Freude schenken ist das Vereinsziel

Die neue Stuttgarter First Lady Gudrun Weichselgartner-Nopper setzt sich mit ihrer Organisation „Stille Not Stuttgart“ für arme Menschen ein. Christkind-Aktion des Vereins für Kinder in Backnang inspirierte sie zu sozialem Engagement.

Gudrun Weichselgartner-Nopper mit einem Dankeschön-Herz des Kindergartens Schladminger Weg in Maubach für die Weihnachtsgeschenke des Backnanger Christkinds. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Gudrun Weichselgartner-Nopper mit einem Dankeschön-Herz des Kindergartens Schladminger Weg in Maubach für die Weihnachtsgeschenke des Backnanger Christkinds. Foto: A. Becher

Von Ingrid Knack

BACKNANG. Gudrun Weichselgartner-Nopper lebt gerade zwischen zwei Welten. In Backnang packt sie Umzugskisten, in der Landeshauptstadt warten neue Aufgaben auf sie. Schon bevor ihr Gatte Frank Nopper am 4. Februar in der Stuttgarter Liederhalle als Nachfolger des bisherigen Oberbürgermeisters Fritz Kuhn seinen Amtseid abgelegt hatte und dann ins Rathaus eingezogen war, wurde ihr die Richtung ihres künftigen Engagements klar. Sie möchte sich für bedürftige Menschen einsetzen, die keine starke Lobby haben.

Die Resonanz auf die Spendenaktion, die die 51-Jährige für die Stuttgarter Bahnhofsmission ins Leben gerufen hatte, und die Begegnungen bei ihrem persönlichen Einsatz während der Weihnachtsessen-to-go-Aktion gemeinsam mit ihrer Familie an Heiligabend haben sie tief berührt. „Wir waren selber alle glücklich.“ Mit Stiftskirchenpfarrer Matthias Vosseler hatte sie im Vorfeld über die Notsituation der Obdachlosen gesprochen. Spontan entschied sie sich zu einer Hilfsaktion unter dem Motto „Weihnachten beginnt im Herzen“. Sie fragte Jörg Mink, Leiter der Gastronomie auf Schloss Solitude, ob er ein kostenloses Weihnachtsessen für Obdachlose kochen würde. Ehrensache für den Promikoch, der später sogar noch selbst gebackene Gutsle zu Rinderrouladen, Apfelrotkraut und Kartoffelpüree dazulegte.

Spendensumme reicht noch für viele weitere Essen für bedürftige Menschen aus.

Über die sozialen Netzwerke rief die Ehefrau des neu gewählten Stuttgarter Oberbürgermeisters dazu auf, die Weihnachtsessen für Bedürftige mit einem Geldbetrag zu unterstützten. Ihr Aufruf brachte rund 50000 Euro ein. An Heiligabend teilten das Ehepaar Nopper und die beiden Söhne Carl Alexander (22) und Franz Ferdinand (20) am Hauptbahnhof bei der Bahnhofsmission das in Papiertüten verpackte Mahl an Obdachlose und Rentner aus. Besonders freut Gudrun Weichselgartner-Nopper, dass die Spendensumme auf dem Konto der Bahnhofsmission ausreicht, um bis Jahresende weitere Mahlzeiten für einkommensschwache Bürger zu finanzieren.

Auch künftig möchte Stuttgarts First Lady ihr Augenmerk auf diejenigen richten, „die nicht mit lauter Stimme sprechen“. Nach vielen Gesprächen beispielsweise mit der Caritas, der Evangelischen Gesellschaft und der Stuttgarter Sozialbürgermeisterin, in denen sie wissen wollte, „wo der Schuh drückt“, ist sie momentan dabei, zusammen mit Mitstreitern, die sie im Wahlkampf kennengelernt hat, den Verein „Stille Not Stuttgart“ zu gründen. „Die allerärmsten sind die alleinstehenden alten Leute“, stehe im Armutsbericht. Dabei handele es sich oft um Frauen. Bei einer Vielzahl davon seien überdies pandemiebedingt Minijobs weggefallen. Aufs Amt zu gehen sei für sie oft keine Option. Auch aus einem Schamgefühl heraus. Und Weichselgartner-Nopper erwähnt in Wohnheimen lebende Männer, die teilweise mit Depressionen zu kämpfen hätten. „Hier fehlt auch die Perspektive.“ Menschen wie diese seien über Begegnungsstätten erreichbar. „Wir wollen ihnen Freude schenken“, hat sich die OB-Gattin ausgedacht. Bunte Nachmittage schweben ihr etwa vor, bei denen Künstler und Gastronomen mit ins Boot geholt werden.

