16mm-Kurzfilme
Freiluftkino im Villa Berg Park: „Dieser Film ist ein ästhetischer Genuss“
Vier Abende, viermal Freiluftkino in Stuttgart: Gezeigt werden analoge Kurzfilme – darunter Werke von Karlheinz Baumann, einem Spezialisten auf einem ungewöhnlichen Gebiet.

© Andreas Vogel
Der 16mm-Film ist aufgerollt und wird auf eine Leinwand im Park der Villa Berg projiziert.
Von Frederik Herrmann
Für Andreas Vogel macht es einen großen Unterschied, ob ein Film analog über den Projektor flimmert oder digital von einem Beamer kommt. „Von dem Knattern geht eine ganz besondere Magie aus“, schwärmt der Filmenthusiast. Ab dem 30. August veranstaltet Vogel gemeinsam mit dem Planungsstab Haus für Film und Medien, der Montagegruppe sowie dem Verein Wand 5, mehrere Open-Air-Filmvorführungen in der Parkanlage Villa Berg in Stuttgart.
Vogel möchte dabei in die Vergangenheit abtauchen. Die 16mm-Analogfilme werden mittels Projektor auf eine Leinwand projiziert. Musikalische Untermalung kommt von einem Schallplattenspieler, und das Publikum darf Platz auf Picknickdecken nehmen – alles ganz im Retro-Flair.
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Alle gezeigten Filme stammen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Viele von ihnen wurden ursprünglich als Lehrfilme in Schulen und Jugendzentren gezeigt – und waren lange verschollen. Vogel hat die Abende kuratiert: Einige Filme fand er auf Flohmärkten, andere stammen aus Archiven.
Filme aus dem privaten Archiv von Naturfilmer Karlheinz Baumann
Die erste Vorführung am Samstag, 30. August, zeigt Kurzfilme über Stuttgart in den 1960er-, 70er- und 80er-Jahren. „Mit der Auswahl möchte ich zeigen, wie die Stadt damals aussah und wie sie sich selbst gesehen hat“, sagt Vogel.
Besondere Vorfreude hat er auf den 6. September: An diesem Abend zeigt er Naturfilme des renommierten Dokumentarfilmers Karlheinz Baumann. Der 87-Jährige, gesundheitlich verhindert, kann selbst nicht vor Ort sein – stellt jedoch mehrere Werke aus seiner privaten Sammlung zur Verfügung.
Baumann filmte jahrzehntelang Insekten, Orchideen und Pilze. Besondere Expertise erlangte er auf dem Gebiet der Myxomyceten (Schleimpilze). Lange wurde angenommen, dass es sich bei den schleimigen Massen um Pilze handelt; tatsächlich gehören die Einzeller zu den Amöbozoen und können ungewöhnliche Formen und Farben annehmen.
Baumann produzierte mehrere Filme, unter anderem für das ZDF, SWR und Arte. Zudem hat er zahlreiche Fachartikel und Bücher verfasst. Viele seiner Filme entstanden in mühevoller Handarbeit. Vogel besuchte ihn und berichtet, wie Baumann seine analogen Filme selbst zu Hause produzierte und schnitt.
Am dritten Abend – 13. September – geht es um gesellschaftspolitische Filme der 1970er-Jahre: Eine Produktion über eine kirchliche Jugendgruppe aus Sindelfingen, surrealistische Darstellungen der Benachteiligung von Frauen und ein Blick auf das Leben von Gastarbeitern der damaligen Zeit. „Darstellungen, die so heute kaum noch denkbar wären“, sagt Vogel – er moderiert deshalb durch die Vorstellungen und ordnet die Filme in ihren historischen Kontext ein.
Den Abschluss bilden am 20. September Kurzfilme zu Verkehrserziehung und Arbeitssicherheit. Pro Abend werden jeweils drei bis fünf Filme gezeigt.
Keine perfekten Kinobilder im Freiluftkino Villa Berg
„Mit dem Blick in die Vergangenheit wollen wir auch etwas über die Gegenwart erfahren“, erklärt Vogel. Wie hat man damals gesprochen? Wie wurde erzählt? Wie sahen die Stadt und die Landschaft im Vergleich zu heute aus?
Perfekte Kinobilder darf man dabei nicht erwarten. Die 16mm-Filme wackeln, knistern und sind teilweise verblasst. „Gerade das macht ihren besonderen Reiz aus“, sagt Vogel. Die Naturfilme von Karlheinz Baumann seien jedoch ein ganz besonderer „ästhetischer Genuss“, betont Vogel.
Info
16mm FreiluftkinoAb dem 30. August werden an vier Samstagen analoge Kurzfilme im Park der Villa Berg gezeigt. Die Veranstaltung ist kostenlos und beginnt jeweils um 20 Uhr.
VeranstalterDas Freiluftkino wird gemeinsam vom Planungsstab Haus für Film und Medien in Kooperation mit dem Verein Wand 5, sowie der Montagegruppe veranstaltet.