Frühkeltische Prunkgrabkammer bei Herbertingen geborgen

dpa Herbertingen. Erst ein keltisches Kindergrab, dann eine Keltenfürstin: Nun sind Archäologen im Kreis Sigmaringen erneut auf eine prunkvolle Grabkammer gestoßen.

Zwei Schwerlastkräne heben einen Block an. Foto: Felix Kästle/dpa

Zwei Schwerlastkräne heben einen Block an. Foto: Felix Kästle/dpa

Eine frühkeltische Prunkgrabkammer aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus ist am Dienstag im Kreis Sigmaringen geborgen worden. Zwei Kräne hoben einen 80 Tonnen schweren Block aus dem Boden. Auf einem Tieflader soll die komplette Holzgrabkammer in ein Labor des Landesamts für Denkmalpflege nach Ludwigsburg gebracht werden. Dort soll sie in den nächsten Jahren untersucht werden. Das Grab war bei Ausgrabungen auf einem Acker nahe der Heuneburg bei Herbertingen gefunden worden. Wertvolle Grabbeigaben aus Gold und Bernstein lassen laut Archäologen erahnen, dass eine bedeutende Persönlichkeit bestattet worden ist.

Der einstige Fürstensitz Heuneburg an der Donau gilt als die älteste frühstädtische Siedlung nördlich der Alpen. Vor knapp zehn Jahren waren die Forscher nur wenige Meter vom aktuellen Fundort entfernt auf die Grabkammer einer Keltenfürstin gestoßen. Der Fund zählt zu den bisher bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland. 2005 fanden Archäologen in dem Areal auch das Grab eines etwa zwei bis drei Jahren alten Mädchens, das mit wertvollen Beigaben bestattet worden ist.

Die Forscher vermuten eine Beziehung zwischen den Gräbern. „Wir gehen davon aus, dass es sich um nahverwandte Mitglieder der politisch führenden Familien handelt, die um 600 v. Chr. das Sagen auf der Heuneburg hatten“, sagte Projektleiter und Landesarchäologe Professor Dirk Krausse.

Die Kelten sind eine Gruppe von Völkern, die vor mehr als 2000 Jahren weite Teile Europas besiedelten. Über ihre Kultur und ihr Alltagsleben ist wenig bekannt, sie hinterließen keine Schriftzeugnisse. Verschwunden sind die Kelten um Christi Geburt. Ihr Kernsiedlungsgebiet war in Süddeutschland und Ostfrankreich. Als Erben der alten Kelten verstehen sich heute unter anderem Schotten, Iren, Bretonen in Nordwestfrankreich und Galizier in Nordwestspanien.

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6. Oktober 2020, 17:16 Uhr

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