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Freikörperkultur – Schönheit und Wagnis

Nudisten vom Natursportbund Schwäbischer Wald sind seit 50 Jahren in Kirchenkirnberg daheim

Bei einem öffentlichen Lichterfest bestand jetzt die Gelegenheit, den etwas abgelegenen Schönrain näher kennenzulernen und sich mit den Gastgebern vom Natursportbund Schwäbischer Wald (NSB) auszutauschen.

In idyllischer Lage bei Kirchenkirnberg haben die Freunde der Freikörperkultur ihr Gelände. Fotos: V. Hoschek

© Volker Hoschek

In idyllischer Lage bei Kirchenkirnberg haben die Freunde der Freikörperkultur ihr Gelände. Fotos: V. Hoschek

Von Carmen Warstat

MURRHARDT. Die Veranstaltung wäre beinahe ins Wasser gefallen, regnete es doch heftig und ausdauernd. Aber die Nudisten aus nah und fern sowie ihre (wenigen) Gäste sind Naturmenschen und nicht so empfindlich. Mit Regenschirmen huschten einige übers Gelände, man versammelte sich unterm Dach eines Bierzelts, und zwei wagten sogar den Sprung in den Pool, um ihre Runden zu drehen.

Verständlich, dass die meisten der Aktivisten nicht gern ihre Namen verraten. Nacktheit ist ein Tabu und in der Öffentlichkeit beinahe geächtet, so jedenfalls erleben es die FKKler vom Schönrain des Öfteren. Heute gibt es kühle Getränke und frischen Salzkuchen, einige der Vereinsmitglieder erzählen ein bisschen.

Ein Quartier für die ganze Familie

Verschiedene Sportarten werden angeboten. Ein Familienvater beispielsweise schwimmt besonders gern. Kirchenkirnberg ist ihm und seiner vierköpfigen Familie ein Wochenend- und Sommerquartier. Er hat die Aufgabe, „den Laden zusammenzuhalten“ und gemeinsam mit den Verantwortlichen für Sport, Gelände, Veranstaltungen, Presse und anderes die notwendigen Entscheidungen zu treffen.

Die Entwicklung der Mitgliederzahlen sei seit den Siebzigerjahren stark rückläufig, man arbeite aber daran, dieses wieder umzukehren. Wie Nomaden hätten sie anfangs gelebt: Mit einer Kaltwasserpumpe und Strom aus einer großen Autobatterie musste man damals vorliebnehmen. Inzwischen haben sie längst eine Sommerküche, um ihre Feste vorzubereiten, und dort sind heute fleißige Helfer am Wirken. Die Vereinsmitglieder sind sich einig: Es ist schön, hier zu sein, egal ob zu Saisonbeginn im Frühjahr, den ganzen langen Sommer über, oder auch in Herbst und Winter. Denn es gibt auch ein beheizbares Haus zum Feiern auf dem Gelände. Man kann „die Kinder springen lassen“, sagt eine Mutter und dass man die Ruhe inmitten der Natur genießen kann. Im Handumdrehen ist man im Urlaub und hat alles, was man braucht: ein Schwimmbad, frische Luft, Unterkunft im Wohnwagen. Eine Jugendhütte für Partys gibt es und mehrere Volleyballplätze. Das alles habe Charme und sei angenehm, sagt die junge Frau, deren Eltern und Kinder ebenfalls immer dabei sind, heut ist ausnahmsweise auch ihre Schwiegermutter einmal mitgekommen.

Die Freiwillige Feuerwehr Murrhardt fährt vor, um die Veranstaltung abzusichern, und wird mit großem Hallo begrüßt. Gern erinnern die Vereinsmitglieder sich an vergangene Events und Feste. So erlebten sie kürzlich einen evangelischen Gottesdienst, stellten den Maibaum für eine gemütliche Hocketse auf und bestritten verschiedenste Turniere. Auch für die Zukunft haben sie sich einiges vorgenommen.

Natürlich wissen die Naturisten in Kirchenkirnberg darum, dass Freikörperkultur umstritten ist. Dem Wunsch nach „natürlicher Nacktheit“ stehen zumindest die Gefahren von Voyeurismus, Exhibitionismus und deren Auswirkungen auf Körper und Psyche gegenüber. Gerade Kinder und Jugendliche dürften dem nicht immer gewachsen sein. Aber die Aktivisten vom Schönrain beschwichtigen. Sobald etwas vorkommt, heißt es, werden Platzverweise ausgesprochen.

Weitere Infos: www.nsb-murrhardt.de.

Hinein ins Nass: Heinz und Margret drehen im Pool einige Runden. Auf dem Gelände können die Mitglieder Wasser, Natur und Luft genießen.

© Volker Hoschek

Hinein ins Nass: Heinz und Margret drehen im Pool einige Runden. Auf dem Gelände können die Mitglieder Wasser, Natur und Luft genießen.

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Erstellt:
26. Juni 2019, 16:00 Uhr

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