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Frischer Teint für die Tugenden

300 Jahre alter Brunnen steht wieder auf dem Backnanger Stiftshof – Restaurator hat 140 Arbeitsstunden investiert

Acht Monate lang mussten die Backnanger ohne Justitia, Prudentia und Caritas auskommen, jetzt stehen die drei Figuren wieder an ihrem angestammten Platz. Gestern hat Restaurator Erwin Raff den denkmalgeschützten Tugendbrunnen auf dem Backnanger Stiftshof aufgebaut. Wasser wird darin allerdings auch künftig nicht fließen.

 Der restaurierte Brunnen erstrahlt in neuem Glanz. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Der restaurierte Brunnen erstrahlt in neuem Glanz. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Der kleine achteckige Brunnen, der auch unter dem Namen Stiftsbrunnen bekannt ist, wirkt auf den ersten Blick eher unscheinbar, ist aber von historischer Bedeutung. Denn er ist größtenteils noch im Originalzustand von 1713 erhalten. „Das ist Wasseralfinger Guss“, erklärt Restaurator Erwin Raff. Die Hüttenwerke auf der Ostalb zählten zu den ersten Adressen für dieses Kunsthandwerk in Europa. Aus dem 18. Jahrhundert stammen auch die Darstellungen der drei Frauenfiguren, die für Weisheit (Prudentia), Gerechtigkeit (Justitia) und Fürsorge (Caritas) stehen. Im Original erhalten ist auch noch das herzogliche Wappen mit den Initialen ELHZW, was für Eberhard Ludwig Herzog zu Württemberg steht. Ob einst noch weitere Allegorien den Brunnen zierten, ist nicht bekannt, denn drei der acht Seitenplatten sind verschollen. Sie wurden in den 1960er-Jahren durch Nachgüsse mit Blumenverzierungen ersetzt.

In seiner mehr als 300-jährigen Geschichte hat der 76 Zentimeter hohe Brunnen mehrfach seinen Standort gewechselt. So stand er zeitweise im Hof des Finanzamts, ab 1963 auf einer Grünfläche zwischen Stiftskirche und Amtsgericht und seit 2006 wieder auf dem Stiftshof, wo Historiker seinen ursprünglichen Standort vermuten. Wasser fließt in dem Brunnen allerdings schon lange keines mehr. Stattdessen bewahrt ihn eine schwere Abdeckung davor, als Abfalleimer missbraucht zu werden. Restaurator Erwin Raff hat den Tugendbrunnen im Jahr 2000 schon einmal überholt. Dass das jetzt schon wieder nötig war, hat verschiedene Gründe. So habe man versäumt, die Fugen richtig abzudichten, erklärt Raff, der beim Aufbau damals nicht dabei war. Dadurch sei Wasser eingedrungen und die gusseisernen Platten hätten angefangen zu rosten. Außerdem seien die damals verwendeten Ölfarben durch die UV-Strahlung stark ausgebleicht, und am Blattgold habe sich wohl auch der eine oder andere Passant zu schaffen gemacht. „Gold ist magisch für viele Leute“, weiß Raff. Dabei haben die hauchdünnen Vergoldungen am Brunnen nur einen Materialwert von 80 Euro.

Landesdenkmalamt überwacht die Arbeit

In seiner Werkstatt in Denkendorf hat Erwin Raff die acht jeweils 60 Kilo schweren Seitenplatten in Handarbeit restauriert. Rund 8000 Euro muss die Stadt dafür bezahlen. Zunächst hat der Restaurator mit der Stahlbürste den Rost entfernt und anschließend mehrere Grundierungsschichten aufgebracht. Die Figuren hat er dann mit dem Pinsel bemalt und die Verzierungen vergoldet. Eine Arbeit, bei der viel Fingerspitzengefühl gefragt war: „Da braucht man schon eine ruhige Hand“, sagt Raff.

Für die Bemalung des Brunnens hat er Schiffslack verwendet, der kein Blei enthält und nicht so schnell ausbleicht wie ölhaltige Farben. Viel künstlerische Freiheit hatte der Restaurator dabei übrigens nicht, denn das Landesdenkmalamt wacht genau darüber, dass die ursprüngliche Farbgebung nicht verändert wird.

Rund 140 Arbeitsstunden hat Erwin Raff in die Sanierung des Tugendbrunnens gesteckt. Die letzten kamen gestern noch im Stiftshof dazu, denn nachdem er die Einzelteile des Brunnenbeckens zusammengeschraubt hatte, verfüllte er noch die Ritzen mit Kunstharz und lackierte vor Ort die Umrandung am Sockel. „Das sollte jetzt 25 bis 30 Jahre halten“, hofft der Restaurator.

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Erstellt:
6. Juni 2019, 06:00 Uhr

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