Kinder sind fünf Euro statt drei Euro fällig. Anders als bisher kann man dafür noch nicht einmal den ganzen Tag, sondern nur dreieinhalb Stunden baden, denn der Betreiber hat die Badezeit in drei Schichten aufgeteilt: von 8 bis 11.30 Uhr, von 12 bis 15.30 Uhr und von 16 bis 19.30 Uhr. Dazwischen ist das Bad jeweils für eine halbe Stunde geschlossen und wird gründlich desinfiziert.

Ricardo Haas begründet die Preiserhöhung mit gestiegenen Kosten bei geringeren Besucherzahlen. „Wir brauchen jetzt deutlich mehr Personal“, sagt der Betriebsleiter. Sowohl bei der Beckenaufsicht als auch beim Reinigungspersonal seien mehr Mitarbeiter im Einsatz, um die Hygieneregeln umzusetzen. Hinzu kämen zusätzliche Ausgaben, etwa für Desinfektionsmittel und Absperrbänder. Gleichzeitig fehlen dem Betreiber die kompletten Mai-Einnahmen, und auch nach der Öffnung dürfen höchstens 1000 Besucher gleichzeitig ins Bad. Sonst seien es an heißen Tagen manchmal mehr als 3000 gewesen, berichtet Haas.

Badbetreiber bekommt Zuschuss von der Stadt.

Bei den Badegästen hielt sich das Verständnis allerdings in Grenzen: „Für eine vierköpfige Familie macht das 24 Euro für nur dreieinhalb Stunden“, rechnet Markus Mayer aus Backnang vor. Da werde ein Freibadbesuch schon fast zum Luxus. Auch bei der Stadt, die das Bad an die Interspa verpachtet hat, gingen viele Beschwerden ein, wie Erster Bürgermeister Siegfried Janocha berichtet.

Bei einer Sitzung des Aufsichtsrats, in dem die Stadt als Eigentümer des Bads vertreten ist, wurde in der vergangenen Woche deshalb noch einmal über die Preisgestaltung gesprochen und ein Kompromiss gefunden. Ab 1. Juli werden die Einzeltarife wieder um jeweils einen Euro gesenkt: Erwachsene bezahlen dann also sechs Euro und Kinder vier Euro. Gleichzeitig wird es nur noch zwei Badezeiten geben, nämlich eine am Vormittag von 8 bis 13.30 Uhr und eine nachmittags von 14 bis 19.30 Uhr. Außerdem wird ein Abendtarif eingeführt: Ab 18 Uhr kann man für 3,50 Euro schwimmen.

Vor dem Eingang bilden sich oft lange Schlangen. Weil man bislang nur dreieinhalb Stunden bleiben darf, kommen fast alle Besucher gleichzeitig. Jetzt wird die Badezeit verlängert.

© Alexander Becher

Vor dem Eingang bilden sich oft lange Schlangen. Weil man bislang nur dreieinhalb Stunden bleiben darf, kommen fast alle Besucher gleichzeitig. Jetzt wird die Badezeit verlängert.

Möglich geworden ist diese Preissenkung, weil sich die Stadt Backnang bereit erklärt hat, die Interspa mit einer zusätzlichen Finanzspritze von bis zu 100000 Euro zu unterstützen. Normalerweise ist die städtische Bädergesellschaft lediglich für Instandhaltungen am Bad zuständig, alle laufenden Kosten übernimmt der Pächter, der dafür im Gegenzug die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern kassiert. Das Risiko, wenn zum Beispiel in einem verregneten Sommer weniger Badegäste kommen, trägt damit normalerweise Interspa. Dieses Jahr lag allerdings eine besondere Situation vor, denn wegen der angeordneten Schließung hatte der Badbetreiber von Mitte März bis Ende Mai überhaupt keine Einnahmen, und auch die restliche Saison droht angesichts der vielen Beschränkungen zum Verlustgeschäft zu werden. „Wir musste deshalb eine Regelung außerhalb des normalen Vertrags finden“, erklärt Siegfried Janocha.

Die sieht nun vor, dass die Stadt in dieser Saison die Hälfte des Abmangels aus dem Freibadbetrieb übernimmt, maximal jedoch 100000 Euro. Wenn das Wetter mitspielt und mehr Badegäste kommen als erwartet, könne der Zuschuss auch geringer ausfallen, erklärt der Erste Bürgermeister. Um den Einnahmeausfall im Mai zu kompensieren, soll die Freibadsaison außerdem um zwei Wochen verlängert werden. Statt wie geplant am 13. September wird der letzte Badetag nun erst am 27. September sein – vorausgesetzt, es ist bis dahin noch warm genug, dass Gäste kommen.

Vorerst keine Alternative zur Online-Buchung

Für die Stadt Backnang, die für Abschreibungen, Instandhaltung und Zinsen bereits rund 1,2 Millionen Euro pro Jahr für ihre Bäder aufwenden muss, erhöht sich damit in diesem Jahr der Zuschuss. „Aber das ist es uns wert, denn wir wollen, dass die Bürger zufrieden sind“, sagt Siegfried Janocha. Den noch verbleibenden Zuschlag von einem Euro auf die regulären Preise hält er für vertretbar. Auch Ricardo Haas ist froh über den Kompromiss. „Uns war selbst klar, dass die Preise nicht besonders attraktiv waren“, sagt der Betriebsleiter.

Was sich vorerst nicht ändern wird, ist die Online-Ticketbuchung, die vor allem für ältere Badegäste eine Hürde ist. Da man verpflichtet sei, die Adressen aller Besucher zu dokumentieren, sieht Haas keine andere Möglichkeit. Die Daten von jedem Einzelnen am Eingang abzufragen, sei viel zu zeitaufwendig. Für Badegäste ohne Handy oder Internetzugang hat er deshalb nur den Tipp, sich bei der Ticketbuchung von Freunden oder Verwandten helfen zu lassen.

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Erstellt:
30. Juni 2020, 06:00 Uhr

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