Es war übrigens auch die Christkind-Aktion, mit der sie sich praktisch von der Murr-Metropole verabschiedete, die sie zu dem sozialen Engagement inspiriert hat, erzählt die Initiatorin und Vorsitzende des Vereins für Kinder in Backnang. Mit dem Backnanger Christkind und einem Engel ging’s im Advent zu sechs Altenheimen, wo die Bewohner mit Liedern und Gedichten erfreut wurden. Die Situation, als die Senioren so auf ihren Balkonen oder an geöffneten Fenstern standen und den himmlischen Wesen vor dem Haus mit Freude und auch Freudentränen zuhörten, fand sie sehr bewegend. Vorausgegangen war die „Wünsch Dir was vom Christkind“-Aktion, die sich an Backnanger Kindergärten und private Betreuungseinrichtungen richtete. Ziel war es, dass die Kinder sich auch an das Weihnachten 2020 zu Zeiten der Pandemie gerne erinnern und obendrein Backnanger Einzelhändler ein wenig unterstützt werden können. Nun hat auch Gudrun Weichselgartner-Nopper einen besonderen Wunsch: dass der Verein für Kinder in Backnang weiter besteht. Sie würde ihn gerne jemandem ans Herz legen, der ein gutes Netzwerk und Zugang zu Sponsoren hat.

Nach vielen erfolgreichen KinderuniPlus-Ausgaben, bei denen das Gehörte auch gleich in die Praxis umgesetzt werden konnte, und dem Nachfolgeprojekt Forscherteam für besonders begabte junge Menschen („Ich hoffe, dass es im Herbst wieder losgehen kann“) muss die Frau, die 19 Jahre OB-Gattin in Backnang war, wieder einmal alles zurücklassen. Auch als sie mit ihrem Mann von Stuttgart nach Backnang zog, hieß es für sie: Alles auf Anfang. Um frei für das Kommende zu sein, verkaufte sie sogar ihre Englisch-Sprachschule. Denn: „Das war ein Fulltime-Job.“ Der Neustart in Backnang fiel ihr anfangs gerade deshalb nicht leicht. Als ihr Mann sich als Backnanger OB ins Rennen brachte, war sie gerade dabei, die Privatschule Early English auszubauen. Die ausgebildete Wirtschaftskorrespondentin machte sich später in ihrer Backnanger Zeit, nachdem einige Projekte angestoßen worden waren, als zertifizierte Knigge-Trainerin mit Knigge für Kids, Teens und Business selbstständig. „Das lasse ich jetzt ruhen“, lässt die Seminarleiterin und Ausbilderin für Knigge-Trainer wissen.

Von Heimkehr will die OB-Gattin nicht sprechen: „Dazu war es zu schön hier.“

Nun, da es wieder zurück nach Stuttgart geht, erinnert sich Gudrun Weichselgartner-Nopper an eine „wunderschöne Zeit“ in Backnang. Ihre Kinder seien hier in einer für sie idealen Umgebung mit Kindergarten und Grundschule sowie Spielplätzen und einem Fußballplatz um die Ecke aufgewachsen. Mittlerweile studiert Carl Alexander in Tübingen Jura und der jüngere Franz Ferdinand beginnt bald ein duales Studium bei einer Bank. „Auch die Nachbarschaft werde ich vermissen“, sagt die Noch-Maubacherin. Dass es für sie in Stuttgart nicht leicht werden würde, ist ihr klar. „Da mache ich mir keine Illusion. Mein Mann wird noch mehr weg sein. Ich versuche, es positiv zu sehen, so habe ich es immer gehalten. Ich mache das Beste draus.“ Von „Heimkehr“ will sie nicht sprechen. „Dafür war es zu schön hier.“ Die von ihr mit Herzblut begleiteten Projekte – vom Backnanger Christkind bis hin zur Veröffentlichung des Backnanger Wimmelbuchs, das sie zusammen mit der Illustratorin Tina Krehan realisierte – haben ihr auch Freundschaften eingebracht.

Allen voran mit den Mitgliedern des Vereins für Kinder in Backnang, die sich auch bei der Initiative Kindergarten (Inki) einbringen, einer ergänzenden Sprachförderung. Ehrenamtliche lesen den Kindern vor, erzählen oder setzen gezielt sprachfördernde Spiele ein. Auch für Erzieherinnenfortbildungen zum Thema „Englisch im Kindi“ war der Verein für Kinder in Backnang verantwortlich. 2007 hat er sogar zwei Erzieherinnen eine Reise in die USA ermöglicht, wo diese in einem privaten Kindergarten, einer Preschool, Erfahrungen sammeln konnten. In dieser Preschool seien auch die Zwillinge der Schauspielerin Julia Roberts gewesen, verrät Weichselgartner-Nopper.

Vieles, was sie umgesetzt hat, betraf im Grunde die Kategorie Stadtmarketing. Der frühere Backnanger Wirtschaftsförderer Ralf Binder habe zu ihr einmal gesagt, sie sei so etwas wie eine Gratisaußenstelle des Stadtmarketings. Manchmal habe sie auch in Zusammenhang mit solchen Aktionen E-Mails mit der Anrede „Liebes Stadtmarketingteam“ oder „Lieber Herr Nopper“ bekommen.

Zu den Höhepunkten in ihrer Backnanger Zeit zählen der Besuch des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler 2006 und die standesamtliche Hochzeit von Andrea Berg und Uli Ferber 2007 im Gotischen Chor der Galerie, bei der ihr Mann der Standesbeamte war. Und natürlich das Straßenfest mit dem einzigartigen Festende, bei dem Tausende von Menschen mucksmäuschenstill den Zapfenstreichklängen lauschen.

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Erstellt:
16. Februar 2021, 06:00 Uhr

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